Auf dem Weg komplett weg vom Gas will die Stadt Malchin auch auf Wasserstoff setzen, der mit Hilfe von Solar- und Windenergie
Auf dem Weg komplett weg vom Gas will die Stadt Malchin auch auf Wasserstoff setzen, der mit Hilfe von Solar- und Windenergie in Malchin hergestellt werden könnte. Monika Skolimowska
Heizkosten

Hohe Energiepreise – so will Malchin das Gas ersetzen

Auch wenn bald drei Viertel der Malchiner Fernwärme aus dem Biomasse-Heizkraftwerk kommen sollen, spielt Gas weiterhin eine Rolle. Aber auch das soll sich ändern.
Malchin

Nahezu 70 Prozent der Malchiner hatten sich vor acht Jahren bei einer Bürgerbefragung dagegen ausgesprochen, dass Windkraftanlagen auf städtischen Flächen errichtet werden. Und tatsächlich sind der Stadt die Windmühlen bisher erspart geblieben. Auch bei der Solar-Energie fährt Malchin einen ziemlich rigiden Kurs. Auf landwirtschaftlichen Flächen haben Freiflächen-Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet nichts zu suchen. Diesen Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2009 hatten die Stadtvertreter erst im Herbst vergangenen Jahres noch einmal bekräftigt. Damals waren Strom und Gas noch einigermaßen bezahlbar.

Stabile Preise über Jahre

Doch nun dreht sich gerade der Wind. Im Malchiner Rathaus und bei den großen Vermietern ist man heilfroh, mit dem Wärmeversorger energicos im vergangenen Jahr einen Vertrag ausgehandelt zu haben, nach dem Malchins Fernwärme ab dem nächsten Jahr zu 75 Prozent aus dem Biomasseheizkraftwerk in der Basedower Straße kommen soll. „Doch es sollte unser Ziel sein, komplett auf Gas zu verzichten und auch die restlichen 25 Prozent zu ersetzen“, sagt Bürgermeister Axel Müller (CDU). Auf diese Weise könnte Malchin über Jahre stabile Preise bieten. Doch was kommt als Gas-Ersatz in Frage? Müller bringt dafür jetzt Wasserstoff ins Gespräch, den Malchin im Idealfall selbst produzieren könnte. Einen Anbieter dafür hat der Bürgermeister zu einer der nächsten Bauausschuss-Sitzungen eingeladen.

Für die Wasserstoff-Produktion könnte in Malchin dann auch das Thema Windkraftanlagen wieder auf die Tagesordnung rücken. Und auch beim Solarstrom müsste sich die Stadt dann entscheiden, ob trotz der bereits errichteten Anlagen etwa am Strauchwerder oder im Gewerbegebiet nicht noch mehr möglich ist. Für eine möglichst hohe Rentabilität der Wasserstoff-Produktion könnten Photovoltaik- und Windkraftanlagen mit einem Elektrolyseur kombiniert werden. Das klingt für Malchin vielversprechend.

Alte Beschlüsse auf den Prüfstand bringen

„Die Frage ist, welche Richtung wir hier künftig gehen wollen“, sagt der Bürgermeister und plädiert dafür, unabhängig von einer möglichen Wasserstoff-Produktion die Beschlüsse der Stadtvertreter zu Windkraft und Photovoltaikanlagen auf den Prüfstand zu bringen. Ob die enorm gestiegenen Energiekosten zu einem Umdenken in der Stadtvertretung führen, bleibt allerdings abzuwarten.

Derweil verstärkt die Stadt ihre Bemühungen, noch mehr Abnehmer der Fernwärme zu gewinnen. Dazu sind im Herbst mehrere Informationsveranstaltungen geplant. „Vielleicht werden wir dabei mit dem Fuhrtsberg anfangen“, sagt der Bürgermeister. Immerhin würden angesichts der explodierenden Energiepreise jetzt viele Hauseigentümer mit einer neuen Heizanlage liebäugeln. Und je mehr Haushalte sich an das Fernwärmenetz anschließen, desto günstiger könnten die Heizkosten ausfallen, rechnet man sich im Malchiner Rathaus aus.

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