Hier in Gnoiens Burgstraße muss das Schloss gestanden haben. Steffen Maeting vom Heimatverein zeigte den Kulturnacht-Wan
Hier in Gnoiens Burgstraße muss das Schloss gestanden haben. Steffen Maeting vom Heimatverein zeigte den Kulturnacht-Wanderern historische Stadtpläne. Torsten Bengelsdorf
500 Jahre danach

Großer Andrang bei Suche nach verschwundenem Schloss

Vor genau 500 Jahren brannte der Prachtbau nieder, wurde jedoch nicht wieder aufgebaut. Grund genug für die Kulturnacht-Wanderer, auf Spurensuche zu gehen.
Gnoien

Es muss eine gewaltige Feuersbrunst gewesen sein, die den Prachtbau auf einem Hügel an der Warbel komplett vernichtete. Nichts ist geblieben vom einstigen Gnoiener Schloss, man weiß heute nicht einmal mehr genau, wie es einmal ausgesehen haben könnte. Und dennoch fasziniert die Schlossburg bis heute. Exakt 500 Jahre nach dem Schlossbrand versammelten sich am Samstagabend mehr als 100 Leute an der Stelle, an der Gnoiens Kastell einmal gestanden haben soll.

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„Es ist schon erstaunlich, dass sich so viele Leute für ein Haus interessieren, das es seit 500 Jahren gar nicht mehr gibt“, war Steffen Maeting vom Gnoiener Heimatverein etwas überrascht über den Zulauf. Ihn hatten die Veranstalter der Gnoiener Kulturnacht gebeten, etwas mehr Licht in dieses bisher wenig bekannte Kapitel der Gnoiener Stadtgeschichte zu bringen.

Schlossberg im 18. Jahrhundert abgetragen

Schwer zu finden ist die Stelle nicht, an der Gnoiens Schloss einmal gestanden haben muss. Die Burgstraße, die in der Weiterführung zur Warbel vielen Gnoienern auch als Schlossstraße bekannt ist, weist heute noch auf den Adelssitz hin. Doch wer nun glaubt, hier noch irgendetwas von einer Schlossruine zu finden, der wird enttäuscht sein. „Im Jahr 1798 ist der Schlossberg abgetragen worden, deshalb gibt es auch keine Fundamente mehr“, berichtete Maeting. Während der Ort Gnoien im Jahr 1257 erstmals urkundlich erwähnt wird, taucht das Schloss im Jahr 1331 erstmals in einem Dokument auf. „1344 wird Gnoien dann als Grenzstadt mit festem Schloss erwähnt“, erläuterte Maeting. Der Burgvogt, der damals im Auftrag der Rostocker Fürsten die Region verwaltete, war Ritter Otto von Drewitz, der die Stadt mit Mauer, Wall und Gräben befestigen ließ. Das Schloss habe eine eigene Wasserversorgung bekommen. Nach dem großen Stadtbrand sei es dann nie wieder aufgebaut worden.

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Ist denn nun aber vom Gnoiener Schloss wirklich gar nichts mehr übrig geblieben? Vielleicht doch, sagt Steffen Maeting und verweist auf einige sehr alte in Gnoien geprägte Münzen, die sogenannten Witten. Einige von den Silberlingen seien noch erhalten. „Und wer weiß, vielleicht hat gerade diese Witten Otto von Drewitz in der Hand gehalten.“

Schloss-Reste in Kirche verbaut?

Und dann sei einmal beim Ausbessern von zwei Pfeilern an der Gnoiener Kirche die Idee aufgekommen, dass sie aus den Resten des Schlosses stammen könnten. Immerhin sei Baumaterial damals mindestens zweimal verwendet worden, wenn nicht sogar drei- oder viermal. Vielleicht ist das aber auch nur eine weitere Legende – von einem Schloss, von dem so wenig überliefert ist, das aber auch 500 Jahre nach seiner Zerstörung die Gnoiener immer noch nicht loslässt.

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