Netto renoviert Markt

Einkaufen in Gnoien wird schwieriger

Erinnerungen an die Zeiten von HO und Konsum könnten in Gnoien wach werden, wenn ab Samstag der Netto-Markt vorübergehend schließt. Für die Versorgung bleiben den Einwohnern wenig Alternativen.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Im Jahr 2003 ging der Netto-Markt in Betrieb. Eine Renovierung steht an. Für die Gnoiener bedeutet die Schließung eine
Im Jahr 2003 ging der Netto-Markt in Betrieb. Eine Renovierung steht an. Für die Gnoiener bedeutet die Schließung einen schmerzlichen Einschnitt im Handel. Eberhard Rogmann
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Gnoien.

Die Fassaden des Netto-Marktes in der Gnoiener Friedenstraße haben bereits in der vergangenen Woche einen neuen Anstrich erhalten. Jetzt nimmt das Unternehmen eine Renovierung des Verkaufsraumes in Angriff. Am 13. Juli um 13 Uhr werden sich deshalb die Türen des Discounters schließen. Zwei Wochen sind für die anstehenden Arbeiten veranschlagt. So erfreulich die Nachricht für die Kundschaft eigentlich ist, in Gnoien sieht so mancher den nächsten Tagen besorgt entgegen. Beim Einkaufen in der Stadt wird’s eng. Franziska Denulat erinnert sich an eine ähnliche Situation im vergangenen Jahr. Damals war der Lidl-Markt drei Tage geschlossen. „Mein Gott, dann geht das wieder los. Wir haben hier doch kaum eine Alternative. Alles drängt sich dann wieder in ein, zwei Geschäften. Und das auch noch zwei Wochen lang“, klagt die junge Frau. In der Tat steht es um den Einzelhandel im Bereich des Lebensmittelsortiments in der Stadt nicht zum Besten, seit Aldi und Edeka ihre Märkte in Gnoien aufgaben. Neben Netto und Lidl gibt es lediglich eine kleinere Edeka-Filiale in der Innenstadt. „Gerade für die älteren Gnoiener in den Wohnblocks gegenüber ist der Netto unentbehrlich. Die laufen doch nicht zum Einkaufen in die Warbelniederung zum Lidl“, gibt eine ältere Frau zu bedenken, während sie ihre Einkäufe einpackt.

Anne Schmiedel aus Walkendorf sieht den Ereignissen etwas entspannter entgegen. „Wenn die hier dichtmachen, fahr ich rüber nach Tessin. Da gibt’s einen Aldi. Dort kann man gut einkaufen, ja man bekommt manches, was hier nicht zu haben ist.“ Renate Awe aus Granzow bevorzugt zum Einkaufen Dargun. „Gut, man fährt ein paar Kilometer weiter, aber das Angebot ist breiter. Das lohnt den Weg.“ Wie diese Frauen handeln viele. Genau dies wollte die Stadt verhindern. Als Aldi sich aus Gnoien verabschiedete, hatte Bürgermeister Lars Schwarz angekündigt, er werde dafür sorgen, dass die Lücke geschlossen wird und ein anderer Discounter sich in Gnoien ansiedelt. Doch der ist derzeit am Horizont nicht auszumachen.

Baurecht im Blick für weitere Marktansiedlung

Zwar hatte das Stadtoberhaupt nach eigenen Angaben Gespräche mit mehreren Unternehmen geführt, doch ohne konkretes Ergebnis. Ein längeres Hin und Her hatte es überdies um die Erweiterung des Lidl-Marktes gegeben. Mittlerweile lässt die Firma einen Bebauungsplan erarbeiten. Einen weiteren B-Plan hat die Stadt in Auftrag gegeben. So will sie Baurecht für eine weitere Marktansiedlung schaffen. Wer dafür infrage kommt, ist noch völlig offen. „Wir sind in Gesprächen, darunter mit Firmen, die in der Vergangenheit bekundeten, nicht nach Gnoien kommen zu wollen.“ Zu konkreteren Aussagen lässt sich Bürgermeister Schwarz nicht bewegen. Er wolle keine falschen Hoffnungen wecken, begründet er seine Zurückhaltung.

„Wir waren 2017 schon einmal deutlich weiter in den Verhandlungen mit einem Investor. Doch dann ist das Vorhaben geplatzt. Solch eine Situation möchte ich nicht noch einmal durchmachen“, betont der Bürgermeister. Dass Gnoien als Grundzentrum im Einzelhandel deutlich zulegen muss, steht für viele außer Frage. „Hier wird’s doch schon eng, wenn ein Supermarkt mal kurzzeitig schließt. Was, wenn ein zweiter unvorhergesehen ebenfalls ausfällt wie kürzlich der Famila in Teterow durch ein Feuer? Dann geht hier gar nichts mehr“, zeigt ein Gnoiener auf, der lieber anonym bleiben will.

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