CORONA-MAßNAHMEN FÜR TOURISMUS

Hotelbetreibern tut 60-Prozent-Regel weh

Der Betrieb in den Hotels läuft langsam wieder an. Doch die meisten Direktoren und Betreiber in der Mecklenburgischen Schweiz hadern damit, dass das Land ihnen gerade beim guten Pfingstgeschäft vorschreibt, dass 40 Prozent der Betten leer bleiben müssen. Ein Eigentümer vergleicht das sogar mit einem Berufsverbot.
Im Schlosshotel Kittendorf hadert man damit, dass 40 Prozent der Betten leer bleiben müssen.
Im Schlosshotel Kittendorf hadert man damit, dass 40 Prozent der Betten leer bleiben müssen. Eckhard Kruse
Das Hotel Kutzbach von Line Zhinanaj und Aristeidis Stogiantsakis ist ausgebucht.
Das Hotel Kutzbach von Line Zhinanaj und Aristeidis Stogiantsakis ist ausgebucht. Eckhard Kruse
Im Seeschloss Schorssow ist man positiv überrascht über die Nachfrage.
Im Seeschloss Schorssow ist man positiv überrascht über die Nachfrage. Eckhard Kruse
Malchin.

In den Hotels der Mecklenburgischen Schweiz ist man von der 60-Prozent-Regelung im Land alles andere als begeistert. Stephan Frömel, Hoteldirektor des Seehotels Schorssow, bedauert, dass gerade zu Pfingsten 40 Prozent der Betten leer bleiben müssen. So hatte es die Landesregierung wegen des Corona-Schutzes festgelegt. „Wir haben seit Montag wieder offen“, sagte er. Es hätten so viele Leute buchen wollen, dass das Hotel problemlos alle Zimmer hätte belegen können. Außerdem sieht Frömel einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Schleswig-Holstein und anderen Regionen. Dort seien 100 Prozent Belegung erlaubt. Das sei in seinen Augen nicht gut für die Zukunft des Tourismus’ im Land, wenn sich viele anderswohin orientieren – zumal MV die niedrigsten Infektionsraten hat.

Schlossherr befürchtet Pleitewelle

„Ich finde es schlimm, dass wir nur 60 Prozent der Zimmer belegen können“, kritisierte der Eigentümer des Kittendorfer Schlosshotels Stefan Heidemann. Auch dort war die Nachfrage zu Pfingsten sehr groß. Für den Verlust bekämen die Hotels vom Land keinen Ausgleich. Es fühle sich an wie ein Berufsverbot. „Das ist eine Frechheit“, sagte er. Die 15.000 Euro, die das Land zuvor schon angeboten hatte, seien in seinen Augen ein Witz. Das helfe gar nicht, wenn die Fixkosten schon ohne Personal ein Vielfaches davon betragen. Für Unternehmer, die nicht so stabil wie das Kittendorfer Hotel dastünden, könne das schlimme Auswirkungen haben. Heidemann vermutet sogar, dass es im Herbst oder Winter eine große Pleitewelle in Deutschland geben wird.

Langsam erholt sich das Tagesgeschäft

Auch das Hotel „Kutzbach“ in Stavenhagen ist über Pfingsten bis zum 60-Prozent-Limit ausgebucht, informierte Line Zhivana. Es habe noch mehr Anfragen gegeben. Aber sie könne nur elf der insgesamt 17 Zimmer vergeben. Das sei schade.

Andreas Besser, Betreiber des Hotels „Marcus“ in Malchin, hat zu Pfingsten die Hälfte seiner 17 Zimmer belegt. Vor der Corona-Krise seien sie viel besser gebucht gewesen. Mehr sei derzeit nicht machbar. Deswegen tue ihm die 60-Prozent-Regel auch nicht weh. Das Tagesgeschäft erhole sich langsam wieder, und auch die Buchungen würden langsam wieder anlaufen.

Viele haben noch Angst vor einer Ansteckung

Das ist im Hotel Kutzbach, in Schorssow und Kittendorf nicht viel anders. Line Zhivanaj hat dabei aber auch bemerkt, dass Leute immer noch Angst vor einer Corona-Ansteckung haben. Ein Punkt, den man auch in Kittendorf bestätigen kann. „Die Leute sind vorsichtig“, sagte Stefan Heidemann. Vor allem aber Menschen im Alter von 50-plus. Einige Interessenten hätten sicherheitshalber storniert. Buchen würden sie für die späteren Monate erst, wenn wieder alles okay ist.

Doch Stephan Frömel ist trotz allem positiv überrascht, wie stark die Nachfrage nun schon wieder ist. „Die Leute wollen aber einfach raus“, betonte der Schorssower Hoteldirektor. Wirtschaftlich sei es dennoch schwierig, dass man mit einem höheren Personalaufwand nur einen Bruchteil der Kosten wieder hereinbekomme. Auch das sei ein Nachteil der 60-Prozent-Regel.

 

 

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