Ilse Koch und Christian Kunz trugen dem Teterower Fotografenmeister Manfred Borstel (links) die Ehrenmitgliedschaft im Heimatb
Ilse Koch und Christian Kunz trugen dem Teterower Fotografenmeister Manfred Borstel (links) die Ehrenmitgliedschaft im Heimatbund an. Simone Pagenkopf
Als Fotograf auf dem Bergring tauchte Borstel durch eine Absperrung. Das brachte ihm Ärger ein.
Als Fotograf auf dem Bergring tauchte Borstel durch eine Absperrung. Das brachte ihm Ärger ein. Archiv Borstel
Borstel-Foto zum Friedensgebet im Herbst 1989. Die Stadtkirche in Teterow vermochte die Teilnehmer gar nicht zu fassen.
Borstel-Foto zum Friedensgebet im Herbst 1989. Die Stadtkirche in Teterow vermochte die Teilnehmer gar nicht zu fassen. Archiv Borstel
Diese Kamera war im Fotohaus Borstel bis 1990 im Einsatz, nun steht sie im Museum.
Diese Kamera war im Fotohaus Borstel bis 1990 im Einsatz, nun steht sie im Museum. Archiv Borstel
Aus dem Foto vermerkt: "Prinz Louis Ferdinand und Prinz Hubertus von Preußen. Die jüngsten Söhne des Kronprinzenpaares."
Aus dem Foto vermerkt: "Prinz Louis Ferdinand und Prinz Hubertus von Preußen. Die jüngsten Söhne des Kronprinzenpaares." Archiv Kunz
Manfred Borstel kletterte extra auf den Schornstein der damaligen Molkerei, um diese Aufnahme vom Bahnhofsgelände zu mach
Manfred Borstel kletterte extra auf den Schornstein der damaligen Molkerei, um diese Aufnahme vom Bahnhofsgelände zu machen. Archiv Stadtmuseum
Veranstaltungsreihe

Dieser Teterower Fotograf ist nun Ehrenmitglied im Heimatbund

Das Fotofachgeschäft Borstel ist so etwas wie das Bildarchiv Teterows. Nun verriet Manfred Borstel, warum er nach einem Vorfall nicht mehr auf dem Bergring fotografieren wollte.
Teterow

„So aufgeregt bin ich noch nie gewesen“, gab Dr. Christian Kunz unumwunden zu. Und das bei der mittlerweile 84. Auflage von „Teterower Geschichte(n)“, der Veranstaltungsreihe von Heimatbund und Stadtarchiv in der Bergringstadt.

Gleich zwei Gründe gab es: Der stellvertretende Vorsitzende des Heimatbundes präsentierte mit „Das romantische Teterow – fotografiert von Manfred Borstel in den 60ziger (sic!) Jahren“ ein Buch, das – kaum erschienen – schon (fast) vergriffen ist. Und gemeinsam mit der Vorsitzenden Ilse Koch trug er zudem dem Fotografenmeister Manfred Borstel die Ehrenmitgliedschaft im Heimatbund an.

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Manfred Borstel gehörte noch zu DDR-Zeiten zu den Gründungsmitgliedern des Freundeskreises Autografen und Philokartie, der 1990 zum Heimatbund wurde, dem ersten Verein in Teterow überhaupt. „Es gibt eigentlich nichts, was er nicht fotografiert hat“, kommentierte Christian Kunz nicht nur den kleinen Bildband mit Borstels Aufnahmen aus den Sechzigern. Und manchmal sei er auch selbst fotografiert worden.

Zum Beispiel, als er auf dem Bergring samt Fotoausrüstung durch eine Bahn-Absperrung taucht. Ein Moment, den Manfred Borstel allerdings in keiner guten Erinnerung hat. Den Bahndienst hatte damals noch die Polizei gemacht und nach der hatte eine Frau gerufen, um ihn zur Räson zu bringen. „Das war der Anlass, warum ich nicht mehr auf dem Bergring fotografieren wollte“, so Manfred Borstel.

