SENSATION

Drei neue Spinnen-Arten in der Seenplatte entdeckt

Über mehrere Monate hat Gudrun Marin-Ziegler erfasst, was da an Spinnen alles durch den Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See krabbelt. Dabei hat sie eine sensationelle Entdeckung gemacht.
Simone Pagenkopf Simone Pagenkopf
Die Braune Krabbenspinne ist eine, die sich an allen vier Standorten findet. Sie baut kein Netz, sondern wartet ganz ruhig, bis sich die Beute nähert und schnellt dann vor. Vor allem Käfer fallen ihr zum Opfer. 
Die Braune Krabbenspinne ist eine, die sich an allen vier Standorten findet. Sie baut kein Netz, sondern wartet ganz ruhig, bis sich die Beute nähert und schnellt dann vor. Vor allem Käfer fallen ihr zum Opfer. Gudrun Marin-Ziegler
Auf Spinnenfang mit dem Klopfschirm. Gudrun Marin-Ziegler hatte an den verschiedenen Standorten im Naturpark aber auch Fallen aufgestellt und sie war mit dem Kescher unterwegs. Hier in der Kiesgrube Basedow West konnte sie auf diese Weise 92 Spinnen-Arten ausmachen (Archivbild).  
Auf Spinnenfang mit dem Klopfschirm. Gudrun Marin-Ziegler hatte an den verschiedenen Standorten im Naturpark aber auch Fallen aufgestellt und sie war mit dem Kescher unterwegs. Hier in der Kiesgrube Basedow West konnte sie auf diese Weise 92 Spinnen-Arten ausmachen (Archivbild). Simone Pagenkopf
Basedow.

Der Glückwunsch kam prompt. Diese Spinne ist etwas ganz Besonderes, ein seltener Fund, ohne zu übertreiben darf man ihn als eine kleine Sensation beschreiben, kommentierte Ende August ein Nordkurier-Leser die „Spinnenjagd“ im Naturpark Mecklenburgische Schweiz und Kummerower See. Da war die stellvertretende Naturpark-Leiterin Gudrun Marin-Ziegler auf die Ceratinella wideri gestoßen.

Heute kann sie in puncto kleine Sensation noch was drauflegen. Nicht nur die Ceratinella wideri, auch die Mermessus trilobatus (beide stammen aus der Familie der Baldachinspinnen) sowie die Dipoena melanogaster aus der Familie der Kugelspinnen gingen ihr ins Netz. Und damit gleich drei Spinnen-Arten, die nun erstmals in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesen sind.

148 Arten auf einem Trockenrasenhügel

Manch einen schüttelt‘s ja beim Anblick von Spinnen. Bei diesen Dreien muss man aber schon ganz genau hinschauen. Die Winzlinge messen nicht mehr als zwei bis drei Millimeter. Es ist schon erstaunlich, was da auf unserer Erde so alles an Achtbeinern herumkrabbelt und das im Übrigen seit mehreren hundert Millionen Jahren. Mehr als 46.000 Arten wurden bisher entdeckt, heißt es. In Deutschland seien es rund 1000 Arten.

Trotzdem gehören Spinnen immer noch zu den am wenigsten erforschten Tieren. Mit dem sogenannten Spinnenmonitoring, das im vergangenen Jahr in allen sieben Naturparks des Landes lief, sollte zumindest die Verbreitung von Spinnen in M-V ein Stück weit erfasst werden. Gudrun Marin-Ziegler konnte an vier ausgewählten Standorten – die Kiesgrube in Basedow West, das Kalk-Zwischenmoor Wendischhagen, den Trockenrasenhügel bei Klein Rehberg sowie vor ihrer eigenen Haustür in Klocksin – insgesamt 256 Spinnenarten nachweisen.

Dabei wurden allein auf dem Trockenrasenhügel 148 Arten ausgemacht. „Das war Spitze“, sagt sie. So viele verschiedene Arten habe es an keinem anderen Standort gegeben. Die Auswertung des Spinnenmonitorings ergab, dass elf der nachgewiesenen Arten auf der Roten Liste stehen, also gefährdet sind. Elf weitere Arten gelten als extrem selten.

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