AUSSTELLUNG

Der dunkle Nazi-Schatten von Teterows Bergring

Anschaulich wird im Teterower Stadtmuseum derzeit ein besonderes Kapitel aus der Geschichte der berühmten Grasrennbahn gezeigt: die 1930er Jahre. Allerdings passiert das eher unkommentiert.
Die Rennen wurden von den Nazis für ihre Zwecke genutzt. Der Ortsgruppenführer beglückwünscht hier die Sie
Die Rennen wurden von den Nazis für ihre Zwecke genutzt. Der Ortsgruppenführer beglückwünscht hier die Sieger. Voß
Aus allen „Gauen Deutschlands“ kamen sie in die Mecklenburgische Schweiz und „Zur Kampfstätte!“,
Aus allen „Gauen Deutschlands“ kamen sie in die Mecklenburgische Schweiz und „Zur Kampfstätte!“, wie Broschüren aus dem Jahr 1934 verdeutlichen. Silke Voß
Ein Schild, aus dem Schlick des Rensower Dorfangers gezogen, erinnert noch heute daran, dass das NSKK bis in den letzten Winke
Ein Schild, aus dem Schlick des Rensower Dorfangers gezogen, erinnert noch heute daran, dass das NSKK bis in den letzten Winkel präsent war. Splett-Henning
Das Programmheft des Rennens 1938, durchgeführt vom NSKK.
Das Programmheft des Rennens 1938, durchgeführt vom NSKK. Silke Voss
„Zur Kampfstätte!” heißt es in einem Programmheft von 1936.
„Zur Kampfstätte!” heißt es in einem Programmheft von 1936. Silke Voss
Teterow ·

Teterow ist voller Stolz Bergringstadt. Immerhin: Hier liegt Europas älteste Grasrennbahn. Seit nahezu 100 Jahren werden dort Motocrosswettkämpfe, meist mit internationaler Beteiligung, veranstaltet. Die kleine Stadt ist sogar Gastgeber der Speedway-WM. Grund genug, den „mecklenburgischen Nürburgring“ mit einer Ausstellung zu würdigen.

Es beginnt harmlos

Die Schau im Stadtmuseum Teterow widmet sich den Anfangsjahren 1930 bis 1939, vor der Mobilmachung im Zweiten Weltkrieg, der die Rennen erstmal lahmlegte. Dass die Ausrichter der 1930er-Wettkämpfe maßgeblich an der Vorbereitung dieses weltweiten Desasters beteiligt waren, wird in der Schau eher am Rande erwähnt. Eine heikle Zeitspanne, an die sich der ADAC Motorsportclub Bergring Teterow als Ausstatter der Exposition wagt.

Alles beginnt harmlos mit dem Hechtgreifen mit Motorrädern, veranstaltet zum Gaudi durch den Teterower  MC. Nachdem das verboten wurde, setzte sich der Sportclub für den Bau einer Rennstrecke in den nahen Heidbergen ein, die 1930 eröffnet wurde. Dass mit dem politischen Erdbeben 1933 der TMC schnell aufgelöst und dem NSKK, dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps, unterstellt wurde, wird auf einer eigenen Infotafel erwähnt. Auch, dass das NSKK neben der SA und SS als paramilitärische Unterorganisation der NSDAP fungierte. Klar gestellt wird durchaus auch, dass die Motorsportbegeisterung der Jugend mittels öffentlichem Propagandamaterial für faschistische Zwecke missbraucht wurde und das NSKK sogar am Holocaust beteiligt war.

Gauleiter stiften Ehrenpreise für die Sieger

Die chronologisch aufgebauten Ausstellungstafeln selbst allerdings bleiben unkommentiert. Kein Wunder, dass es in dieser Zeit ziemlich „gauleitert“, denn Veranstalter war das NSKK selbst. Die in Vitrinen gezeigten Utensilien, etwa Bergringgeschirr und Programmhefte, könnten bei flüchtigem Blick wie NS-Devotionalien betrachtet werden. Und manchem Besucher das Herz, wenn es am allzu rechten Fleck sitzt, vor Kraft und Freude höher schlagen lassen. Das Programmheft von 1937 etwa ruft in Fraktura auf, „Zur Kampfstätte“! Ortsgruppenführer in Uniform beglückwünschen die Sieger mit Haupt- und Ehrenpreisen, gestiftet von Gauleitern wie Friedrich Hildebrandt.

