PROZESS-AUFTAKT

Gericht bietet Malchiner Einbrecher-Bande einen Deal an

Zum spektakulärsten Einbruch in der Geschichte des Stavenhagener Einkaufszentrums hat am Dienstag der Prozess begonnen – mit einem Angebot an die Malchiner Täter.
Das große Aufräumen vor dreieinhalb Jahren in Stavenhagen – nach dem zweifachen spektakulären Versuch, i
Das große Aufräumen vor dreieinhalb Jahren in Stavenhagen – nach dem zweifachen spektakulären Versuch, im Einkaufscenter „Reutereiche“ mithilfe eines Autos einen Geldautomaten aus der Verankerung zu reißen. Kirsten Gehrke
Neubrandenburg.

So eine Riesenaufregung hatte das Einkaufscenter „Reutereiche“ in Stavenhagen noch nie erlebt. In einer Septembernacht im Jahr 2016 donnerten Einbrecher mit einem Auto durch die Eingangstür und versuchten anschließend, den Geldautomaten im Inneren aus der Verankerung zu reißen. Weil das schiefging, folgte nur 24 Stunden später Versuch Nummer zwei. Auch der misslang, die Amateur-Einbrecher fuhren jetzt sogar das Auto fest. Ein Wachmann, der ihnen folgte, wurde mit Reizgas außer Gefecht gesetzt.

Dreieinhalb Jahre später startete am Dienstag am Neubrandenburger Landgericht die Verhandlung um die spektakulären Brüche und eine ganze Reihe weiterer Missetaten. Angeklagt sind fünf junge Männer aus der Malchiner Gegend. Ein Gerichtssprecher bemühte sich schon im Vorfeld des lange erwarteten Prozesses um eine Erklärung. Ein großer Aktenrückstau sei der Grund für die lange Verzögerung gewesen, es habe viele große laufende Verfahren gegeben und andere, wie die Prozesse um eine tote Frau in Alt Rehse oder das gegen den Stiefvater eines getöteten Mädchens aus Torgelow hätten Vorrang gehabt.

Lange Liste mit weiteren Straftaten

Das Verlesen der Anklage dauerte fast eine halbe Stunde. Vorgeworfen wird den Männern – in unterschiedlicher Tatbeteiligung – auch der Diebstahl von sechs Autos in Remplin, der „Klau“ eines abgestellten Teleskop-Radladers bei Gülzow, der Bruch in einem Autohaus in Neustrelitz, wo neben einem teuren Auto auch diverses Werkzeug gestohlen wurde, das Einsteigen in einen Lotto-Laden in Demmin und der Einbruch in eine Neukalener Kaufhalle – mit Unterstützung eines schweren Gullydeckels. Sogar eine Förderschule in Malchin musste daran glauben.

Alle Taten gingen im August und September 2016 über die Bühne. Zwei Angeklagte sind schon im Sommer 2017 für den Einbruch in eine Stavenhagener Wohnung zu Haftstrafen verurteilt worden, damals sollen eine Münzsammlung und 100.000 Euro gestohlen worden sein. Einer der beiden „sitzt“ dafür noch immer und erscheint mit Hand- und Fußfesseln vor Gericht.

Rabatt von drei Monaten für lange Verfahrensdauer

Er kann sich anhören, was die Vorsitzende Richterin Daniela Lieschke zu verkünden hat. Im Vorfeld der Verhandlung habe es bereits Absprachen zwischen dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und den fünf Verteidigern der Angeklagten gegeben. Unter der Bedingung von „glaubwürdigen und qualitativ wertvollen Geständnissen“ sei das Gericht zu Zusagen bereit. Im Falle des Hauptangeklagten, der seine Tage gerade in der Haftanstalt Bützow verbringt, soll die zu verhängende Strafe für dessen sieben Anklagen nicht höher als fünf Jahre ausfallen. Anderen, weniger intensiven Tätern wird Bewährung angeboten. Und einen Rabatt von drei Monaten für die lange Verfahrensdauer gibt es automatisch für alle.

Vier der Angeklagten sagen zu. Der fünfte, dem Richterin Lieschke ein Mindestangebot von vier Jahren und drei Monaten machte, winkte ab. Darauf wolle er sich nicht einlassen – und er konnte vorerst gehen. Das Verfahren gegen ihn wurde von den übrigen abgetrennt. Gut möglich, dass bei erwiesener Schuld seine Strafe später höher ausfällt.

Das Verfahren wird am Donnerstag um 10  Uhr fortgesetzt. Dann sollen allerdings auch schon die Urteile fallen.

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