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Autobiografie

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Die sechs Leben des Gregor Gysi

Gregor Gysi - redegewandt, witzig, klar argumentierend - nahm das Publikum in Teterow für sich ein. Foto: Eberhard Rogmann
Gregor Gysi – redegewandt, witzig, klar argumentierend – nahm das Publikum in Teterow für sich ein.
Eberhard Rogmann

„Ein Leben ist zu wenig“ heißt Gysis neues Buch. Und zu wenig waren auch die 200 Plätze im Kulturhaus Teterow. Alle lauschten einem fesselnden Monolog.

Kerstin Möller aus Teterow gehörte mit ihrer Freundin aus Altkalen zu den Ersten, die sich am Mittwochabend im Kulturhaus Teterow einfanden. Die Autorenlesung mit Gregor Gysi wollten sich die beiden Frauen nicht entgehen lassen. Gut anderthalb Stunden vor Beginn nahmen sie ihre Plätze im Saal, der sich zu dieser Stunde rasch füllte, ein.

Sie machten keinen Hehl daraus, dass es ihnen um den Mann ging. „Das Buch kann man auch zu Hause lesen. Natürlich kennen wir Gysi aus Talkshows im Fernsehen. Doch ihm direkt gegenüber zu sitzen, ist etwas ganz anderes“, sagte Kerstin Möller. Damit dürfte sie den meisten im Saal aus dem Herzen gesprochen haben.

Aus Malchin hatte sich Gerold Lehmann auf den Weg nach Teterow gemacht. Er hatte den bekannten Politiker bereits vor fünf Jahren an gleichem Ort erlebt. „Gysi ist ein Glücksfall für die Linke. Ohne ihn wäre sie nicht das, was sie heute ist“, steht für den jungen Mann außer Frage. Politiker von seinem Format seien rar. Nicht zuletzt deshalb hat er seinen 13-jährigen Sohn mitgebracht. „Der Abend verspricht ein Erlebnis zu werden.“

Monolog von anderthalb Stunden

Diese Erwartung wurde nicht enttäuscht. Gregor Gysi beherrscht die Finessen medialer Auftritte bis auf das i-Tüpfelchen. Doch seine eingestandene Eitelkeit hat er unter Kontrolle, billige Effekthascherei ist nicht sein Ding. Er nimmt seine Zuhörer ernst, kennt ihre Befindlichkeiten. Im Gespräch mit Moderator Hans Dieter Schütt nimmt er schnell Fahrt auf. Auf dem ausladenden roten Sofa wird es ihm schnell zu eng im Jackett, dessen er sich flugs entledigt.

Es folgt ein anderthalbstündiges rhetorisches Feuerwerk durch die sechs Leben des Gregor Gysi. Natürlich kann er bedeutsame Momente seines Lebenswegs nur anreißen, sei es der Wendeherbst 1989, die Neuformierung der Partei, die Politik im Bundestag. Als Meister seines Faches verknüpft er glasklare Analysen mit ganz persönlichen Erlebnissen, streut hier eine Anekdote ein und setzt dort eine brillante Pointe. Auch Einblicke in die Familiengeschichte gewährt er.

Ein fesselnder Monolog von anderthalb Stunden. In der Pause, während das Publikum sich an erfrischenden Getränken labt oder eine kleine Stärkung zu sich nimmt, signiert der quicklebendige, schier unermüdlich Mann Bücher. Was er auf seine unverwechselbare Art kommentiert. „Zum Glück ist Gysi so schön kurz im Gegensatz zu Leutheuser-Schnarrenberger.“