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Feuerwehr Dörgerlin versteht auch etwas von Feiern

Wer liegt richtig mit seiner Schätzung, wie viel die Säcke wiegen?
Wer liegt richtig mit seiner Schätzung, wie viel die Säcke wiegen?
Gerald Gräfe

Weit unter 100 Einwohner hat das Dorf. Doch die stellen immer wieder tolle Feste auf die Beine – zum Beispiel das Dorf- und Erntefest.

Es war einmal: Vor gut 100 Jahren zählte das Dorf neun Erbpächter und neun Büdner, sprich Kleinbauern. Hinzu gesellten sich ein Häusler mit seiner Schankwirtschaft und die Schule. Schulze, sprich Bürgermeister war Johann Vathje. Über 200 Menschen lebten im Ort, welcher 1178 als slawisches Dalgolize erwähnt wurde.

Das ist Geschichte: 1947 wurde Dörgelin von der Stadt Dargun eingemeindet und verlor seinen Bürgermeister. Schankstube und Schule schlossen zu Zeiten der DDR. Die Konsum-Verkaufsstelle überstand nicht den Übergang in die Marktwirtschaft. Der Ort verlor rasant an Einwohnern – zählt heute weit unter 100. Nur eines blieb – die Dorffeuerwehr. Dabei war diese erst nach einem Großbrand 1947 gegründet worden. Und verlor 2001 schon wieder ihre Eigenständigkeit – an die Ortswehr von Dargun. Doch die Kameraden der nunmehrigen Traditionswehr Dörgelin blieben beisammen und veranstalten alljährlich mehrere Feste.

In Gemeinschaft mit dem örtlichen Landwirt Dietrich Jänicke findet heute das Dorf- und Erntefest statt. Das Duo „Schilling-Haaren“ eröffnet mit seiner Musik um 14 Uhr das Festgeschehen auf dem Dorfanger und vor dem alten Spritzenhaus. Dort gibt es eine gemeinsame Kaffeetafel. Derweil finden nebenan rund um den Dorfteich die „Dörgeliner Dorffestspiele“ statt. Disziplinen sind u. a. der Maiskolbenzielwurf und das Schätzen der gefüllten Säcke. Um 18 Uhr wird die Tombola eröffnet. Und ab 20 Uhr kann unter der Erntekrone zu den Rhythmen von DJ David getanzt werden. Die Mitglieder der Traditionsfeuerwehr machen Kultur in ihrem Dorf, für sich und ihre Mitmenschen, damit es in ihrer Heimat wieder heimischer wird. Nichts „Großes“, Massen anlockendes. Dafür klein und vorrangig „nur“ für die eigenen Nachbarn. Längst nehmen Bewohner anderer, der kulturellen Verödung anheimgefallener Dörfchen hier Anregungen mit. Solch Kompliment vernimmt Wolfgang Kliese als Chef der Dörgeliner Traditionswehr gern.