Corona-Maßnahmen

Erste Gastwirte schließen wegen 2G plus

Auch Geimpfte müssen sich seit Donnerstag testen lassen, wenn sie ins Café oder Restaurant wollen. Die neue Regelung machte sich in den Gaststuben sofort bemerkbar.
Erste Gastronomen in der Mecklenburgischen Schweiz reagieren so auf 2G plus: Sie schließen.
Erste Gastronomen in der Mecklenburgischen Schweiz reagieren so auf 2G plus: Sie schließen. Kirsten Gehrke
Tobias Moshack, Inhaber des gleichnamigen Restaurants im alten Teterower Bahnhofsgebäude, hat geöffnet. Viele Gäste kann er aktuell aber nicht begrüßen.
Tobias Moshack, Inhaber des gleichnamigen Restaurants im alten Teterower Bahnhofsgebäude, hat geöffnet. Viele Gäste kann er aktuell aber nicht begrüßen. Nadine Schuldt
Die Händler sind frustriert über 2G. Iris Hofrichter aus Malchin nutzte am Donnerstag die Zeit, schon vorher gekauft
Die Händler sind frustriert über 2G. Iris Hofrichter aus Malchin nutzte am Donnerstag die Zeit, schon vorher gekaufte Geschenke hübsch zu verpacken. Denn mit den schärferen Corona-Regeln kamen kaum noch Kunden in ihren Laden. Kirsten Gehrke
Malchin

Die verschärften Corona-Regeln sorgen bei Geschäftsinhabern und vor allem in der Gastronomie seit Donnerstag für jede Menge Frust. 2G plus sei ein Lockdown durch die Hintertür, heißt es bei vielen Gastwirten. Geimpfte und Genesene kommen seit Donnerstag nur noch mit einem tagesaktuellen negativen Corona-Test in Cafés oder Gaststätten.

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„Das ist ein Todesstoß für die Gastronomie“, klagt Andreas Albrecht, Inhaber des Gasthofes „Zur Erbmühle“ in Todendorf. Er habe schon Veranstaltungsabsagen im Wert von rund 50.000 Euro entgegengenommen. Er wolle die „Erbmühle“ aber trotzdem noch geöffnet halten und jeden Gast kontrollieren. Extrem frustriert ist Pascal Steinmetz von der Teterower Waldgaststätte „Uns Hüsung“. „Mit 2G plus kommt keiner mehr“, schätzt Steinmetz ein. Die Leute seien völlig verunsichert. Er biete jetzt einen Außer-Haus-Verkauf an – allerdings nur sehr ungern. „Ein Schnitzel gehört nicht in eine Assiette“, sagt Steinmetz. Er sei enttäuscht von der Regierung. Es interessiere offensichtlich niemanden, was mit der Gastronomie passiert.

Weihnachtsfeiern schon zu 80 Prozent abgesagt

Ab sofort hat Ilka Hassemer ihr Café „Mien Leevsten“ am Malchiner Marktplatz auf nicht absehbare Zeit abgeschlossen. Es mache einfach keinen Sinn, das Café im Moment zu öffnen. Schon am Mittwoch habe „Totentanz“ geherrscht im Gastraum, erzählt sie. Niemand mache einen Test, um nur mal einen Kaffee zu trinken. Sie habe diesen Beruf mal gewählt, um für Gäste da zu sein und ihnen eine schöne Zeit zu bescheren, nicht aber um Test- oder Impfpasskontrolleur zu sein. Andere Menschen auszuschließen oder gar zu kontrollieren, das entspreche in keinster Weise ihrer Berufsphilosophie. Nur noch am Sonntag öffnet sie für zwei Stunden, damit sich die Kunden hier ihren Kuchen holen können.

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Herbe Einbußen muss auch das Restaurant „Moshack“ am Teterower Bahnhof hinnehmen. „Die Weihnachtsfeiern wurden zu 80 Prozent abgesagt“, berichtet Inhaber Tobias Moshack. Die Gaststätte sei weiter geöffnet, bietet auch einen Außer-Haus-Verkauf an. Dennoch sei die neue Regelung eine Katastrophe. Die zurückliegenden Lockdowns seien hart gewesen, aber da habe man wenigstens gewusst, woran man war. Nun müsse man vor Ort sein und Waren einkaufen. „Wenn man die alle paar Tage wegwirft, ist auch keinem geholfen“, findet Tobias Moshack. Für die Weihnachtsfeiertage sei das Restaurant komplett ausgebucht. Doch da die Reservierungen bereits im Sommer gemacht wurden, werde er Anfang Dezember bei den Leuten noch einmal anrufen und fragen, ob es bei der Reservierung bleibe. „Dann wissen wir Bescheid und können reagieren“, sagt Tobias Moshack.

