GEGEN DEN ÄRZTEMANGEL

Hausarzt-Praxis bildet jetzt auch Studenten aus

Noch vor einiger Zeit war in Neukalen vom ärztlichen Notstand die Rede, nun kümmert sich eine Ärztin in ihren Sprechstunden auch um künftige Landärzte.
Die Neukalener Arztpraxis des MVZ Demmin ist jetzt Lehrpraxis für die Universität Greifswald. Ilona Rettig betreut neben ihren Sprechstunden die Studenten. 
Die Neukalener Arztpraxis des MVZ Demmin ist jetzt Lehrpraxis für die Universität Greifswald. Ilona Rettig betreut neben ihren Sprechstunden die Studenten. Torsten Bengelsdorf
Neukalen.

Der teure Ausbau des Arztstützpunktes in der Neukalener Straße der Freundschaft hat sich vielleicht doch gelohnt. Eigentlich sollten hier zwei Ärzte praktizieren. Das hat das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) Demmin, das die Praxis betreibt, zwar noch nicht erreicht und im Moment auch nicht vor. Dafür gibt es hier jetzt eine Ausbildungspraxis. Wie der Manager des MVZ, Martin Lüdke, sagte, ist die Hausarztpraxis von Ilona Rettig nun eine Akademische Lehrpraxis der Universität Greifswald. Die ersten Studenten hätten hier bereits ein Praktikum absolviert.

Damit sei man auf einem guten Weg, zukünftige Ärzte an das Thema Hausärzte heranzuführen. Denn Nachwuchs in diesem Bereich werde gebraucht. Irgendwann stehe das MVZ auch in Neukalen vor dieser Frage. Ilona Rettig gehe langsam auf das Rentenalter zu, wolle aber solange wie möglich für die Patienten da sein.

Studenten schauen erst einmal zu

Und sie macht sich auch schon Gedanken, wie ihre Patienten künftig versorgt bleiben. Deshalb versuche sie, den Studenten den Beruf des Landarztes schmackhaft zu machen. Zwar bedeute für sie eine Lehrpraxis zusätzliche Arbeit, aber sie mache das gern. Denn sie liebt ihren Beruf, ist seit 30 Jahren Hausärztin. „Was ich selbst gern mache, kann ich auch rüberbringen.“

Vor einem Jahr hatte Rettig die Praxis des Versorgungszentrums übernommen. Der bis dahin einzige praktizierende Arzt im Stützpunkt hatte zuvor überraschend die Koffer gepackt und es drohten die Lichter im teuren Umbau auszugehen. Den Wechsel zum MVZ habe sie nicht bereut, sagte die Ärztin heute. Jetzt habe sie mehr Freizeit, weil sie sich nicht mehr um alles kümmern muss.

„Schwester Agnes“ fährt über die Dörfer

Die Studenten würden zu 14-tägigen oder vierwöchigen Praktika zu ihr kommen. Die Bürger haben indes erst einmal nicht direkt etwas davon. Denn die Studenten schauen vor allem erst einmal zu. Sie dürften die Patienten aber auch mal von Kopf bis Fuß untersuchen, Blut abnehmen, EKG schreiben und mit Computerprogrammen arbeiten. Im März 2019 werden die nächsten Greifswalder Studenten von ihr etwas abschauen können.

Außer der Lehrpraxis hat das MVZ jetzt auch die Stelle einer nichtärztlichen Praxis-Assistentin eingerichtet – das sogenannte Schwester-Agnes-Projekt. Wie Martin Lüdke sagte, übernehme seit April eine besonders qualifizierte Schwester Hausbesuche und entlaste damit die Ärztin. „Das wird sehr gut angenommen“, berichtet er. Ein Großteil der Patienten sei an die Häuslichkeit gebunden. Die Schwester sei in Neukalen und den Dörfern ringsherum unterwegs. Wenn sich das Modell bewähre, überlege das MVZ, das vielleicht auch in Stavenhagen anzuschieben.

 

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