Rudolf Wessel vor dem Holz-Kreuz, das er selbst zum Gedenken an die 16 Feuertoten an der Begräbnisstelle auf dem Malchine
Rudolf Wessel vor dem Holz-Kreuz, das er selbst zum Gedenken an die 16 Feuertoten an der Begräbnisstelle auf dem Malchiner Friedhof errichtet hat. Zoltán Szabó
Die Grabstelle für die Malchiner Feuertoten, mit einem handschriftlichen Zettel, den Rudolf Wessel geschrieben hat.
Die Grabstelle für die Malchiner Feuertoten, mit einem handschriftlichen Zettel, den Rudolf Wessel geschrieben hat. Zoltán Szabó
Idee

Gedenkstein für Feuertote von Malchin immer noch vermisst

Vor drei Jahren wurden beim Parkplatzbau in der Innenstadt die sterblichen Überreste von 16 Kindern und Frauen entdeckt. Ein Gedenken an diese Kriegsopfer fehlt bis heute.
Malchin

Der Alt-Malchiner Rudolf Wessel ist enttäuscht: Noch immer findet sich in der Stadt kein Gedenken an die Opfer des großen Stadtbrandes von 1945, deren sterbliche Überreste vor drei Jahren beim Bau des Parkplatzes an der Schultetusstraße entdeckt worden waren. 14 Kinder und zwei Frauen waren hier zum Kriegsende in einem Gewölbekeller umgekommen.

Weder an der Fundstelle, noch auf dem Friedhof, wo die verkohlten Knochenreste der Verstorbenen begraben sind, ist bisher ein Gedenkstein oder eine Tafel aufgestellt worden. Wessel hatte deshalb vor anderthalb Jahren selbst ein kleines Holzkreuz und einen handschriftlichen Zettel zur Begräbnisstelle gebracht. Ein anonymes Grab ohne Erinnerung sei den Opfern der Malchiner Brandkatastrophe nicht angemessen, findet der 92-Jährige.

Noch in diesem Jahr

Das soll nun aber auch nicht so bleiben, heißt es auf Nachfrage aus dem Rathaus. Ein Gedenkstein soll noch in diesem Jahr auf dem Friedhof aufgestellt werden – dort, wo derzeit das Kreuz von Rudolf Wessel steht, so die Information aus der Stadtverwaltung. Auf dem Innenstadt-Parkplatz will Bürgermeister Axel Müller zudem bis Jahresende eine Gedenktafel platzieren.

Rudolf Wessel hatte nach eigenen Angaben zum Kriegsende als 15-Jähriger selbst in dem Gewölbekeller Schutz gesucht. Als es hieß, dass die Rote Armee anrücke, habe er den Keller verlassen und sei aus Angst mit seiner Mutter und der Schwester in das Hainholz geflohen. Damit sei er dem sicheren Tod entgangen.

Bilder von zerbombten Häusern

An die schreckliche Zeit des Krieges muss Rudolf Wessel in diesen Tagen auch immer wieder denken, wenn er die Bilder von zerbombten Häusern aus der Ukraine sieht: „Das bewegt mich doch sehr.“ Er könne sich noch gut an das Gefühl der Verzweiflung erinnern, das ihn am 30. April 1945 bei Kriegsende überkam.

Er habe seit Kriegsende niemals wieder ein Gewehr in der Hand gehalten und keine Uniform mehr getragen. Waffenlieferungen an die Ukraine lehnt er ab, denn Waffen würden einen Krieg und damit das Leid für die Menschen nur unnötig verlängern.

Auf der anderen Seite versteht der 92-Jährige die Ukrainer, die sich gegen den „Überfall der Putin-Armee“ verteidigen wollen. Doch letztlich sterben sowohl Ukrainer als auch Russen, die bereits zuvor in der Ukraine gelebt haben, sagt der Malchiner.

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Kommentare (1)

Deutsche Opfer bleiben namenlos. Sowjetische nicht!