Im Café am Markt in Stavenhagen fällt das Weihnachtsgeschäft jetzt zum großen Teil ins Wasser. Bei geplanten Gesellschaften ließen sich die 2G-Regeln noch einhalten, meint Inhaber Gerhard Urbansky, weil die Gäste sich auf die Tests vorbereiten. „Trotzdem kommen immer mehr Absagen“, bedauert er. Das Tagesgeschäft werde dagegen komplett wegbrechen, sodass er zusammen mit seinem Mitinhaber Fred Knaack Ende November schauen wird, ob sie noch weiter öffnen werden oder nicht.

Keine Testmöglichkeit am Wochenende

Das Problem: Anders als bei den vorherigen Lockdowns müsse er für seine Beschäftigten weiter selbst aufkommen. Das sei in seinen Augen raffiniert eingefädelt und quasi ein Lockdown durch die Hintertür. Er wisse nicht, ob es bei so einer nicht angeordneten Schließung noch Kurzarbeitergeld gibt. Dennoch habe er schon einmal einen Antrag gestellt. Ein weiteres Problem sei, dass die Mitarbeiter und Gäste sich im Testzentrum Stavenhagen nur von Montag bis Freitag im Foyer der Zweifelderhalle testen lassen können. „Aber was ist am Wochenende?“, fragt Urbansky.

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In der Teterower Stadtmühle sind laut Betreiber Helge Apelt die Weihnachtsfeiertage komplett ausgebucht. Doch es gibt auch hier schon Absagen für Firmen- und Familienfeiern. Die Freiwillige Feuerwehr Teterow habe ihren Kameradschaftsabend abgesagt. Dafür konnte eine Alternative gefunden werden. „Die Feuerwehr hat einen Gutschein für jeden Kameraden gekauft“, erzählt Apelt. Er hat sich ein paar Dinge einfallen lassen, um das Restaurant am Laufen zu halten. So gebe es beispielsweise einen zehnprozentigen Rabatt für Selbstabholer. Darüber hinaus würden Gerichte so verpackt, dass sie zu Hause nur noch erwärmt werden müssen.

Im Seenplatten-Landkreis, in dem seit mehreren Tagen die Corona-Ampel auf Rot steht, dürfen unterdessen Ungeimpfte abgesehen von einigen lebenswichtigen Ausnahmen nun nicht mehr einkaufen. Einzelhändler müssen sich also von ihren Kunden den Impf- oder Genesenen-Nachweis zeigen lassen. Die Folge: Auch hier bleiben die Kunden weg. „Ich stehe hier im Laden so kurz vor Weihnachten und keiner kommt“, erzählt Iris Hofrichter, den Tränen nahe.

„Die nehmen einem die ganze Freude“

Dass die Geschäfte 2G durchsetzen müssen, mache sie sprachlos. Es sei ein Jammer. Man gehe nicht nur finanziell langsam kaputt, sondern auch im Kopf. „Das macht mir doll zu schaffen“, sagt die Malchinerin. „Die nehmen einem die ganze Freude.“ Vor Monaten schon habe sie liebevoll die Ware ausgesucht, um für die Kunden im Advent schöne Sachen zu haben und nun werde sie wieder von der Politik ausgebremst. Sie hofft nur, dass nicht noch mehr Leute zu Online abwandern. „Mein Vorteil ist es vielleicht, dass ich alles hübsch einpacke“, tröstet sie sich selbst. Am Donnerstag hatte sie Zeit, Geschenke zu verpacken, die schon vorher gekauft worden waren.

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Martina Milbrandt dagegen ist erleichtert, dass ihr „Liebevoll-Lädchen“ mit der Seifen-Manufaktur in Malchin unter Drogerie läuft und sie normal öffnen darf. „Es darf alles so bleiben, wie es ist“, erklärt sie, wolle aber noch mit einem Zettel am Fenster darauf aufmerksam machen. Denn auch sie hat am Donnerstag gespürt, dass die Leute verunsichert sind. „Es war ruhig.“ Doch nicht nur die Einzelhändler sind deprimiert, sondern auch die Kunden. Eigentlich wollte sie Socken kaufen, sagt eine Frau, als sie aber den Zettel an der Scheibe des Bekleidungsgeschäftes gesehen habe, sei sie rückwärts wieder raus gegangen. „Da hat man zum Einkaufen keinen Bock.“

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