HANDWERK ZIEHT SICH ZURÜCK

Für Walkendorfer wird der Weg zum Frisör immer länger

Dienstleistungen auf dem flachen Land dünnen immer weiter aus. Selbst die Teterower Friseur Gesellschaft musste ihre letzten Außenstellen aus wirtschaftlichen Gründen jetzt aufgeben. Dabei fehlt es nicht an Kunden.
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Kaum noch einen Friseursalon findet man auf dem Land. Das einst enge Netz von Dienstleistern in den Dörfern dünnt imme
Kaum noch einen Friseursalon findet man auf dem Land. Das einst enge Netz von Dienstleistern in den Dörfern dünnt immer weiter aus. Bernd Weißbrod
Walkendorf.

Die Kündigung der Haar-Studio-Friseur GmbH Teterow hat vor allem die Damenwelt in Walkendorf aufgeschreckt. Etliche hatten bislang die Gelegenheit, sich vor Ort fachkundig frisieren zu lassen, weidlich genutzt. Jetzt müssen sie sich nach Alternativen umsehen. Zwar ist das benachbarte Gnoien mit drei Salons gesegnet, doch dahin muss man respektive frau erst einmal kommen. Nicht jeder verfügt über ein Auto, von dem zusätzlichen Zeitaufwand mal abgesehen. So ist es kein Wunder, dass sich Bürgermeister Henrik Jager mit der Forderung konfrontiert sieht, sich um eine Nachfolgelösung im Dorf zu kümmern.

Ein möglicher Nachfolger könnte die Einrichtung übernehmen

Dabei waren die Walkendorfer wie auch die Bewohner im Nachbardorf Boddin bislang nahezu privilegiert. Hier befanden sich die letzten Außenstellen der Teterower Friseur Gesellschaft. „Wir konnten sie nicht länger halten, die Kosten waren einfach zu hoch“, räumt Geschäftsführer Karl Heinz Meyer ein. Er kann sich an bessere Zeiten erinnern. 30 Filialen hatte die damalige Produktionsgenossenschaft des Handwerks zu DDR-Zeiten in der Stadt und dem Umland. Sie beschäftigte 90 Arbeitskräfte. „Wir haben gut verdient damals“, sagt Meyer. Das Bild habe sich dramatisch gewandelt. Klar würden die Leute auch heute noch die Dienste des Friseurs in Anspruch nehmen. Doch die Kosten steigen, Steuern und Abgaben zehren die Einnahmen auf, macht der Geschäftsführer deutlich. So ganz im Regen lässt er die Walkendorfer allerdings nicht. „Wir haben der Gemeinde angeboten, ihr die Einrichtung des Salons zu überlassen. Vielleicht findet sich ja jemand, der da weitermacht.“

Manchmal gibt es auch Hausbesuche

Ganz von der Hand zu weisen ist diese Hoffnung nicht. Denn in Boddin hat sich eine solche Lösung gefunden. Das wäre auch in Walkendorf denkbar, denn entsprechend ausgebildetes Personal gebe es dort, weiß Ulrike Nass. Die Meisterin betreibt einen Friseursalon in Jördenstorf. Die Nachfrage ist groß. „Wir haben einen guten Zulauf. Kunden nehmen selbst längere Anfahrten in Kauf“, berichtet sie. Sie frisiere Frauen, die von Dargun kommen, selbst aus Rostock. Doch wie sieht es mit jenen aus, die selbst weniger mobil sind? „Das arrangieren wir oft über den Pflegedienst. Das klappt in der Regel ganz gut. Bei langjährigen Kunden fahre ich auch zum Hausbesuch raus, wenn sie nicht mehr hierher kommen können“, sagt Ulrike Nass. Doch das seien Ausnahmen, denn der Aufwand sei erheblich, bestätigt sie die Erfahrungen der Teterower. Eine Entspannung der Lage wäre aus ihrer Sicht möglich, wenn sich mehr jüngere Leute für diesen Beruf entscheiden würden.

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