Im Lockdown gestrandet: Jonny Ortmann, seine Söhne Sandro und Marcel (von links) verbringen das Weihnachtsfest zusammen m
Im Lockdown gestrandet: Jonny Ortmann, seine Söhne Sandro und Marcel (von links) verbringen das Weihnachtsfest zusammen mit den anderen Mitgliedern der Zirkusfamilie in Stavenhagen. Eckhard Kruse
Zirkus in Not

Geschenke gibt’s hier nur für die Kleinsten

Die Weihnachtstage wollte der Zirkus Orandi eigentlich in Neustrelitz verbringen. Doch der Lockdown zwang die Familie, in Stavenhagen zu bleiben – und selbst am Fest zu sparen.
Stavenhagen

Einen Weihnachtsbaum hatte Jonny Ortmann am Donnerstag noch nicht für seine Familie besorgt. Kein Wunder: Er muss in diesen Tagen jeden Euro zwei Mal umdrehen, bevor er ihn ausgibt. Denn der Zirkus Orandi ist mit dem Lockdown auf der Stavenhagener Festplatz am Ivenacker Tor gestrandet. Er hat überhaupt keine Einnahmen mehr. Ortmann muss trotzdem die Familie versorgen und war schon gezwungen, um Spenden für die Tiere bitten, weil ihm das Geld ausging. Ortmann ist den Landwirten von Herzen dankbar, die Heu und Stroh übrig hatten und es ihm kostenlos zur Verfügung stellten. Das reiche bis Ende Januar.

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Für Jonny Ortmann stand aber fest, dass er irgendwie eine Tanne erstehen wird. Denn auch er will, dass seine Familie am Heiligen Abend in einem der Wohnwagen unter einem geschmückten Baum feiern kann. Schließlich gehören auch seine beiden Söhne Marcel und Sandro, seine Tochter Nancy und seine Schwiegertochter Jasmin zum familiären Zirkusbetrieb. Gemeinsam wollen sie mit den beiden Enkelkindern trotz allem ein gemütliches Weihnachtsfest im Kreise ihrer Lieben feiern. „Geschenke wird es aber nur für die Enkelkinder geben“, sagte Ortmann. Für die Erwachsenen sei nach einem Blick auf die Finanzen nichts drin.

Zirkusfamilie hat Hartz IV beantragt

Momentan steckt die Familie im dritten Lockdown. Es gibt keine Balance-Akte von Marcel, keine Jonglage mit Sandro, keine Drahtseilartistik mit Nancy, keine Ringtrapezvorführung von Jasmin und auch keine Tiervorführungen mit Jonny Ortmann. „Wir wissen gar nicht, wie es weitergeht“, erzählte der Zirkuschef. Auf Kurzarbeitergeld habe man keinen Anspruch, weil man kein geregeltes Einkommen hat. Damit man überhaupt Einnahmen hat, habe man nun Leistungen nach Hartz IV in Waren beantragt, weil in Kieve bei Röbel ihr Winterlager ist. Es sei unheimlich schwer. „Wir wollen aber noch nicht aufgeben.“ Die Zirkusleute versuchen, sich erneut durch die harte Zeit zu kämpfen. Wenn sie Hartz IV-Leistungen bekommen, wollen sie mit Mann und Maus im Januar nach Kieve wechseln. Dort habe man auch ein kleines Haus. Die Tiere hätten eine Koppel.

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Doch zu Weihnachten sind sie nun in Stavenhagen. „Wir werden in die Kirche gehen“, betonte Jonny Ortmann. Sie sind dankbar, dass sie weiter am Ivenacker Tor stehen dürfen, ausreichend Tierfutter haben, das etwa bis Ende Januar reicht. Deswegen war ihm ein Satz ganz besonders wichtig: „Der Zirkus Orandi wünscht allen Menschen frohe Weihnachten!“

 

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