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Heiz-Rechnung raubt Rentnerpaar den Schlaf

Sonja Koch und Manfred Schmidt haben sich ihren Balkon hübsch angelegt. Sie genießen die Blumenpracht und den Blick in Richtung Stadt. Doch die Betriebskostenabrechnung verdirbt ihnen jegliche Sommerstimmung.
Sonja Koch und Manfred Schmidt haben sich ihren Balkon hübsch angelegt. Sie genießen die Blumenpracht und den Blick in Richtung Stadt. Doch die Betriebskostenabrechnung verdirbt ihnen jegliche Sommerstimmung.
Eckhard Kruse

Nachforderungen bei den Betriebskosten sind unangenehm, doch nichts Ungewöhnliches. Ein Rentnerpaar in Teterow erwischte es jetzt allerdings eiskalt. 3400 Euro soll es für seine Wohnung nachzahlen. Verbraucherschützer können da nur eines raten.

Die schweißtreibende Sommerhitze spürte Manfred Schmidt an diesem Morgen nicht. Ein kalter Schauer rann ihm über den Rücken, als er den Brief in seiner Hand wortlos seiner Frau reichte. Auch sie wurde blass, nachdem sie das Schreiben gelesen hatte. Es kam von der Teterower Wohnungsgesellschaft und enthielt die Betriebskostenabrechnung für das Jahr 2015. Was dem Paar die Sprache verschlug, war die Rechnung für die Heizkosten, die mit 4997,64 Euro beziffert wurden. Abzüglich der Vorauszahlungen ergab sich eine Nachforderung von 3402,64 Euro. „Das kann nicht möglich sein. Hier muss ein Fehler unterlaufen sein“, versicherten beide gegenüber Nordkurier.

Das Rentnerpaar bewohnt eine Drei-Raum-Wohnung von 60 Quadratmetern in der vierten Etage eines Mehrgeschossers in der Heinrich-Heine-Straße. Erst im Februar 2015 hatte es die Wohnung bezogen. „Der Winter war mild, es gab keine längere Frostperiode, wo man hätte stärker heizen müssen“, sagt Sonja Koch.  „Am 13. Juni war noch jemand da zum Ablesen, es war das zweite Mal. Am 15. bekamen wir die Abrechnung.“ Gegen die hat das Paar umgehend Widerspruch eingelegt.

Unstimmigkeiten und Beanstandungen bei Betriebskostenabrechnungen sind das täglich Brot von Kay-Uwe Glause beim Mieterverein in Rostock. Eine Nachforderung in dieser Höhe allerdings erscheint dem Rechtsberater „extrem ungewöhnlich.“ Zumal angesichts der Umstände. Die Wohnung befindet sich im Mittelgeschoss, umgeben von belegten Wohnungen, die gleichsam beheizt sind. Die Schlüsselfrage: Wer ist hier in der Nachweispflicht für die außergewöhnliche Forderung? Da lauern Fußangeln, weiß der Experte. „Meint der Mieter, die Messtechnik sei defekt, muss der Vermieter eine Überprüfung veranlassen. Wird dort kein Fehler gefunden, liegt der Ball wieder beim Mieter“, zeigt Glause auf.

Verwunderung löst der Teterower Fall auch bei der Verbraucherschutzzentrale Rostock aus. Hier empfiehlt man, einen Fachmann zurate zu ziehen. Das haben Sonja Koch und Manfred Schmidt getan. Die Wohnungsgesellschaft indes hält sich bedeckt. Auf Anfrage wurde mitgeteilt, dass man im Gespräch mit dem Mieter sei. Eine öffentliche Stellungnahme werde angesichts des schwebenden Verfahrens nicht abgeben, hieß es nur.