Der hier gestrandete Zirkus „Orandi“ ist immer noch in Stavenhagen. Jonny Ortmann füttert die Pferde.
Der hier gestrandete Zirkus „Orandi“ ist immer noch in Stavenhagen. Jonny Ortmann füttert die Pferde. Eckhard Kruse
Der Bürgermeister und der Stadtbauhofleiter bemängelten bei der Besichtigung den zerfahrenen Platz.
Der Bürgermeister und der Stadtbauhofleiter bemängelten bei der Besichtigung den zerfahrenen Platz. Eckhard Kruse
Keine Einnahmen

Gestrandeter Zirkus bleibt noch länger in Stavenhagen

Im Dezember war der Zirkus „Orandi“ in Stavenhagen gestrandet. Seitdem durfte er keine Vorstellungen mehr geben. So fehlt auch das Geld für einen Ortswechsel.
Stavenhagen

Die Leute vom Zirkus „Orandi“ wollten eigentlich schon über alle Berge sein. Doch noch immer stehen die Wohnwagen, Fahrzeuge und das Zelt für die Tiere auf der großen Festwiese am Ivenacker Tor in Stavenhagen. „Gestattet hatte ich das bis zum 17. Januar“, sagte Bürgermeister Stefan Guzu. Denn Jonny Ortmann und seine Familie waren im Dezember mit dem beginnenden Lockdown in Stavenhagen gestrandet. Das Geld ging aus, man bat um Futterspenden für die Tiere, weil man selbst keine Einnahmen mehr hatte. Landwirte gaben von ihrem Heu und Stroh ab, wofür Jonny Ortmann auch sehr dankbar ist.

Wegen Corona quälend ungewisse Zukunft

Die Artisten, Jongleure und Dompteure von „Orandi“ können aber auch im Januar noch nicht weiterziehen. „Das Geld ist immer noch knapp“, erläuterte der Zirkusleiter. Man habe quasi kein Geld für den Umzug. Die Zirkussteuer, die munter weiter abgebucht wird, koste zum Beispiel 1000 Euro für das halbe Jahr. Und weil im Winterquartier in Kieve bei Röbel durch den Frost auch noch die Wasserleitungen im Haus geplatzt sind, haben die Zirkusleute nun gar keine Chance mehr, dort die restliche Zeit des Winters zu verbringen, wie es eigentlich geplant war. „Wir sitzen weiter in Stavenhagen fest“, sagte sein Sohn Marcel. Es sei nicht schön, dass man nicht wisse, wann es wieder losgehen kann. „Wir wollen wieder Vorführungen geben, aber wir dürfen nicht“, bedauerte er. Das sei eine sehr ungewisse Zukunft.

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„In Brandenburg dürfen Zirkusse wieder spielen“, hat Jonny Ortmann gehört. Das ist dort unter 2G-Regeln möglich, wo aber auch oft wenig Zuschauer kommen. Ortmann hofft, dass es spätestens Anfang März auch in MV wieder losgehen kann. Dann will er eine Abschiedsvorstellung in Stavenhagen geben und in Röbel oder in Brandenburg weitermachen. Vielleicht ginge das auch schon früher. Denn wenn die Region fünf Tage hintereinander nicht mehr im roten, sondern im orangen Corona-Warnstatus liegen würde, dürften Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Zirkusse zwei Tage darauf mit 2G-Plus-Regeln wieder öffnen. Ob dann Zuschauer kommen würden, kann Ortmann aber nicht sagen. Denn das Publikum müsste dann geimpft oder genesen und getestet sein.

Im Februar muss das Training wieder starten

„Grundsätzlich habe ich kein Problem, wenn der Zirkus länger steht“, sagte der Bürgermeister. Doch am Montagnachmittag schaute er sich gemeinsam mit Stadtbauhofleiter Yves Gänsler den Platz und die Tiere an. „Die Tiere haben es gut. Sie sind auch gut gefüttert“, schätzte Guzu ein. Er ermahnte den Zirkusleiter, den Müll am Ende zu entsorgen. Bemängelt wurde außerdem der Zustand des Platzes, der durch Fahrzeuge zerfahren ist. „Den richten wir wieder her“, sagte Jonny Ortmann. Er versprach auch, auf den Hydranten zu achten. Der war nämlich schon einmal eingefroren. So darf der Zirkus auf Bitten von Jonny Ortmann nun bis zum 28. Februar bleiben. Wenn ab März Vorstellungen erlaubt sind, dann darf er noch eine Abschiedsvorstellung geben.

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In der kommenden Woche wollen die Zirkusleute ein Trainingszelt aufbauen. „Wir müssen im Februar wieder anfangen zu trainieren“, erläuterte Jonny Ortmann. Das sei notwendig, damit bei den Vorstellungen im März wieder die Nummern mit Hochseilartistik und Ringtrapez gezeigt werden können. Heu könnte der Zirkus noch gebrauchen. Denn ein Teil des getrockneten Grases sei leider nass geliefert worden, sodass er es nicht an die Pferde verfüttern konnte.

 

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