Handel

Einkaufen gleich um die Ecke im Dorfladen

Ein junges Paar will wieder Leben in ihr Dorf Grammentin bringen. Nach einer Brasserie eröffnet es nun auch einen Dorfladen.
Antje und Miri Hornburg-Zeneli eröffnen jetzt ihren Dorfladen in Grammentin. Dabei setzen sie auf Regionalität.
Antje und Miri Hornburg-Zeneli eröffnen jetzt ihren Dorfladen in Grammentin. Dabei setzen sie auf Regionalität. Kirsten Gehrke
Eine Idee aus England mitgebracht: Aus Gläsern mit Süßigkeiten können sich die Kunden die Leckerei in T&u
Eine Idee aus England mitgebracht: Aus Gläsern mit Süßigkeiten können sich die Kunden die Leckerei in Tüten nach Wahl einpacken lassen. Wenn Corona vorbei ist, dürfen sie mit der Schaufel ins Glas greifen. Foto: Kirsten Gehrke
Stullenbretter von einem Tischler aus Grammentin, sogar mit Öffnung für ein Frühstücksei.
Stullenbretter von einem Tischler aus Grammentin, sogar mit Öffnung für ein Frühstücksei. Kirsten Gehrke
Ein Regal nur mit Grammentiner Produkten: Das soll die Vielfalt zeigen, was es alles in dem kleinen Dorf gibt.
Ein Regal nur mit Grammentiner Produkten: Das soll die Vielfalt zeigen, was es alles in dem kleinen Dorf gibt. Kirsten Gehrke
Grammentin

Der gute alte Dorfkonsum ist nach der Wende aus vielen Dörfern verschwunden. Weg war der Anlaufpunkt zum Einkauf mit Snack und wo man das Neuste aus dem Ort erfahren hat. „Ich kenne das noch, wie ich mir im Konsum ein Eis geholt habe“, sagt Antje Hornburg-Zeneli. Jetzt wollen sie und ihr Mann Miri das Stück Dorfkultur nach Grammentin (Mecklenburgische Seenplatte) zurückbringen. Nach der Brasserie im Juli eröffnen beide nun am Donnerstag (25. November) einen Dorfladen im selben Gebäude. Eigentlich belebt damit die 39-Jährige eine Familientradition wieder, in ihr fließt nämlich kaufmännisches Blut. Ihr Urgroßvater und Großvater hatten einst in Grammentin unweit des Kummerower Sees einen Kolonialwarenhandel und eine Gastronomie geführt. In ihre Fußstapfen zu treten, war gar nicht von Anfang an geplant. In Großbritannien hatte sie ihren Mann kennengelernt und viele Jahre in London und Durham, in Nordengland in der Nähe der schottischen Grenze gelebt.

Aus kleinem Café wurde mehr

Nach dem Umzug nach Vorpommern vor fünf Jahren wollte das Paar eigentlich nur einen Märchengarten anlegen. Doch davon allein zu leben, ging nicht, also kam als Idee ein Café dazu, woraus eine Gastronomie entstand und schließlich mehr. „Wenn wir schon bauen, dann wollten wir ein Dorfzentrum schaffen“, sagt Antje Hornburg-Zeneli. Angedacht war, Brasserie und Dorfladen gleichzeitig zu eröffnen, doch das habe nicht funktioniert. Als Ziel war sich deshalb Herbst gesetzt worden. Die Leute haben auch schon immer sehnsüchtig gefragt, wann sie den Laden öffnen. Im Sommer kamen Gäste der Zeltplätze vom Kummerower See und wollten Brötchen. Doch es brauchte seine Zeit, um nach ihrem Konzept starten zu können. „Wir versuchen, so viel wie möglich regionale Produkte anzubieten“, erklärt sie. Diese beziehen sie direkt von den Produzenten, auch eine Auswahl von Bioprodukten.

Da hieß es zunächst herauszufinden, wer wo welche Produkte herstellt, dann Kontakt aufzunehmen. Das allein sei schon ein enormer Zeitaufwand gewesen. Was im Regal landen soll, da hatten sie eigene Vorstellungen. Dann mussten Lieferzeiten passen und jeder der rund 1000 Artikel in die Kasse eingepflegt, teils ein Barcode selbst erstellt werden. Hinzu kam, die Ware zu beschriften und mit Preisen zu versehen. Viele aus der Familie und dem Dorf haben geholfen. „Wir werden nie das große Sortiment haben wie ein Supermarkt“, weiß Antje Hornburg-Zeneli. Darum geht es auch gar nicht. Der Gedanke war, wieder eine Infrastruktur aufzubauen, dass man nicht weit fahren muss, um Waren des täglichen Bedarfs einkaufen zu können. Statt im Supermarkt durch die Gänge zu hetzen, könne man hier in schöner Atmosphäre mit Körbchen durch den Laden schlendern. Es soll wieder die Dorfmitte werden, wo sich Menschen treffen und miteinander plaudern. „Das eigentlich brauchen die Leute“, hat die 39-Jährige festgestellt. In der Corona-Zeit sei dies noch deutlicher geworden.

Geflochtene Einkaufskörbe

In den Regalen wurde jedes Brett mit Stoff umspannt, was es gemütlicher macht. Die Einkaufskörbe sind geflochten statt aus Metall oder Plaste. Beim Rundgang finden die Kunden Regionales – von Likören, Gin, Gurkengeist der Männerhobby Brennerei aus Bentwisch, handgemachte Seifen aus der Malchiner Manufaktur Liebevoll-Lädchen, Käse und Wurst vom Siebengiebelhof bei Parchim bis hin zu Nudeln von der Insel Usedom, Gebäck und Pralinen von der Kummerower Konditorin Sabrina Timm, Saft aus Satow oder Maluka-Porzellan aus Gnevezow – aber auch Artikel aus dem Großmarkt. Brot und Brötchen backen Antje und Miri Hornburg-Zeneli vorerst selbst in ihrem Pizza-Ofen. Und dann haben beide ein Regel nur mit Grammentiner Produkten gefüllt: mit Honig von Imkern, Kräutertees und -salz, Töpferwaren, Stullenbrettern von einem Tischler, Öl aus der Ölmühle. „Wir wollen damit Möglichkeiten zeigen, wie vielfältig das Dorf ist“, sagt Antje Hornburg-Zeneli.

Für die Grammentiner soll es eine Einladung sein, ihre Sachen im Laden anzubieten. Vielleicht stricke ja jemand oder irgendwer mache schöne Weihnachtsdeko, die Platz im Regal finden könnten. Und auch ein Stück England findet sich im Laden wieder. 50 Gläser sind mit verschiedenen Süßigkeiten gefüllt, die sich die Kunden mit kleinen Schaufeln in Tüten abpacken können. „Die Idee haben wir aus England mitgebracht“, sagt die 39-Jährige. Ihre Tochter habe die Deckel liebevoll beschriftet.

Um 12 Uhr am Donnerstag, 25. November, feiern die Grammentiner Eröffnung ihres Dorfladens. Dann wird der „Konsum“ mittwochs bis sonntags jeweils von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein.

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