So fand Sebastian John den Topf voller Silbermünzen in etwa 25 Zentimeter Tiefe an der Straße zwischen Jettchenshof
So fand Sebastian John den Topf voller Silbermünzen in etwa 25 Zentimeter Tiefe an der Straße zwischen Jettchenshof und Gorschendorf. Jens Ulrich
Auf vielen der 2403 Silbermünzen ist der mecklenburgische Stierkopf zu sehen.
Auf vielen der 2403 Silbermünzen ist der mecklenburgische Stierkopf zu sehen. Dr. Heiko Schäfer
Viele Stierköpfe

Experten enträtseln den Münzschatz von Gorschendorf

Viele Jahrhunderte lag ein Topf mit 2400 Silbermünzen an einer Straße bei Malchin in der Erde. Jetzt ist klar, welche große Bedeutung der Fund für die Landesgeschichte hat.
Malchin

Er gilt als Experte für Metallfunde und kann treffsicher mit dem Metalldetektor umgehen. Was Sebastian John am Straßenrand zwischen Jettchenshof und Gorschendorf nahe Malchin damit in etwa 25 Zentimeter Tiefe aufspürte, ist für Archäologen schon eine ziemliche Sensation. Bereits im November 2018 hatte der Altentreptower hier mit seinen Untersuchungen den Trassenbau für eine Erdgasleitung begleitet, als plötzlich der Metalldetektor anschlug. Sebastian John schaute nach und stieß auf ein Gefäß, das bis oben hin gefüllt und gut erhalten war.

Erst allmählich wurde dem damaligen Mitarbeiter des Landesamtes für Kultur- und Denkmalpflege klar, was er da entdeckt hatte. Der spätslawische Topf enthielt einen richtigen Münzschatz: 2403 Silbermünzen, die über mehrere Jahrhunderte im Mecklenburger Boden steckten. Bisher hatte das Landesamt den Fund noch geheim gehalten.

Münzschatz um das Jahr 1250 in den Boden gelangt

Jetzt aber hat eine Restauratorin die Münzen genauer untersucht und wissenschaftlich bearbeitet. Die Experten des Landesamtes sind von den Ergebnissen so sehr begeistert, dass sie den Münzschatz von Gorschendorf nunmehr zum Fund des Monats Januar 2022 erklärten.

Schon der Zustand des Gefäßes war eine ziemliche Überraschung. Nur die Abdeckung und einige Münzen lagen neben dem prall gefüllten Topf, möglicherweise hatte hier ein Tier gegraben oder eine Wurzel hatte sich einen Weg gebahnt.

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„Nach dem bisherigen Kenntnisstand ist der Münzschatz von Gorschendorf um 1250, vielleicht auch einige Jahre später in den Boden gelangt“, erklärt der Mitarbeiter der Landesarchäologie, Dr. Heiko Schäfer. Die mit Abstand älteste Münze sei ein zwischen 1170 und 1180 geprägter, pommerscher Johannisdenar. Gleich danach folgen mecklenburgische Münzsorten mit Stierkopfabbildungen, die aus der Zeit zwischen 1225 und 1245 stammen.

Einige der Münzen wohl in Malchin geprägt

Mehrere dieser Stierkopf-Brakteaten sind selbst den Experten bisher wenig bekannt. „Es handelt sich einerseits um eine Sorte, die einen Ringel in einem Kreis als Beizeichen zwischen den Hörnern zeigt und anderseits in gleicher Position ein Radkreuz“, berichtet Heiko Schäfer auf der Internetseite des Landesamtes. Bisher unbekannt waren zwei weitere Typen von Stierkopf-Münzen, die zwischen den Hörnern zwei Kreuze oder ein Kreuz mit einem Ringel in der Mitte zeigen. „Der Fundort des Schatzes unmittelbar an der Grenze der Malchiner Feldmark erlaubt die Hypothese, dass diese beiden Münzensorten in Malchin geprägt worden sind, da das Stadtwappen von Malchin über einem Stierkopf ein Kreuz zeigt“, erklärt Schäfer. Da Malchin im Jahr 1236 erstmals urkundlich erwähnt wurde, könnte es sich bei den Brakteaten um Prägungen aus der Zeit um 1240/45 handeln, schlussfolgert der Experte.

Viele der Münzen weisen sogenannte Überprägungen auf. Die Inhaber des Münzrechts hätten dabei diese Münzen für ungültig erklärt oder ihren Wert herabgesetzt. „Dabei wurde ein älteres Hohlgepräge glatt gehämmert und neu geprägt“, erläutert Schäfer.

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In dem Gorschendorfer Topf fanden sich aber auch Münzen aus benachbarten Regionen, so etwa mit einer Krone über einem Drehschlüssel, die die Experten der pommerschen Münzstätte Wolgast zuordnen. Auf das Fürstentum Rügen weise eine Münze, die eine Flagge an einem Lilienstab zeigt. Bestens bekannt sei dagegen der Typ mit Perlrand und einem gekrönten Haupt, der in Lübeck geschlagen wurde, wie Schäfer berichtet.

Zufallstreffer mit harausragender Bedeutung

Sieben auf beiden Seiten geprägte Pfennige mit einem sitzenden Markgrafen einerseits und dem Oberteil eines Adlers unter fünf Türmen anderseits würden dagegen auf Brandenburg hinweisen.

„Es war ein reiner Zufallstreffer“, sagt Sebastian John, der mittlerweile für die Archäologie in M-V GmbH arbeitet, zu seinem Fund. „Das Besondere war, dass dieses Gefäß so gut erhalten geblieben ist. Ich hätte nie gedacht, dass darin so viele Münzen waren. Das muss einmal ein großer Reichtum gewesen sein“, vermutet John. Möglicherweise sei der Münzschatz durch Kriegswirren hierher gelangt.

„Der Schatzfund mit seinen vielen neuen einheimischen Münzsorten und der soliden chronologischen Einordnung stellt für die Erforschung der Münzgeschichte, insbesondere der Herrschaften Mecklenburg, Rostock, Parchim und Werle, einen wichtigen Mosaikstein dar“, sagt Schäfer. Der Fund sei für die Landesgeschichte von herausragender Bedeutung.

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