Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ist geprägt voller Aberglaube.
Die Zeit zwischen Weihnachten und Silvester ist geprägt voller Aberglaube. Arno Burgi
Wotan wütete als Ungeheuer auf einem Ross, eine Zeichnung von 1909.
Wotan wütete als Ungeheuer auf einem Ross, eine Zeichnung von 1909. !. Gardener
Weihnachten bis Silvester

Diese Mythen und Aberglauben ranken sich um den Jahreswechsel

Die Zeit vom 25. Dezember bis zum 6. Januar spielte im Volksglauben eine große Rolle. Gewisse Dinge durfte man keinesfalls tun.
Teterow

Viele Mythen ranken sich um die Zeit vom Weihnachtstag bis zum Fest der Heiligen Drei Könige, in der auch reiches Brauchtum gepflegt wurde. Zwölf Nächte sind es deshalb, weil es nach dem alten germanischen Kalender einen Wechsel vom Mondjahr (354 Tage) zum Sonnenjahr (365 Jahre) gab, also eine Differenz von elf Tagen oder eben zwölf Nächten. Diese galten als „tote Zeit“ oder als „Zeit zwischen den Jahren“.

Die „Teterower Nachrichten“ widmeten den gefürchteten Nächten am30. Dezember 1923 einen längeren Beitrag. Es hieß in der Zeitung: „Allerlei gespenstige Wesen sollen dem Aberglauben nach ihr Unwesen treiben. Der entthronte Götterfürst Wothan soll in diesen Nachtstunden auf seinem Ross die Lüfte durcheilen, gefolgt von einer tollen, johlenden Schar. Wehe dem, der diesen Unholden in die Hände fällt. Sein letztes Stündlein hat geschlagen.“

Frauen mussten nicht spinnen, nähen und backen

In alten Zeiten ruhte in diesen Tagen das Spinnrad, auch die Wagen blieben auf dem Hof stehen. Es wurde kein Brot gebacken, kein Rock genäht. Den Tieren ging es gut in den zwölf Nächten, sie wurden reichlich mit Nahrung versorgt.

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Die jungen Mädchen aber nutzten die Zeit, mit allerhand Orakeln das Schicksal zu befragen. Für sie handelte es sich immer wieder um die wichtige Frage, ob und wann denn ein Freiersmann kommen werde. Zur Mitternachtsstunde traten die Bauernmädchen mit frischem Kuchen ins Freie und schritten dreimal ums Haus. Erblickten sie dann am nächsten Morgen zuerst einen Mann, blühte ihr Glück, der Freiersmann war nahe. Trat ihnen aber eine Frau zuerst entgegen, bedeutete dies Unglück.

In der Zeit der „Zwölften“ sollte man keinesfalls Wasser vergießen, da das auf Tränen deutete. Das Brunnenwasser jedoch sollte zauberkräftige Macht haben, doch nur für denjenigen, der es schweigend betrachtete. Ein Blick in den Brunnen oder in stehende Gewässer sollte die Zukunft klarlegen.

Auch ein anderes seltsames Orakel wurde in den „Zwölfen“ bevorzugt befragt, nämlich der Gänsemagen.Dieser sollte voraussagen, ob das nächste Jahr fruchtbar werde oder nicht.

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Ein Brauch hatte sich sogar bis in die jüngere Vergangenheit gehalten. Es war verboten, in dieser Zeit Wäsche zu waschen und aufzuhängen, denn die weiße Wäsche auf der Leine könnte von den wilden Reitern gestohlen und als Leichentücher verwendet werden. In anderen Versionen dieses Aberglaubens hieß es, wilde Geister könnten sich in der Wäsche verfangen und dann ziemlich böse reagieren.

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