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Die Biker lassen ihren kranken Kumpel nicht im Stich

Sie haben ihn nicht vergessen: Die Motorradfreunde besuchten Ronny Klum in Remershof bei Dargun.
Sie haben ihn nicht vergessen: Die Motorradfreunde besuchten Ronny Klum in Remershof bei Dargun.
Torsten Bengelsdorf

Selber aufs Motorrad steigen kann der schwer kranke Ronny Klum schon lange nicht mehr. Eine Behandlung, die ihn am Leben erhalten könnte, lehnt er ab. Zum Glück kann er in diesen Momenten auf seine Freunde zählen, denn die haben sich etwas ganz Besonderes für ihren Kumpel ausgedacht.

Die Männer hatten extra noch einige Trikes besorgt, um ihren Kumpel noch einmal auf eine Fahrt mitzunehmen. Nur kurz sollte die Strecke sein, vom kleinen Ort Remershof die B 110 entlang nach Dargun und zurück. Ein paar Kilometer. Alles andere wäre wohl schon eine zu große Anstrengung für Ronny Klum. Doch selbst für diese kleine Ausfahrt reicht die Kraft des 41-Jährigen nicht mehr.

„Nun haben sich die Jungs die Mühe gemacht. Und nun kommt es nicht so, wie sie es sich versprochen hatten“, meint Ronny Klum fast etwas entschuldigend. Die Männer und auch einige Frauen waren mit vier Trikes und zwölf Motorrädern aus Neustrelitz, Templin, Anklam, Bad Doberan, Malchin und Teterow auf das Gehöft der Familie Klum nach Remershof gekommen. „Wir wollen, dass er einfach noch einmal das Gefühl hat, dabei zu sein, und dass er zu uns gehört“, sagt Andreas Meyer, der die Ausfahrt am Sonnabend organisiert hatte. Die Gedanken gehen zurück an gemeinsame Motorrad-Touren oder an die Computer-Basteleien, bei denen sich die beiden Männer vor etwa zehn Jahren kennen gelernt hatten.

Remershofer will keine Chemo mehr haben

Das alles scheint für Ronny Klum schon eine unheimliche Ewigkeit her zu sein. Auf ein Motorrad zu steigen, daran ist heute nicht mehr zu denken. Ronny Klum hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Die schlimme Form, wie er sagt, eine, die ganz schnell wächst. Zwei Jahre habe ihm der Arzt noch gegeben, doch im Internet hat er erfahren, dass dies eher noch eine optimistische Prognose ist. „Ich will keine zwingend Leben erhaltenen Maßnahmen. Das macht für mich keinen Sinn. Eine Chemo gibt mir vielleicht 18 Tage mehr“, meint Klum. Auch das fand er im Internet heraus. Jahrelang hatte er Computer programmiert. Aber noch wichtiger war ihm immer eine andere Geschichte: „Wenn ich Bilanz ziehe, dann würden die Motorräder die Oberhand gewinnen, ob ich nun damit gefahren bin oder daran geschraubt habe.“ Alle zusammengerechnet habe er über die Jahre wohl an die 40 Maschinen besessen. Er hatte sich nun doch noch vorgenommen, das Haus in Remershof, in dem er seit dem Jahr 2011 mit seiner Frau und den fünf Kindern wohnt, weiter auszubauen. Seiner Frau stehen die Tränen in den Augen, wenn er so erzählt. Mit Hilfe der Kumpels geht es hinaus zu den Maschinen, die vor dem Tor stehen. Dann nehmen die Kinder Platz in einem Trike und es geht los zu einer kurzen Tour. Für die Kleinen ein tolles Erlebnis, das sie einen Moment vergessen lässt, wie schlimm es um den Vater steht.

Motorradfahrer sammeln Spenden für Kinder

„Er ist einfach ein guter Kumpel“, sagt Andreas Meyer, der in Neustrelitz zusammen mit anderen Motorradfahrern jedes Jahr Spenden für Kinder sammelt. Enttäuscht ist am Sonnabend hier niemand, dass aus der Ausfahrt mit Ronny nun nichts mehr geworden ist. „Er hat sich gefreut, dass wir hier waren und ihn nicht vergessen haben. Das ist es, was zählt“, meint einer der Biker zum Abschied.