ANGEBLICH AUCH SCHON ZUGEBISSEN

Großer Hund macht Anwohnern in Kummerow Angst

Kummerower fühlen sich von den Behörden damit alleingelassen, dass ein frei laufender Schäferhundmischling ihnen immer wieder Angst macht. Der Besitzer weist zurück, dass das Tier aggressiv sein soll – lenkt nun aber ein.
Kirsten Gehrke Kirsten Gehrke
Kummerower sehen den Hund immer wieder mitten auf der Hafenstraße und trauen sich dann nicht vorbei.
Kummerower sehen den Hund immer wieder mitten auf der Hafenstraße und trauen sich dann nicht vorbei. privat
Rainer Binkow kann verstehen, dass manche Leute vor Hunden Angst haben, aber sein Lux sei keine Gefahr, wie es Dorfbewohner behaupten.
Rainer Binkow kann verstehen, dass manche Leute vor Hunden Angst haben, aber sein Lux sei keine Gefahr, wie es Dorfbewohner behaupten. Kirsten Gehrke
Eigentlich liegt Hund Lux meist friedlich auf der Terrasse, wenn ein Besucher das Tor nicht richtig schließt, geht er aber auch allein im Dorf auf Wanderschaft.
Eigentlich liegt Hund Lux meist friedlich auf der Terrasse, wenn ein Besucher das Tor nicht richtig schließt, geht er aber auch allein im Dorf auf Wanderschaft. Kirsten Gehrke
Kummerow.

In Kummerow gibt es Stunk. Schuld ist ein Hund in der Hafenstraße. Der soll regelmäßig frei herumlaufen und schon zugebissen haben. Die Dorfbewohner haben Angst. Doch scheint sich keiner dafür zuständig zu fühlen, klagen sie. Weder Gemeinde, Ordnungsamt noch Polizei hätten bisher reagiert. Zwar gab es bereits ein Verfahren nach einem Biss, aber das sei eingestellt worden. Erst vor wenigen Tagen soll ein Radfahrer angefallen worden sein.

Die Polizei bestätigt einen Zwischenfall, spricht aber nur von einem Zusammenstoß mit einem Hund, bei dem ein 50-Jähriger gestürzt sei und sich das linke Knie und den Ellenbogen aufgeschlagen habe. Unbekannt ist auch dem Ordnungsamt Malchin das Problem nicht. Jedoch heißt es von dort, dass die Behörde erst einschreiten könne, wenn eine Anzeige vorliege. Doch die Bürger seien bisher nicht bereit, mit Name und Adresse konkret eine solche zu stellen. Pauschale und anonyme Hinweise nützten da nichts.

„Das ist keine Bestie”

Für Hundebesitzer Rainer Binkow übertreiben die Leute maßlos, sagt er auf Nordkurier-Nachfrage. Sein Vierbeiner sei lieb und höre aufs Wort. Er sei kein Kläffer. Demonstrativ lässt er den 8-jährigen Schäferhundmischling raus und gibt Kommandos. Lux folgt ihm und wirkt zutraulich, kommt dem Besuch freundlich entgegen. Gemütlich trottet er zurück auf die Terrasse. „Das ist keine Bestie“, sagt der 69-Jährige. „Das sehen Sie doch selbst.“ Der Hund komme aus Spanien. Als eine Bekannte sich nicht mehr um ihn kümmern konnte, habe sie ihn gebeten, Lux zu sich zu nehmen. „Ich habe es als Freundschaftsdienst gemacht, ich bin ein Tierfreund.“

Aus gesundheitlichen Gründen könne er nicht im Dorf mit dem Hund an der Leine spazieren gehen. Deshalb lasse er ihn morgens und abends in den Garten raus, damit er Auslauf hat. Dass Lux manchmal ausbüxt, bestreitet Binkow nicht. Wenn er nicht zu Hause ist, würden Leute, die zu ihm kämen, die Tür zur Terrasse oft nicht mehr richtig schließen. Da laufe Lux dann auf die Straße. „Aber der fällt keinen an“, sagt er. Als angeblich einmal sein Hund einen Nachbarn gebissen haben soll, sei das Tier gar nicht in Kummerow gewesen, sondern in Malchin. „Ich hatte Urlaub und der Hund war bei der Vorbesitzerin“, erzählt er. Es gebe im Dorf noch einen ähnlich aussehenden Hund. „Es gibt einen Doppelgänger.“

Hundebesitzer sagt Maßnahmen gegen Ausbüchsen zu

Die Sache mit dem Radfahrer erklärt Binkow sich so, dass dieser sich von dem Gebell erschreckt habe, als Lux aus seiner Kuhle hinter der Hecke hervorgekommen war, deshalb sei er gestürzt. Früher sei es normal gewesen, dass Hunde in einem Dorf frei herumlaufen. Vielleicht habe ja der eine oder andere als Kind schlechte Erfahrungen gemacht und deshalb Angst. Dass ein Hund anschlägt und bellt, wenn Fremde an einem Grundstück vorbeikommen, sei normal. Wenn des Nachts finstere Gestalten durchs Dorf streifen, sei das sogar wichtig, dass der Hund Haus und Hof bewache. „Wo ein Hund bellt, klauen sie weniger“, meint Binkow.

Sein Hund habe gesichert auf der Terrasse seinen Platz. Er wolle nichts beschönigen und gebe sich selbst die Schuld, dass Lux ausbüxen kann. Um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen, wolle er die Tür jetzt mit einem Schloss verschließen. Wenn er längere Zeit nicht zu Hause ist, werde er Lux künftig in eine Tierpension geben und nicht mehr von Bekannten betreuen lassen. Denn er wolle auch, dass Frieden in Kummerow einkehrt.

 

 

zur Homepage