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Die erste Pflege-WG legt in Gnoien los

Malermeister Arnold Glemann zeigt Inge Camesasca die Muster für den Fußbodenbelag in den Patientenzimmern.  FOTO: E. Rogmann

Von unserem RedaktionsmitgliedEberhard RogmannEine neue Wohnform will die Alternative zwischen Pflege zu Hause und dem Aufenthalt im Heim bieten. Doch der Weg ...

Von unserem RedaktionsmitgliedEberhard Rogmann

Eine neue Wohnform will die Alternative zwischen Pflege zu Hause und dem Aufenthalt im Heim bieten. Doch der Weg dahin war steinig.

Gnoien.Auf ihrer Baustelle schaut Inge Camesasca den Handwerkern ganz genau auf die Finger. „Behindertengerecht zu bauen, ist doch mit etlichen Besonderheiten verbunden. Da ist ihnen nicht alles geläufig“, weiß die Betreiberin des ambulanten Pflegedienstes „Wir helfen daheim“. Ein Beispiel hat sie gleich parat. „Die Wanne im Patientenbad wurde total eingefliest. Das geht so nicht, denn wir müssen da mit einem Patientenlifter ranfahren können.“ Nacharbeit ist in diesem Fall erforderlich. Zehn Tage gibt Frau Camesasca den Bauleuten noch. „Die letzte Aprilwoche gehört uns, die brauchen wir für die Einrichtung“, begründet sie die Terminsetzung.
In der Friedenstraße 29 direkt über der Hubertus-Apotheke richtet Inge Camesasca eine Wohngemeinschaft mit Intensivpflege ein. Hier werden in vier Einzelzimmern Schwerstpflegebedürftige ein Zuhause haben. „Es ist unser Angebot, Menschen, die aufgrund ihrer Erkrankung nicht mehr in der bisherigen Umgebung leben können, ein Maximum an Individualität im Wohnumfeld zu geben. Doch gehört zu der Gemeinschaft auch ein großer offener Wohnbereich mit Küche sowie eine großzügige Dachterrasse.“
Den Bedarf für diese Wohnform schätzt Inge Camesasca durchaus größer, als sie künftig durch ihre vier Zimmer decken kann. Sie ist derzeit der einzige für die Intensivpflege zertifizierte Dienst in der Region und hat einen Überblick über die Fallzahlen von Patienten, die beispielsweise einer künstlichen Beatmung bedürfen. „So etwas in einer Drei-Raum-Wohnung im Plattenblock zu leisten, geht auf Dauer nicht. Hier ist eine Pflege rund um die Uhr erforderlich. Das bedeutet praktisch, dass neben der Familie das Pflegepersonal das Bad und die Küche mitnutzt“, beschreibt sie die Praxis. Zu solch oft bedrückenden und aufreibenden Verhältnissen soll die Pflege-WG eine Alternative bieten. Lange habe sie um die Verwirklichung ihres Vorhabens kämpfen müssen. Immer wieder erhoben die Behörden Einspruch gegen die Nutzung der von ihr auserkorenen Immobilien.
Anfang Mai werden die erste Patienten endlich einziehen können. Am 2. Mai steht die Tür allen Interessenten zur Besichtigung offen.

Kontakt zum Autor
e.rogmann@nordkurier.de