Vor fünf Jahren kamen Antje und Miri Hornburg-Zeneli aus Großbritannien zurück nach Grammentin und eröffn
Vor fünf Jahren kamen Antje und Miri Hornburg-Zeneli aus Großbritannien zurück nach Grammentin und eröffnen hier nun ihre Märchengarten-Brasserie mit Blick auf die Salemer Seeberge. Im Herbst soll noch ein Dorfladen dazukommen. Kirsten Gehrke
Diesen alten Ofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts haben die jungen Leute aus England mitgebracht. Der soll auch später
Diesen alten Ofen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts haben die jungen Leute aus England mitgebracht. Der soll auch später wieder funktionieren. Kirsten Gehrke
Am Hausgiebel in der Dorfstraße 37 in Grammentin ist dieser Schriftzug gestaltet.
Am Hausgiebel in der Dorfstraße 37 in Grammentin ist dieser Schriftzug gestaltet. Kirsten Gehrke
Tourismus

Heimkehrerin eröffnet Gasthaus in der Mecklenburgischen Schweiz

Fünfzehn Jahre war eine Grammentinerin in der Welt unterwegs. Jetzt kehrte sie mit ihrem englischen Mann in ihre Heimat zurück und will für die touristische Entwicklung etwas tun.
Grammentin

Von der Terrasse aus schaut Antje Hornburg-Zeneli direkt auf die Salemer Seeberge. Der Kummerower See liegt in der Senke. „Um schätzen zu können, was wir hier haben, musste ich erst etwas anderes sehen“, sagt die 39-Jährige. Sie hat in Großbritannien, Spanien, Peru und Neuseeland gearbeitet, und doch zog es sie zurück in ihre Heimat, nach Grammentin. Erst so sei ihr bewusst geworden, wo sie aufgewachsen ist, wie man hier entschleunigen und die Natur genießen kann. „Im Alltag vergessen das viele“, meint sie und will dieses Gefühl anderen gern weitergeben. Mit ihrem Mann Miri Hornburg-Zeneli eröffnet sie am Donnerstag ihre Märchengarten-Brasserie mit italienischer Küche – nur eine von vielen Ideen, die das Paar für Touristen und Einheimische im Dorf umsetzen möchte.

In Großbritannien haben sich beide kennengelernt, lebten in London und Durham in Nordengland in Nähe der schottischen Grenze, wo Miri seine Doktorarbeit für Pädagogik geschrieben hat. Sie ist Dolmetscherin für Englisch, Spanisch und Französisch. Doch beide wollten aufs Land. Vor fünf Jahren siedelten sie in den vorpommerschen Teil der Mecklenburgischen Schweiz um. Zunächst hat der 37-jährige Familienvater mit Freunden ihr Haus ausgebaut, dann begannen beide, ihren Traum von Brasserie und Dorfladen zu verwirklichen. Wo bis April vergangenen Jahres noch eine Wiese war, steht nun ein Gasthaus. Nur Tiefbau, Fundament und Rohbau haben sie machen lassen, alles andere erledigten sie allein. Bruder, Nachbar und andere haben geholfen und Tipps gegeben.

Fußbodenfliesen selbst designt

Das Gebäude verkleideten sie mit Holz, verwendeten beim Ausbau natürliches Material, verputzten Wände mit Lehm und Leinöl. Die Fußboden-Fliesen hat Miri Hornburg-Zeneli selbst designt. Die ließen sie über eine belgische Firma in Marokko anfertigen. Mit Bienenwachs wurden diese imprägniert. Die Gaststube richteten sie mit Möbeln ein, wie man sie aus einer französischen Brasserie kennt, gestalteten sie mit alten Sachen, die Charme haben. So stehen ausrangierte Schulbänke aus Remplin, ein Ofen aus England aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und ein altes Klavier im Restaurant. Der Ofen soll sogar nochmal in Betrieb gehen. Jahrelang haben die Grammentiner geplant, ein Jahr gebaut. Endlich können sie jetzt loslegen und am Donerstag, 8. Juli, ab 11 Uhr die ersten Gäste empfangen.

Eigentlich wollten sie im März eröffnen, dann auf Mai verschieben, im Juli nun können sie wirklich starten. Die Corona-Pandemie hat so einiges verzögert. Nicht nur Baumaterial war schwierig zu bekommen, auch auf die Gastronomie-Einrichtung mussten sie bis zu vier Monate warten. „Nun sind wir stolz darauf, was wir bisher geschaffen haben“, sagt Antje Hornburg-Zeneli. In der Umgebung an der Ostseite des Kummerower Sees gibt es nämlich bisher kaum Gastronomie, keine Läden. Das sei für Touristen, aber auch für Einheimische schade. Touristisch entwickelt sich Kummerow gut, auch Ivenack mit seinen Eichen. „Wir liegen genau in der Mitte“, sagt die 39-Jährige. Ihre Gäste sollen das Gefühl haben, Natur erleben zu können, kulinarisch. Auf 3,5 Hektar Land sollen Märchengärten angelegt, Gemüse und Kräuter selbst angebaut, Plätze zum Verweilen geschaffen werden.

Im Herbst soll der Dorfladen eröffnen

Der erste Garten ist fast fertig. Ein Zwerg-Nase-Kräutergarten soll dieses Jahr noch angelegt werden. Weitere Märchengärten folgen in den kommenden Jahren. Stück für Stück will das junge Paar seine Ideen umsetzen. Im Herbst will es einen Dorfladen eröffnen. Von bio bis regional, auch Großhandelsprodukte des täglichen Bedarfs sollen dort angeboten werden. Für das Projekt gab es auch Förderung aus dem Vorpommern-Fonds. Der Laden soll die neue Mitte fürs Dorf werden, wo sich die Leute treffen. Später plant das Paar auch Veranstaltungen, wie Lesungen, Livemusik, Puppentheater. „Ideen haben wir für 20 Jahre“, sagt Antje Hornburg-Zeneli, Mutter von drei Töchtern. Doch es gehe nur eins nach dem anderen. „Wir sind nie so schnell wie unsere Ideen.“ Mit der Brasserie nimmt aber jetzt alles seinen Anfang.

 

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