TOURISMUS

Erste Forderungen nach Urlauber-Sperre bis Ende Juni

Ob Ferienwohnung oder Hotel: Wer Betten vermietet, sieht seine Existenz bedroht. Wann die Touristen zurückkehren könnten, ist völlig offen. Was, wenn mit „Öffnung der Schleusen“ das Corona-Virus wiederkommt? Einige Unternehmer haben nun einen überraschenden Vorschlag.
Wer bei solch einem Blick aus anderen Tagen auf das Warnemünder Strandgeschehen nicht an schnelle Ausbreitung von Viren d
Wer bei solch einem Blick aus anderen Tagen auf das Warnemünder Strandgeschehen nicht an schnelle Ausbreitung von Viren denkt, hat aus der Corona-Krise wohl nichts mitgenommen. Bernd Wüstneck
Fabian und Kamila Sösemann haben ihre Forderungen und Ideen an den Bundesfinanzminister gegeben.
Fabian und Kamila Sösemann haben ihre Forderungen und Ideen an den Bundesfinanzminister gegeben. Silke Voß
Ein Kleinod ist Gutshaus Pohnstorf, dem das Peenetal zu Füßen liegt und besonders schön von Sonne beleuchtet.
Ein Kleinod ist Gutshaus Pohnstorf, dem das Peenetal zu Füßen liegt und besonders schön von Sonne beleuchtet. Doch wenn kaum einer kommt es zu genießen... Voß
Rostock.

Das Verbot von Urlaubsreisen nach Mecklenburg-Vorpommern verunsichert besonders „kleine“ regionale Vermieter: Etwa Philipp Kaszay, der allein ein Gutshaus im Mecklenburger Parkland betreibt. In diesem unseligen Jahr 2020 rechnet er mit hohen fünfstelligen Umsatzeinbußen. Sorgen macht sich auch Kamila Sösemann. „Das Wetter ist so schön, und das Haus ist ungewöhnlich still. Wenn ich wüsste, das alles hat ein Ende nach Ostern ... Aber was wird Pfingsten, was im Sommer? Wir sind ein kleiner Betrieb mit geringer Marge, die Kredite laufen weiter“, erzählt die junge Frau.

Vor zwei Jahren von der Großstadt aufs Land

Dabei ist Familie Sösemann erst vor zwei Jahren nach Mecklenburg gekommen. Mit aller Konsequenz hat das Berliner Paar seinem Leben in der „vollen, teuren, engen Großstadt“ Adé gesagt, sie dafür sogar ihren Job beim Verband der Deutschen Holzindustrie gekündigt, um mit ihrem Mann künftig das Gutshaus Pohnstorf als touristsiches Ziel zu führen. Nun hat Fabian Sösemann gemeinsam mit Knut Splitt-Henning vom Gutshaus Rensow ein Papier entworfen, demzufolge touristische Kleinbetriebe unbürokratisch Hilfe benötigen – auch in Form von nicht rückzahlbaren Zuschüssen sowie einer Bettenpauschale. Standards hinsichtlich Verhaltensweisen wegen Viren sollten entwickelt werden.

Wie sollen Vermieter jetzt mit Anfragen umgehen?

Beide sorgen sich vor allem wegen einer möglicherweise weiteren Ausbreitung des Virus, wenn das Land die Schleusen wieder öffnet. Sie fordern eine klare wie verantwortungsvolle Ansage vom Land. „Wir Vermieter wollen nicht zum Drehkreuz einer erneuten Ausbreitung werden“, so Knut Splett-Henning. Es sei daher unrealistisch und nicht verantwortungsvoll, wenn sie in naher Zukunft wieder Gäste aufnähmen. „Uns erreichen viele E-Mails und Anrufe in Form von Buchungsanfragen oder auch Absagen für die Wochen nach Ostern und sogar den Sommer.“

Der Vorschlag: Eine Schließung für mehrere Monate

Allein zum ersten Maiwochenende, Himmelfahrt oder Pfingsten haben Zehntausende Urlauber bereits gebucht. Diese Buchungen könnten aber nicht storniert werden ohne gegenüber den Vertragspartnern, den Touristen selbst oder teilweise Buchungsplattformen vertragsbrüchig zu werden. Splett-Henning schlägt sogar eine Schließung des gesamten Tourismusbetriebes bis Anfang Juni vor, vielleicht sogar länger vor, um die Pandemie nachhaltig einzudämmen. „Hierzu brauchen wir genaue Ansagen vonseiten der Politik“, fordert er auch in einer gerade ins Netz gestellten Videobotschaft.

Nötig seien Richtlinien zum Beispiel zum Aussetzen von Gruppenreisen, eine längere Buchungsdauer zur Limitierung der Besucherzahlen, größere Zeitabstände zwischen Belegungen zwecks Desinfektion, Abstandsregeln wie der Verzicht auf gemeinsames Frühstück oder Grillen. Und natürlich sollten Einbußen dann kompensiert werden. „Für die erste Phase der Komplettschließung halte ich eine unbürokratische Bettenpauschale von beispielsweise fünf Euro pro Bett und Nacht für sinnvoll“, stellt er zur Diskussion.

Tourismusverband hofft auf Lerneffekt durch die Krise

Tobias Woitendorf, Sprecher des Landestourismusverbandes, räumt ein, dass die Krise eine grundsätzliche Neuorientierung im Tourismus generieren werde – wobei schon jetzt der Maßstab auf Qualität statt Quantität etwa durch die Verlängerung der Saison gelegt werde. „Es gibt aber keinen Königsweg. Jeder Vermieter muss selbst überlegen, ab wann er wieder Buchungen annimmt – wobei natürlich nicht ratsam ist, mit vollgebuchten Häusern den derzeitigen Ausfall zu kompensieren.“ Derzeit sei nicht wahrscheinlich, dass die Krise nach Ostern vorbei sei, doch selbst das sei nicht völlig sicher, so Woitendorf.

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Kommentare (1)

Wer Touristen und Menschen Mit Nebenwohnsitz in MV so vor den Kopf stößt muss nicht glauben, dass das nach zwei Monaten vergessen ist. Ich denke eher, das die Touristen und Ferienhausbesitzer erst nach 2 Jahren vergessen abgegangen ist. Viel kommen vielleicht nie wieder! Wenn ich meine Kunden so behandeln würde, kommt keiner wieder!