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„Geschäfte sollen Gewinn bringen“

In ihr Verwaltungsgebäude in der Gasstraße zogen die Stadtwerke 1999 ein.  FOTOS: Simone Pagenkopf

Die Teterower Stadtwerker sind heute in Feierlaune.20 Jahre gibt es das Unternehmen inzwischen. Geschäftsführer Klaus Reinders hat es quasi mit aus dem ...

Die Teterower Stadtwerker sind heute in Feierlaune.
20 Jahre gibt es das Unternehmen inzwischen. Geschäftsführer Klaus Reinders hat es quasi mit aus dem Boden gestampft. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Simone Pagenkopf.

Ein Güstrower macht sich auf nach Teterow, um hier erster Stadtwerkechef zu werden. Zwei Jahrzehnte ist das her. Was trieb Sie an?
Kurz gesagt Heimatverbundenheit und die Herausforderung, in der Energiewirtschaft gestalterisch wirken zu können. Ich war damals bei der WEMAG in Güstrow. Es war klar, dass die Betriebsstelle aufgelöst wird, dann hätte ich nach Hamburg gehen sollen. Die Ausschreibung der Stadt Teterow für den Geschäftsführerposten der Stadtwerke war eine Chance, in der Region zu bleiben. Und wie hat mein erster Chef mal zu mir gesagt: Versuchen Sie lieber Kapitän auf einem kleinen Schiff als 3. Offizier auf einem großen Dampfer zu sein.

Klein fing es ja wirklich an. Mit der Fernwärmeversorgung lernten die Stadtwerke das Laufen. Konnten Sie sich vorstellen, dass der Betrieb mal auf so vielen verschiedenen Geschäftsfeldern agiert?
Im Grobkonzept auf die klassischen Ver- und Entsorgungssparten schon, also dass wir neben der Wärme- auch die Strom- und Gasversorgung übernehmen. Nicht vorhersehbar waren die Aktivitäten in der Energieeinkaufs- und -handelsgesellschaft und bei den erneuerbaren Energien. Solche Dinge waren damals nicht denkbar und sind heute nicht mehr wegzudenken, weil durch die Komplexität der Prozesse die einzelnen kleinen Stadtwerke gar nicht mehr in der Lage sind, alle Schauplätze zu beherrschen. Mit der Energieeinkaufs- und -handelsgesellschaft, die ihren Sitz bei uns in Teterow hat, sind wir so aufgestellt, dass sich die einzelnen Häuser auch gegenseitig ersetzen können. Neun kommunale Stadtwerke sind in unserem Verbund mit einem Umsatz von circa 40 Millionen Euro.
Besteht die Gefahr, dass man sich in der wirtschaftlichen Betätigung zerfranst?
Nur, wenn sich die Politik zu sehr in die wirtschaftliche Betätigung einmischt. Stadtwerke sind reine Wirtschaftsunternehmen und unterliegen den gleichen Marktregularien wie jedes andere Unternehmen. Die Erfahrung zeigt, wo durch Regulierungsmethoden in Wirtschaftsprozesse eingegriffen wird, wird das Gefüge durcheinandergebracht.
Nun gab und gibt es ja aber auch Unternehmungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, wenn man nur an den Umbau des Mecklenburger Hofs in ein Wohn- und Geschäftshaus denkt, an die Sanierung der Burgwall-Gaststätte, an den Schiffsverkehr auf dem Teterower See oder an die Galerie und die Tourist-Information ...
Stimmt. All diese Unternehmungen sind aber in der hundertprozentigen Tochter FUN GT sehr gut aufgehoben, da sie der Entwicklung der touristischen Infrastruktur dienen. Und sie waren politisch immer gewollt.

Mancher Bürger bemerkte aber schon skeptisch, dass er mit den Strom- und Gaspreisen den Luxus bezahlt, den sich die Stadt hier leistet.
Jedes Geschäft soll Gewinn bringen. Es gibt keine sinnvollere Gewinnverteilung, die der Allgemeinheit zugute kommt. Die Strom- und Gaspreise der Stadtwerke sind im Vergleich immer günstiger als die anderer Versorger. Zudem investieren wir als Stadtwerke und Zweckverband Wasser/Abwasser, dessen Betriebsführer wir sind, im Schnitt mindestens drei Millionen Euro jährlich und das Geld bleibt im lokalen Kreislauf.

Apropos Zweckverband. Ganz hoch schlugen die Wellen, als die Problematik Altanschließer die Leute auf die Straße trieb. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie hier zum Hauptfeind Nummer 1 der Bürger wurden?
Als Hauptfeind Nummer 1 habe ich mich nie gesehen, obwohl man zugeben muss, dass die Belastung sehr hoch war. Es wurde uns die Verantwortung zugewiesen, für die die Politik und nicht wir als Betriebsführer einer öffentlich-rechtlichen Körperschaft zuständig waren. Die Erhebung von Altanschließerbeiträgen ist 1999 durch entsprechende Gerichtsurteile festgelegt worden. Ursprünglich wollte der Zweckverband erst nach neuen Investitionen Beiträge erheben, so wie er es bis dahin praktizierte. Wir waren dann aber verpflichtet, die Satzungen entsprechend zu ändern. Es liefen Klagen bis zum Oberverwaltungsgericht, aber es wurde festgestellt, dass alles rechtens ist.

Wie sehen Sie die Stadtwerke heute aufgestellt. Meinen Sie, dass sich am Profil noch einmal etwas ändert, zum Beispiel mit Blick auf die Energiewende?
Die Stadtwerke sind ein modern aufgestelltes Dienstleistungsunternehmen. Durch die Energiewende werden sich in den nächsten Jahren die Rahmenbedingungen wesentlich ändern. Der Einfluss der Einspeisung von erneuerbaren Energien in die Netze und die Wandlung vom Verbraucher zum Erzeuger werden die Hauptthemen sein. In den letzten fünf Jahren sind allein im Stadtgebiet Teterow 75 Anlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energien entstanden. Über 400 Stunden im Jahr speisen wir Strom bereits in das vorgelagerte Netz zurück. Das wird weiter zunehmen durch Mini-BHKW und den Ausbau kleiner Photovoltaikanlagen. Man spricht ja schon von „Prosumenten“, von Verbrauchern, die gleichzeitig Produzenten sind. Der Netzum- und -ausbau sowie die Schaffung von Datenübertragungsstrecken werden das Investitionsgeschehen beherrschen. Ich denke da auch immer noch über Glasfaser nach. Bei jedem Kabel, das wir verlegen, verlegen wir jetzt auch immer schon ein Leerrohr.

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s.pagenkopf@nordkurier.de