Die Rennbahn wurde ausgebaut, Cafés, Pensionen, Gaststätten, der ganze Tourismus in Teterow und Umgebung nahm Aufschwung. Völkische Werbebroschüren berichten 1934 davon, dass die Menschen „aus allen Gauen Deutschlands“ herbeikamen. Die romantischen Landschlösser Basedow, Burg Schlitz, Remplin, Schlieffenberg – herrliche Wanderziele! Dass die Höhen bei Burg Schlitz kriegsvorbereitenden Manövern dienten, selbstgefällig begutachtet von Adolf Hitler höchstpersönlich, wird nicht erwähnt. Auch nicht, dass jener Hildebrandt, zeitweise sogar Schirmherr des Rennens, 1940 höchstselbst an den Flammen des brennenden Rempliner Schlosses stand, dessen Besitzer Georg Herzog zu Mecklenburg im KZ Sachsenhausen landete.

Vieles diente der Kriegsmobilmachung

„Rennfahrer sind harte Naturen. Zähne nach hinten geklappt und Nasenbein gebrochen, jedoch schnell wieder aus dem Krankenhaus ausgerückt“, heißt es über sie. Natürlich, so was gefällt den Hitlerjungen, die das knatternde Equipment vom NSKK gestellt bekamen. Dass das zur Kriegsmobilmachung diente, konnten sie damals ja nicht wissen. Dem NSKK oblag die fahrtechnische, handwerkliche, sportliche und weltanschauliche Schulung seiner Mitglieder, teils an eigenen Motorsportschulen, daneben auch die vormilitärische Ausbildung für den Einsatz bei Heereseinheiten, und während des Krieges der Einsatz auch für Transportzwecke der Wehrmacht und der Rüstung. Aus der Teterower Ausstellung erfährt man das kaum.

Stattdessen schaut der Betrachter in lachende Gesichter von siegreichen Rennfahrern aus Belgien, England, Holland. 1936, als sich Deutschland als weltoffener Gastgeber der Olympischen Spiele präsentierte, war auch das Jahr des ersten internationalen Bergringrennens in Teterow. Zynismus der Geschichte: Menschen jener Nationen landeten später in deutschen Gaskammern.

Die Ausstellungsmacher wollten auf die interessanten Anfänge des Bergringrennens anschaulich hinweisen, was ihnen gut gelungen ist. Wie schnell man aber einer Verharmlosung der Kriegspropaganda auf den Leim gehen kann, zeigt die Exposition auch. Überall war das NSKK präsent, selbst am kleinen Dorfanger Rensow.

Vor dem Einmarsch der Russen

Aus dem hat jüngst Knut Splett-Henning ein rostiges Emailleschild gezogen: vom NSKK. Wann es da hineingeraten sein mag, lässt sich auf eine kurze Zeitspanne eingrenzen: irgendwann in den ersten Maitagen 1945, kurz vor dem Einmarsch der Russen. Der Rensower Gutshausbesitzer weiß: „Die Rennen waren die Vorbereitung des Umgangs mit Motorrädern im schweren Gelände – diese Fähigkeiten konnten die Motorsportbegeisterten dann an der Ostfront zur Schau stellen.“ Insofern meint er, der auch die Ausstellung gesehen hat, ganz klar: Hier sollte man gefühlvoller und auf jeden Fall kritischer mit der Geschichte umgehen.

Um Gottes willen wolle man keine Verherrlichung der Nazidiktatur betreiben, betont Hartmut Rachow, der als Bergring-Archivar das Ausstellungsmaterial geliefert hat. „Ich weiß, dass das NSKK eine Kriegsverbrecherorganisation war und speziell Gauleiter Hildebrand auch der Prozess gemacht wurde.“ Ihm gehe es lediglich um das Sammeln der historischen sportlichen Fakten, wie es der MC Bergring für jedes Renn-Jahr, darunter auch aus der anders politisch instrumentalisierten DDR-Zeit, getan habe. „Und ich gehe davon aus, dass der Ausstellungsbesucher ein mündiger Bürger ist.“

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Kommentare (3)

🤭

"Und manchem Besucher das Herz, wenn es am allzu rechten Fleck sitzt, vor Kraft und Freude höher schlagen lassen."
Das sollte etwas für Sie sein.

Wieso werden Wettkämpfe die dazu gehörenden Rennen sowie Die Fahrer zu der Zeit außer acht gelassen???
Dann müßten alle Grasbahnrennen zu DDR Zeiten auch aus allen Geschichtsbüchern gestrichen werden,
denn Diese DDR war ja auch laut BRD ein Unrechtsstaat!?
Kann nur dazu aufrufen dieser nichtssagenden Veranstaltung im Museum fern zu bleiben.
Möchte schließlich wissen wer dort gefahren ist-die Sieger sind und mir selbst ein Bild zu machen!
AN DEN NORDKURIER: Bevor man Unsinn schreibt, lieber vohrher mal googeln-steht alles im Internet !!!
Teterow war und wird nie eine Motocrossstrecke werden, sondern ist eine Grasbahnstrecke für Bahnsport-seid 100Jahren,
Zeit genug war`s dieses heraus zu finden-Traurig Für eine Reporterin aus Teterow!