HOLZEINSCHLAG

Entsetzen im Gnoiener Stadtwald

Die Stadt Gnoien will mit ihrem Wald Geld verdienen. Doch so ganz stimmen die Erfolgsmeldungen des Bürgermeisters wohl nicht. Doch auch unabhängig davon gibt es Kritik.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
So etwas hat es früher im Gnoiener Stadtwald wohl kaum gegeben: Was sich beim Holzeinschlag nicht vermarkten lässt, bleibt einfach liegen. Das Forstamt will nun noch einmal nachrücken.
So etwas hat es früher im Gnoiener Stadtwald wohl kaum gegeben: Was sich beim Holzeinschlag nicht vermarkten lässt, bleibt einfach liegen. Das Forstamt will nun noch einmal nachrücken. Torsten Bengelsdorf
Gnoien.

Die Freude am Gnoiener Wald ist Steve Rieck und seinem Vater Alwin längst vergangen. „Mein Vater betritt den Wald schon gar nicht mehr“, sagt Steve Rieck. Dabei sei er doch 35 Jahre lang als Revierförster dort verantwortlich gewesen. So etwas wie man es heute an vielen Stellen in dem Forst sieht, habe es in dieser Zeit aber nicht gegeben. Nach dem Holzeinschlag werde nur noch das weggeholt, was sich schnell vermarkten lässt. Der Rest bleibe einfach liegen. „Hier wird jetzt Holz gehauen, als wenn es heißt, nach mir die Sintflut“, schätzt Steve Rieck ein.

Was die beiden aber vor allem ärgert, sind die Aussagen von Gnoiens Bürgermeister Lars Schwarz (CDU), der immer wieder ins Feld führt, dass der Stadtwald mit der neuen Bewirtschaftung im vergangenen Jahr erstmals richtig Geld abgeworfen habe. 80.000 Euro seien in die Stadtkasse geflossen. „Und das, ohne dass mehr Bäume gefällt wurden als in der Vergangenheit“, betonte Schwarz bei mehreren Anlässen.

Genannte Summe ist umstritten

Bei der Summe von 80.000 Euro hat der Bürgermeister wohl aber tatsächlich etwas geflunkert. Einige Rechnungen müsse man da schon noch abziehen, meint der Leiter des Darguner Forstamtes, Rüdiger Neise, der den Gewinn für die Stadt mit knapp 60.000 Euro angibt. Allerdings sei auch diese Summe einem glücklichen Umstand zu verdanken gewesen. „Wir hatten im vergangenen Jahr sehr gute Preise für Eichen- und Buchenstammholz“, erklärt Neise. Das sehe in diesem Jahr schon wieder ganz anders aus. Bei seiner zweiten Aussage lag Bürgermeister Schwarz allerdings richtig. Es seien tatsächlich nicht mehr Bäume aus dem Wald geholt worden, erklärt der Forstamts-Chef.

Aufräumarbeiten geplant

Dass es auf einigen Holzeinschlagplätzen ziemlich wüst aussieht, das räumt Neise auch ziemlich freimütig ein. „Das Brennholz ist hier oft liegen geblieben, weil es an Selbstwerbern fehlte. Jetzt werden wird dieses Energieholz selbst nachrücken“, kündigt Neise an. Es werde aber nun auch nicht jeder Knüppel weggeräumt, es gebe immerhin jede Menge kleine Lebewesen, die auf das Totholz angewiesen sind. „Ein bisschen unaufgeräumt ist schick“, sagt Neise.

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