Wegen der stark gestiegenen Energiekosten liegt nun ein neues Entlastungspaket auf dem Tisch. Doch was bringt es dem einzelnen
Wegen der stark gestiegenen Energiekosten liegt nun ein neues Entlastungspaket auf dem Tisch. Doch was bringt es dem einzelnen Bürger wirklich? Da gehen die Meinungen noch auseinander. M. Schuppich - Fotolia
Reaktionen

Das sagen Stadtwerke und Sozialdienste an der Seenplatte zum Entlastungspaket

65 Milliarden Euro schwer ist das neue Energie-Entlastungspaket der Bundesregierung. Die Reaktionen darauf fallen in der Region recht unterschiedlich aus.
Teterow

Das Hilfspaket enthalte gute Ansätze, aber es fehle noch an Informationen zur Umsetzung, meint Rica Düde-Grandke, Geschäftsführerin des Sozialwerks Malchin-Teterow. „Das ist auch für uns entscheidend. Im Moment sehe ich gar nicht, ob es auch für Einrichtungen wie die unsere Ausgleichsmaßnahmen gibt. Wir sind noch dabei zu gucken, ob wir alles aufrechterhalten können. Aber wir merken auch, dass der Bedarf groß ist, dass gerade die Tafeln gebraucht werden.“

„Wir fangen jetzt erst mit teurem Einkauf an”

Mit gemischten Gefühlen blickt Hagen Frank Böhme, Geschäftsführer der Teterower Stadtwerke, auf das Entlastungspaket – weil zu viele Fragen offenbleiben. „Was stark fehlt, ist das Thema Wirtschaft“, sagt er gerade vor dem Hintergrund, wie Unternehmen noch wettbewerbsfähig produzieren sollen. „Man kann nur hoffen, dass die Politik ein Stück weit wacher wird, was unsere Wirtschaft angeht.“ Was die steigenden Kosten für Gas und Strom angeht, würden die auch beim Haushaltskunden in den nächsten drei Jahren durchschlagen. Da werde das Hilfspaket nicht reichen. „Wir fangen jetzt erst an mit teurem Einkauf“, so der Stadtwerkechef.

Überblick der Strompreisbremse: Wie Verbraucher entlastet werden sollen

Gnoiens Bürgermeister Lars Schwarz (CDU) sieht die beschlossenen Maßnahmen zwar als dringend erforderlich an, allerdings sei schon absehbar, dass sie in Umfang und Wirkung nicht ausreichen werden. Das Paket müsse nun auch schnell umgesetzt werden.

Als Dehoga-Landespräsident sehe Schwarz in dem Entlastungspaket einige Maßnahmen enthalten, die die Branche auch gefordert hatte. Dazu zähle die steuer- und abgabenfreie Zusatzzahlung, die Arbeitgeber an ihre Beschäftigten in Höhe bis zu 3000 Euro leisten können. Ein wichtiges und Mut machendes Signal sei zudem, dass die Umsatzsteuer für Speisen in der Gastronomie auf sieben Prozent gesenkt bleibt. Dennoch lasse die Entlastung für Unternehmen noch zu wünschen übrig. „So soll die Strompreisbremse zwar auch für kleine Unternehmen gelten. Doch wann das in Kraft tritt, ist unklar“, bemängelt Schwarz. Außerdem enthalte das Paket keine Aussage zu den Gaspreisen.

Wie das Entlastungspaket im Detail zu bewerten ist, dazu wollte Katrin Berndt am Montag noch nichts sagen. Die junge Frau ist Projektmanagerin beim Regionalen Unternehmensnetzwerk RUN in Malchin. Eine Reaktion von Betrieben, die Mitglieder des Netzwerkes sind, habe sie noch nicht bekommen. Auf jeden Fall werde das Thema in den nächsten Wochen weiter auf der Tagesordnung stehen. Am 23. September hat das Netzwerk den Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Reinhard Meyer (SPD), zu Gast. Dabei werde es zwei Schwerpunktthemen geben: Thema eins sei die Energiekrise und die explodierenden Kosten, Thema zwei der akute Fachkräftemangel.

Seniorenbeirat: Zahlung für Rentner reicht nicht

Die angekündigte Einmalzahlung für Rentner in Höhe von 300 Euro sei in der Höhe zu wenig, sagt Egon Luth, der Vorsitzender des Seniorenbeirates in Teterow ist. Schließlich werden die Preiserhöhungen in allen Bereichen wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum andauern. Zudem werde das Geld wohl erst im Dezember ausgezahlt, aber was passiert mit der Zeit danach, fragt er sich.

Ralf Heisterkamp, Standortleiter des Danish-Crown-Schlachthofes in Teterow, hält die Ankündigungen der Regierung grundsätzlich für positiv. Schließlich sollen künftig auch Energieintensive Unternehmen entlastet werden. Allerdings wünscht sich Heisterkamp schnell Konkretisierungen: „Man muss sehen, an wen die Entlastungen verteilt werden und vor allem in welcher Höhe.“ Der Betrieb müsse wegen der höheren Energiepreise spätestens ab Herbst die Preise stark erhöhen. Das würde dann letztendlich auch der Kunde im Einzelhandel an der Fleischtheke bemerken. Eine Entlastung würde die Preissteigerung in Grenzen halten, ist Heisterkamp überzeugt.

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