Wo im vergangenen Jahr der Gewölbekeller mit den sterblichen Überresten von 14 Kindern und zwei Frauen freigelegt wo
Wo im vergangenen Jahr der Gewölbekeller mit den sterblichen Überresten von 14 Kindern und zwei Frauen freigelegt worden war, legte UMB-Vorsitzender Reinhard Kullick im Beisein von Vertretern der anderen Fraktionen ein Blumengebinde nieder. Torsten Bengelsdorf
Die AfD-Stadtvertreter Engelhardt Kelm, Mario Haberkost und Christian Skotnik hatten zum Gedenken auf dem Friedhof eingeladen.
Die AfD-Stadtvertreter Engelhardt Kelm, Mario Haberkost und Christian Skotnik hatten zum Gedenken auf dem Friedhof eingeladen. Mit dabei auch Ex-Bürgermeister Jörg Lange und sein Nachfolger Axel Müller (von rechts nach links). Torsten Bengelsdorf
Am Gedenkstein des Massengrabes auf dem Friedhof legten die AfD-Stadtvertreter Engelhardt Kelm und Mario Haberkost einen Kranz
Am Gedenkstein des Massengrabes auf dem Friedhof legten die AfD-Stadtvertreter Engelhardt Kelm und Mario Haberkost einen Kranz nieder. Torsten Bengelsdorf
75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs

Gleich zwei Mal politisches Gedenken an Kriegsopfer in Malchin

Malchiner Stadtpolitiker haben der letzten Kriegsopfer in der Stadt gedacht. Dass passierte allerdings bei zwei unterschiedlichen Veranstaltungen.
Malchin

Es ist das erste Mal, dass an der Straßenecke Schultetus-/Achterstraße ein Kranz und ein Blumengebinde an die Tragödie erinnern, die sich hier vor genau 75 Jahren abgespielt hatte. Vertreter aller Stadtparlaments-Fraktionen trafen sich am Donnerstagvormittag zu einem stillen Gedenken an der Stelle, an der vor einem Jahr die sterblichen Überreste von 14 Kindern und zwei Frauen entdeckt wurden, die hier bei dem verheerenden Stadtbrand am 30.  April 1945 in einem Gewölbekeller ums Leben gekommen waren. „Dieser Platz steht für die Schrecken des Krieges mit seinen Millionen Toten und unvorstellbaren Gräueltaten“, sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken, Kerstin Mahnke.

Eigentlich scheint das Kriegsende vor 75 Jahren schon lange her zu sein, meinte Pastor Markus Hasenpusch. Doch mit dem Freilegen des Gewölbekellers im vergangenen Jahr sei diese Zeit wieder ganz nahe gewesen. Der Pastor erinnerte auch an die Opfer des Lazarettzug-Unglücks in Malchin sowie an jene Menschen, die zum Ende des Krieges keinen anderen Ausweg als den Suizid sahen. „Das Schicksal der Opfer darf von keiner Seite instrumentalisiert werden. Wer das tut, macht die Toten erneut zu Opfern und versündigt sich an ihnen“, mahnte Markus Hasenpusch.

AfD lud zur Gedenkrunde auf den Friedhof

Am Nachmittag fand sich dann auf dem Friedhof eine zweite Gedenkrunde zusammen, zu der die AfD eingeladen hatte. Als einziger Vertreter der anderen Fraktionen war dazu Werner Neumann (CDU) gekommen. AfD-Fraktionsmitglied Christian Skotnik ging hier näher auf das Zugunglück vom 20.  April 1945 ein, das 26 Opfer gefordert hatte. „Sabotage nannte man damals den Vorfall.“ An einem Kohlenzug waren die Bremsklötze entfernt worden, sodass er auf einen wartenden Lazarettzug prallte. „Dieses Verbrechen wurde, wie viele, nicht aufgeklärt – weitere sinnlose Todesfälle als Ergebnis des Krieges“, sagte Skotnik. Einen Kranz legten die Mitglieder der AfD-Fraktion dann an dem Massengrab nieder, in dem auch viele Suizid-Opfer ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Es sei wichtig, neben den Siegern auch der Einwohner der Stadt Malchin zu gedenken, sie seien keine Opfer zweiter Klasse, sagte hier Bürgermeister Axel Müller (CDU).

Dass die AfD schließlich auch Blumen zum sowjetischen Ehrenfriedhof brachte, ging auf den Vorschlag von Ex-Bürgermeister Jörg Lange zurück. Christian Skotnik sprach hier von Soldaten, die Malchin eingenommen hätten und nicht immer freundlich gewesen seien, die aber auch nicht freiwillig nach Malchin gekommen wären.

Dass Malchins Stadtvertreter damit auf zwei verschiedenen Veranstaltungen der Opfer des Kriegsendes gedachten, habe an den fehlenden Abstimmungen wegen der Corona-Beschränkungen gelegen, hatte die Linke-Fraktions-Chefin Kerstin Mahnke am Vormittag erklärt: „Es fehlte das direkte Gespräch miteinander. Es ist doch etwas anderes, wenn man sich dabei in die Augen schaut.“

Gelegenheit dazu gibt es am Tag der Befreiung am 8.  Mai, wenn in Malchin ein Stadtrundgang zu verschiedenen Gedenkstätten geplant ist. Dann vielleicht sogar als gemeinsame Veranstaltung der Stadtverwaltung und aller Fraktionen.

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