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Apropos Fotografieren. Dort, wo das Fotohaus Borstel seit 1959 zu finden ist, wird bereits seit weit über 100 Jahren Fotografen-Geschichte geschrieben. Bei den „Teterower Geschichte(n)“ ging‘s denn auch um das Thema „Vom Hof-Photograph zum Fotohaus Borstel“.

1908 war es nämlich Wilhelm Gebhard, der in der Wilhelmstraße, der heutigen Niels-Stensen-Straße, mit seinem „Atelier 1. Ranges“ warb. Er fotografierte selbst den kleinen Prinzen Louis Ferdinand von Preußen, Enkel von Kaiser Wilhelm, als dieser „noch ein Stühlchen zu Hilfe nehmen musste, um zu Brüderchen Hubertus in den Kinderwagen zu schauen“. So hatte die „Neue Welt“ das Foto später untertitelt, als sie es samt einer kleinen Bildersammlung zum 75. Geburtstag des Prinzen veröffentlichte.

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Gebhard bekam nach dem Prinzen-Bild den Titel „Grossherzoglicher Hof-Photograph“. Entsprechend zeigten seine Originalaufnahmen auch das großherzogliche Wappen, hatte Christian Kunz Beispiele parat. Etwa ein Bild von Prinz Oskar von Preußen mit seiner Braut Gräfin Ina Marie von Bassewitz, verheiratet dann Gräfin Ina Marie von Ruppin, das in Bristow entstanden sei, wie Christian Kunz zu berichten weiß. Nach dem Tod von Wilhelm Gebhard im Jahr 1927 hat dessen Frau Charlotte das Atelier erst einmal weitergeführt.

Gut 20 Jahre war es dann als Foto Barfels bekannt, bis Anfang 1959 Fotografenmeisterin Christa Wallschläger das Fotogeschäft übernahm, die kurz darauf Frau Borstel wurde. Angesichts des maroden Zustands des Fotohauses, in dem Borstels Mieter waren, musste sich Manfred Borstel übrigens noch in ganz anderen Berufen versuchen. Ob Hilfsmaurer oder Innenarchitekt, es wurde immer versucht, wenigstens notdürftig zu reparieren und herzurichten.

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Bis zur Wende nutzten Borstels eine große Plattenkamera, die heute einen Platz im Stadtmuseum hat. Vor allem für klassische Hochzeitsfotos. Musste retuschiert werden, nahm sich ihre Mutter das Negativ vor. Sie war die einzige, die die Negativretusche konnte, erinnert Ulrike Borstel, die das Fachgeschäft heute führt. Das so etwas wie das Bildarchiv Teterows ist.

Ob es Aufnahmen aus luftiger Höhe sind – Manfred Borstel war zum Beispiel um 1970 auf den großen Schornstein der Molkerei geklettert, um unter anderem das Bahnhofsgelände mit der Güterabfertigung zu fotografieren – oder Bilder von den Friedensgebeten im Herbst 1989. „Teterow ist eine der wenigen Städte, in denen es so umfangreiches Material jener Herbsttage gibt“, so Christian Kunz. Dass Manfred Borstel und sein Sohn Thomas fotografierten, wurde akzeptiert, weil jeder sie kannte, fügte er hinzu.

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Für den kleinen Bildband „Das romantische Teterow“ hat übrigens Ulrike Borstel die Fotos ihres Vaters aufbereitet. „Mit sehr viel Herzblut“, weiß dieser. „Wenn sie das nicht gemacht hätte, hätten wir jetzt nichts zu sehen.“

Die Nachfrage war gleich mit Erscheinen riesig. Nur ein paar wenige Exemplare sind noch zu haben. Die soll es kommenden Donnerstag im Fotogeschäft Borstel geben. Ulrike Borstel bedankt sich vor allem auch noch einmal bei Maik Wahlandt, der den Druck übernahm. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man ein Fotobuch in solcher Qualität bekommt.“

 

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