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Malchiner Stadtvertreter schaffen das Papier ab

Papier? Nein, danke. Stadtvertreter Fritz Grotevendt nimmt gern sein Tablet zur Hand.
Papier? Nein, danke. Stadtvertreter Fritz Grotevendt nimmt gern sein Tablet zur Hand.
Eckhard Kruse

Auch wenn Malchin seit Mittwochabend einen beschlossenen Haushaltsplan mit Millionen-Fehlbeträgen hat – bei neuer Technik lassen sich die Stadtvertreter nicht lumpen und sitzen jetzt vor modernen Tablets. Doch nicht jeder kommt mit dieser Technik klar.

So schlecht scheint es den Malchinern nun wirklich nicht zu gehen. Auch wenn auf den Bildschirmen der Stadtvertreter Zahlen erschienen, die wenig Freude machen. Von Fehlbeträgen in Millionenhöhe war da die Rede auf der Sondersitzung der Stadtvertreter zum Haushaltsplan. Doch den dicken Minuszeichen zum Trotz – fast jeder Abgeordnete hat mittlerweile ein schmuckes Tablet vor der Nase. Damit sind die Malchiner die ersten Volksvertreter in der Region, die auf Papier-Vorlagen weitgehend verzichten.

Die Finanzen gibt es doch noch mal auf Papier

Am Mittwochabend hatten sie allerdings doch noch einmal einen dicken Packen auf ihren Tischen. „Den Haushalt haben wir noch einmal in Papierform ausgedruckt“, erklärte Stadträtin Manuela Rißer. Das Zahlenwerk ist so umfangreich, dass die Abgeordneten mit ihren Tablets wohl leicht durcheinander kommen könnten. Was steht drin im Finanz-Kursbuch 2015? Zum Beispiel, dass sich die Stadt Investitionen in Höhe von 2,5 Millionen Euro leistet. Das reicht von den Bauarbeiten in der Basedower Straße, die mit 741 400 Euro zu Buche schlagen, bis hin zur Anschaffung eines neuen Transporters für den Stadtbauhof für 41 900 Euro.

Überfordert von den vielen Zahlen fühlte sich die Fraktions-Chefin der Linken, Kerstin Mahnke. Eine Woche sei zu kurz gewesen, um sich mit dem Haushalt zu beschäftigen, meinte sie. Die vier Stadtvertreter der Linken enthielten sich der Stimme. Die anderen 13 anwesenden Abgeordneten gaben dem Haushalt dagegen ihren Segen.

Das passiert im Hohen Hause übrigens mit Handheben und noch nicht per Knopfdruck auf derTastatur. Überhaupt hält noch nicht jeder etwas von diesen neumodischen Tablet-Computern. Bürgervorsteher Andreas Hammermüller (CDU) etwa lehnt sie ab und möchte alles weiter schriftlich haben. Kerstin Mahnke ist der Bildschirm einfach zu klein, sie setzt ebenfalls weiter auf Papier.

Gleich wieder Ärger

Die Tablets hatten gleich wieder für Ärger gesorgt. Bei der Anschaffung seien Malchiner Computerhändler gar nicht gefragt worden, schimpfte jüngst SPD-Fraktions-Chef Volker Herold. Und er ist sich sicher: „Die beiden Malchiner Firmen hätten das zum gleichen Preis gemacht – vielleicht sogar noch etwas billiger.“ Ohnehin sollten sämtliche Ausschreibungen den Malchiner Betrieben besser zugänglich gemacht werden, forderte Herold.

Bürgermeister Jörg Lange (parteilos) wies die Vorwürfe inzwischen zurück: Alles frei erfunden. Der Kauf  sei, wie es Vorschrift ist, ausgeschrieben worden. Es seien Angebote von Fachfirmen eingeholt worden. Und es habe auch einen Rabatt gegeben. Immerhin hat sich die Stadt gleich 25 Geräte zugelegt, im Wert von 399 Euro pro Stück. „Ich arbeite damit inzwischen auch lieber als mit Papier“, bekennt der Bürgermeister, der auch eines der Geräte abbekommen hat.