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Wie gefährlich war die Rauchwolke?

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Der Brandmeister spricht zum Deponie-Qualm

Die Mülldeponie in Rosenow nimmt den Abfall aus drei Landkreisen auf.
Die Mülldeponie in Rosenow nimmt den Abfall aus drei Landkreisen auf.
Ole Steindorf-Sabath

Die riesige Rauchwolke von der Müllhalde in Rosenow beschäftigt nun auch die Kreispolitik. Der Sicherheitsausschuss der Seenplatte hatte einige Fragen.

Diesen Satz wird Eiko Potreck so schnell nicht wieder sagen: Die Bürger sollten Fenster und Türen geschlossen halten. So hatte sich der Geschäftsführer der Deponiegesellschaft OVVD geäußert, als am 8. August aus einem der Müllhaufen der Rosenower Deponie eine riesige Rauchwolke aufstieg. Doch derartige Hinweise und Warnungen seien Aufgabe der Feuerwehr, musste der Deponie-Chef inzwischen zur Kenntnis nehmen.

Potreck war an jenem heißen Mittwoch der Einzige, der den besorgten Anwohnern kurz nach Ausbruch des Brandes eine klare Ansage machte – und das war nun offenbar auch noch falsch. Was denn nun richtig gewesen wäre, das versuchte der Ausschuss für Ordnung, Sicherheit, Brand- und Katastrophenschutz des Seenplatten-Landkreises herauszubekommen und hatte sich dazu unter anderen den OVVD-Geschäftsführer eingeladen.

Der Wind trieb die Qualmwolke

Was war nun am 8. August auf der Deponie passiert? Zweimal sei hier vor Ausbruch des Feuers ein lautes Knallen zu hören gewesen. „Wir vermuten, dass es von einer Sprayflasche oder vielleicht einem Feuerzeug ausging“, berichtete Potreck. Kurz darauf war dann ein Feuer im Rohmülllager entdeckt worden, gegen das zunächst die Löschhilfsgruppe der Deponie vorgegangen sei. Dann sei der Brand an die Feuerwehr übergeben worden. Da der Müll stark verdichtet war, konnten sich die Flammen nur oberflächlich ausbreiten. Allerdings fachte der Wind das Feuer immer wieder an, der dann auch die riesige Qualmwolke in Richtung von umliegenden Orten trieb.

Ob es denn eine Regelung zur Information der Bürger im Umfeld der Deponie gebe oder vielleicht Messeinrichtungen, die eine eventuelle Luftverschmutzung feststellen könnten, wollten die Ausschussmitglieder wissen. Beides verneinte Potreck.

„Andere Deponien im Kreis viel gefährlicher“

Doch wie war das nun mit der Rauchwolke, die Anwohner in umliegenden Orten beunruhigte? „Die weiße Wolke war Wasserdampf“, erklärte Kreisbrandmeister Norbert Rieger, der selbst als „Berater des Einsatzleiters“ mit vor Ort gewesen war. „Da entsteht nichts Anderes, als wenn eine Strohpresse brennt“, meinte Rieger. Eine Messung sei für die Feuerwehr nicht entscheidend gewesen. Wie er dann aber so sicher sein konnte, dass nicht auch Schadstoffe aus dem Müll mit der Rauchwolke in den Himmel stiegen, verriet Rieger nicht.

Offenbar waren die Einsatzkräfte davon ausgegangen, dass im Hausmüll schon nichts Schädliches dabei sein werde. Rieger verwies auf andere Deponien an der Seenplatte, die gefährlicher seien. Warum bei einer Wasserdampf-Wolke zwei Stunden nach dem Ausbruch des Feuers dann doch noch der ABC-Erkundungstrupp aus Gielow nach Rosenow geschickt wurde, darauf ging Rieger lieber erst gar nicht ein.

Leitstelle mit weiterer Nummer erreichbar

Es sei ja wohl ein schlechter Rat gewesen, dass sich die Bevölkerung in solchen Situationen an die ehrenamtlichen Bürgermeister wenden sollte, wandte sich der Ausschuss an Kreisordnungsamtsleiter Peter Handsche. Die Bürgermeister müssten sich in solchen Fällen der hauptamtlichen Amtsverwaltung bedienen, antwortete Handsche und musste sich dann vom Kreisbrandmeister sagen lassen, dass die Formulierung mit den Bürgermeistern wohl eine ziemlich unglückliche war.

„Richtig wäre es, die Leitstelle anzurufen, die sich dann beim Einsatzleiter erkundigt“, machte Norbert Rieger schließlich deutlich. Die im Internet angegebene Telefon-Nummer der Rettungsleitstelle war an dem Brandtag allerdings überlastet. Immerhin hat die Kreisverwaltung nun eine weitere öffentliche amtliche Rufnummer der Leitstelle bekannt gegeben: 0395 5822222. Diese Nummer darf allerdings nicht für Notrufe genutzt werden.