Angler-Streit

:

Haben sich diese Fische zu Tode gequält oder simulieren sie?

Für Angler steht außer Frage: Hier wird gegen den Tierschutz verstoßen. Der Fischer verneint dies.
Für Angler steht außer Frage: Hier wird gegen den Tierschutz verstoßen. Der Fischer verneint dies.
privat

Zoff herrscht am Teterower See. Der Fischer wurde angezeigt, da er dem Augenschein nach habe Fische krepieren lassen. Doch der hat eine Erklärung.

Als Angler ist Wolfgang Urban schockiert über den Anblick, der sich vor einigen Tagen am Teterower See bot. In den Hälternetzen des Stadtfischers schwammen etliche Fische bäuchlings an der Oberfläche. Er zückte sein Handy und fotografierte. Ein Angelfreund machte ebenfalls Aufnahmen.

Tags darauf stand er in der Redaktion unserer Zeitung. „Diese Art von Fischerei muss unterbunden werden. Die Hälterung in den Keschern verstößt gegen den Tierschutz. Die Tiere quälen sich über Tage zu Tode“, lautete seine Anklage. Nach seiner Auffassung sind die Netze überfüllt und die Fische erstickten jämmerlich. Nicht zum ersten Mal finde man tote Fische hier, berichtete er. Jeder Anfänger müsse seine Fachkunde über die weidgerechte Tötung von Tieren nachweisen. Für professionelle Fischer gelte das offenbar nicht, lautete seine Folgerung. Der aktuelle Vorfall erschien immerhin so gravierend, dass er bei der Stadt angezeigt wurde.

Veterinäramt prüft den Fall

Bürgermeister Andreas Lange veranlasste umgehend eine Inspektion des Fischereigeländes sowie eine Information an das Veterinäramt des Landkreises Rostock. Eine Mitarbeiterin der Behörde inspizierte am Donnerstagvormittag den Ort des Geschehens. Über das Ergebnis könne noch nicht informiert werden, hieß es auf Nachfrage des Nordkurier. Aus dem Rathaus indes verlautete, das Problem sei aufgeklärt.

Stadtfischer Jens Düse kann die ganze Aufregung nicht verstehen. Die Fische seien gar nicht tot. „Es handelt sich um asiatische Silberkarpfen. Das sind Simulanten, die liegen eine ganze Weile bäuchlings auf der Oberfläche und dann tauchen sie wieder ab.“

Fischer beklagt Anschläge auf seine Netze

Für dieses absonderliche Verhalten hat er eine Erklärung parat: Die Fische leben in größeren Tiefen. Wenn sie an die Oberfläche kommen, seien sie wegen der Druckänderung benommen und bräuchten eine gewisse Zeit, ehe sie sich wieder aufrichten. Diese Art gehöre gar nicht in hiesige Gewässer, der Besatz stamme noch aus DDR-Zeiten. Er sei bestrebt, den Bestand abzufischen. „Dann ist Ruhe.“

Das mag für die Silberkarpfen gelten, am See indes stehen die Zeichen eher auf Sturm. Fischer Düse kontert auf die Anzeige. „Wenn jemand meint, hier würde irgendwas nicht stimmen, soll er das sagen. Es ist längst kein Grund, die Hälternetze zu zerschneiden.“ Genau das war am Vortag geschehen. Als am nächsten Morgen ein Kunde kam, um Hechte abzuholen, war der ganze Fang futsch.

Es ist nicht der erste Vorfall dieser Art. „Solchen Zirkus hab‘ ich öfter. Auch Säure wurde schon ins Netz gekippt“, beklagt der Fischer. Der Schaden summiere sich im Jahr auf über 10.000 Euro. Über die Motive der Täter kann er nur spekulieren. „Man meint, ich fische den See leer, da bleibe für die Angler nichts übrig. Klar, ich hole auch den Weißfisch raus, der die Angler nicht interessiert. Auf der anderen Seite nimmt die Produktivität des Gewässers ab, weil der See aufklart. Das müssen auch die Angler akzeptieren.“