Die geplante Cannabis-Legalisierung wird in der Region von verschiedenen Einrichtungen kontrovers gesehen.
Die geplante Cannabis-Legalisierung wird in der Region von verschiedenen Einrichtungen kontrovers gesehen. Fabian Sommer
Cannabis-Legalisierung

Drogen-Pläne werden regional kritisch gesehen

Neben Nikotin und Alkohol kann bald auch Cannabis in geringen Dosen frei verfügbar sein. Damit der Wirkstoff nicht exzessiv konsumiert wird, wird nun Aufklärungsarbeit gefordert.
Gnoien

Die geplante Cannabis-Legalisierung der Bundesregierung stößt in der Region bei Vertretern verschiedenster Einrichtungen auf ein geteiltes Echo. „Ich sehe es sehr kritisch“, sagt Dr. Marco Krüger. Auch wenn die Herausgabe kontrolliert erfolge – wer sage denn, dass es danach nicht doch an jüngere Leute weiter verkauft werde, fragt der Allgemeinmediziner, der in Gnoien eine Praxis betreibt. So liege der Einstieg beim Cannabis-Konsum heutzutage deutlich unter 18 Jahren. Cannabis sei eine Einstiegsdroge, sagt Dr. Marco Krüger.

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Geringe Mengen sollen legal sein

Hintergrund: Die Bundesregierung sieht unter anderem vor, dass der Besitz von 20 bis 30 Gramm Cannabis zum Eigenkonsum straffrei bleiben soll. Die Abgabe soll an Personen über 21 Jahre erfolgen. Auch der private Eigenanbau von ein paar wenigen Pflanzen solle gestattet sein. Zudem soll mit dem Gesetz dem Gesundheits- sowie Kinder- und Jugendschutz Rechnung getragen werden.

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Weitere Abhängigkeit

Aus Sicht von Marco Krüger besteht jedoch die Gefahr, dass zur Alkohol- und Nikotin-Abhängigkeit nun noch eine weitere Abhängigkeit hinzukommt. Zwar habe es in den vergangenen Jahren Aufklärungskampagnen zu Nikotin und Alkohol gegeben. Dennoch stürben Jahr für Jahr tausende bis zehntausende Menschen an den Folgen des Nikotin- und Alkoholkonsums. Gleiches drohe nun auch beim Cannabis, macht er deutlich.

Prävention ist unbedingt nötig, sagt Suchtberaterin

Für Andra Kabisch von der Suchtberatung beim Sozialwerk Malchin/Teterow ist es angesichts einer möglichen Cannabis-Legalisierung wichtig, dass viel Geld in die Prävention gesteckt wird. „Wenn man eine weitere Droge freigibt, sollte man unbedingt aufklären“, sagt sie mit Blick auf die anderen Suchtmittel Alkohol und Nikotin. Keine Prävention wäre einfach verantwortungslos. Zumal Schüler denken könnten, dass Cannabis ungefährlich sei, weil man es legalisiere. Doch Aufklärung müsse sein, damit die Menschen – vor allem die jungen – das Pro und Kontra abwägen könnten. Wichtig sei, dass die Jugend geschützt werde, da Cannabis eine schädigende Wirkung auf das jugendliche Gehirn habe. Es könne beispielsweise Entwicklungsverzögerungen in der geistigen Reife nach sich ziehen. Gerade bei Jugendlichen, die Cannabis konsumieren, sei die Gefahr von Psychosen höher als bei Erwachsenen, hebt Kabisch hervor. Generell sei man in der Suchtberatung jedoch zur Zeit noch in der Diskussion zum Für und Wider einer Cannabis-Legalisierung.

Auswirkungen auf Schwarzmarkt?

Wenn jemand über 21 Jahre sei und der Gebrauch maßvoll gestaltet wird, gebe es kaum Bedenken, sagt Petra Kokel, Leiterin der Stavenhagener Fritz-Reuter-Apotheke. Nur bei exzessivem Gebrauch sei es gefährlich. Allerdings bezweifle sie, dass man mit der geplanten Legalisierung das erreiche, was man damit beabsichtige, spielt sie auf die gewünschte Eindämmung des Schwarzmarktes an. Allgemeinmediziner Marco Krüger meint dazu, dass die Politik mit diesem Vorhaben in gewisser Weise vor dem Schwarzmarkt kapituliere.

Wie es in der Teterower Region mit einem Schwarzmarkt aussieht, ließ die Polizei mit dem Hinweis auf laufende Ermittlungsverfahren unbeantwortet. Wie es von einem Polizeisprecher auf Nachfrage hieß, sei jedoch mit Blick auf die erfassten Fälle kein Anstieg festzustellen.

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