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Geschlagen und beraubt auf diesem Teterower Spielplatz

Ausgelassen und unbeschwert tummeln sich Lilly und Alex wie viele Kinder auf dem Spielplatz am Schulkamp. Des Nachts jedoch wandelt der Ort sein Image.  FOTO:Eberhard Rogmann

VonEberhard RogmannAuf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier wird ein 30-jähriger Teterower angegriffen und schwer verletzt. Die Täter laufen weiter frei ...

VonEberhard Rogmann

Auf dem Heimweg von einer Geburtstagsfeier wird ein 30-jähriger Teterower angegriffen und schwer verletzt. Die Täter laufen weiter frei herum. Jetzt will sich das Opfer in der Gewalt-
prävention engagieren.

Teterow.„Es wird ja immer schlimmer in Teterow. Dagegen muss man etwas tun. Ich will da gern mithelfen, soweit ich das eben kann.“ Die Worte kommen Andy N. (Name geändert) eindringlich über die Lippen. Der Blick des jungen Mannes ist klar, wenngleich in seinem Gesicht Blessuren ihre Spur hinterlassen haben. Vor einem Monat wurde Andy N. Opfer eines Gewaltverbrechens. Er war auf dem Rückweg von einer Geburtstagsfeier. Die Uhr ging auf Mitternacht zu. „Es war ein schöner Maiabend. Als ich am Schulkamp kurz vor der Brücke am Spielplatz war, umringten mich acht Personen. Was ich im Rucksack habe, fragte einer. Dann schlug ein anderer mir mit einer Stange ins Gesicht. Die Nase fing sofort zu bluten an. Ich wurde zu Boden gestoßen und es hagelte Tritte“, schildert der Teterower die Attacke. Offenbar verlor er das Bewusstsein. Erinnern könne er sich nur noch, dass eine Frau ihn ansprach und fragte ob „alles in Ordnung“ sei. Als sie sah, dass er reagierte, verschwand sie. Blutüberströmt habe er sich nach Hause geschleppt.
Am nächsten Morgen brachte der Vater den Verletzten zur Notaufnahme ins Krankenhaus. Die Wunden wurden versorgt, Kopf und Brustkorb geröntgt. Mit Schmerztabletten versehen und dem Rat, sich dem Hausarzt vorzustellen und dort eine Überweisung zum HNO-Arzt einzuholen, trat er den Heimweg an. Was er versäumte, war eine Anzeige bei der Polizei. Dort sprach er erst am folgenden Tag vor. Die Beamten nahmen den Fall sehr ernst und stuften die Tat als versuchten Totschlag und Raub ein. Seine Verletzung erwies sich dann auch als gravierender. Die Nase war kurz und klein, der Kiefer und drei Rippen gebrochen. Der HNO-Arzt in Güstrow wies ihn sofort ins dortige Krankenhaus ein. Was den Patienten zu der Frage veranlasste, warum er denn nicht gleich im Krankenhaus Teterow aufgenommen wurde? Nordkurier fragte nach beim Geschäftsführer des DRK-Krankenhauses, Jan Weyer. „Wir haben keinen HNO-Facharzt und können solche Verletzungen hier nicht behandeln. Deshalb liegt es im Ermessen des Notarztes, gegebenenfalls einen Nottransport in eine andere Klinik zu veranlassen. Bei Gefahr für das Leben des Patienten, steht das außer Frage. Doch in diesem Fall war diese Dringlichkeit nicht gegeben.“ Weyer verweist darauf, dass ähnlich bei Verletzungen von Kindern verfahren werde. Das Krankenhaus sichere eine Notversorgung. Weitergehende Behandlungen obliegen den Fachärzten. Dies ergebe sich nicht zuletzt aus Fragen der Haftpflicht.
Die Polizei indes hat in dem Fall noch keinen Verdächtigen dingfest gemacht. Die Ermittlungen laufen noch, sagt Dirk Höhlein, Leiter des Polizeireviers. Hier ist der Fall wieder anhängig, nachdem das Fachkommissariat den versuchten Totschlag zum schweren Raub herabstufte. Unbefriedigend für Andy N., der vier der Täter erkannthatte. Dessen ungeachtet erklärt er sich bereit, mit Schülern über Gewalt, deren Folgen und Wege der Prävention zu sprechen.

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e.rogmann@nordkurier.de