Von „Saufgelagen“ und einem „Ort des Enthemmtseins“ ist beim Duckower Dorfgemeinschaftshaus mit Grill-
Von „Saufgelagen“ und einem „Ort des Enthemmtseins“ ist beim Duckower Dorfgemeinschaftshaus mit Grill-Pavillon mittlerweile die Rede. Die Stadt Malchin sieht sich zum Handeln genötigt. Torsten Bengelsdorf
Ruhestörung

In Duckow wird gefeiert, bis der Nachbar ins Hotel flieht

Die angesagtesten Partys im Malchiner Umfeld stiegen zuletzt ausgerechnet im Ortsteil Duckow. Das sorgt auch für Empörung – so sehr, dass die Stadt auf die Spaßbremse treten muss.
Duckow

So hatten sich einige Duckower das wohl nicht vorgestellt mit ihrem Gemeindezentrum. Als sich vor dreieinhalb Jahren die kleine Gemeinde der Stadt Malchin anschloss, legten die Duckower und Pinnower großen Wert darauf, dass ihr Gemeindesaal auch wirklich öffentlich bleibt und für Familienfeiern und andere Partys bei der Stadt gebucht werden kann. Lange Zeit herrschte Flaute in dem Gemeindehaus, das wegen Corona geschlossen bleiben musste. Als dann die Stadt Malchin die Schulmöbel für die Zeit der Sanierung der Marcus-Schule in Duckows Gemeinschaftshaus unterstellen wollte, gab es im Dorf ein Aufschrei der Empörung.

Mehr lesen: Schwierige Suche nach Jugendtreffpunkt in Malchin

Saal kostet nur 25 Euro pro Abend

Mittlerweile hat nun das Party-Volk das Duckower Dorfhaus erobert. Nicht nur Duckower feiern hier gern. Kein Wunder, kostet der Saal doch für einen Abend gerade mal 25  Euro, inklusive Nutzung der Sanitäranlagen. Und ein Grill-Pavillon gehört ja auch noch dazu. Die Folge: Seitdem die Corona-Zügel wieder locker gelassen wurden, ist das Gemeinschaftshaus jetzt jedes Wochenende ausgebucht gewesen. Da gab es ja auch eine Menge Feiern nachzuholen. Das kleine Duckow steht schon im Ruf, mittlerweile die angesagteste Party-Location in der ganzen Malchiner Region zu haben.

Diesen Eindruck haben auch einige Nachbarn. Zum Feiern ist ihnen allerdings gar nicht zumute. Als sich Malchins Bauausschuss vor einigen Tagen im Duckower Dorfgemeinschaftshaus versammelt hatte, sprach ein Anwohner von derart ausschweifenden Partys, dass er an drei Wochenenden bereits in ein Hotel geflüchtet sei. Die Rede war auf dem Treffen auch von „schlichten Saufgelagen“ und von einem „Ort des Enthemmtseins“. Immer wieder würden sich in Duckows Gemeindehaus auch Leute treffen, die gar keinen Bezug zu dem kleinen Ort hätten.

„Eine Party lief hier völlig aus dem Ruder. Danach sah es aus wie im Saustall. Das Wasser lief zum Beispiel noch“, schildert denn auch Malchins Bürgermeister Axel Müller (CDU). Die Stadt sei auch einmal getäuscht worden, als für das Dorfhaus eine Jugendweiheparty angemeldet worden war, tatsächlich dann aber zwei Tage lang Geburtstag gefeiert wurde.

Keine Anmeldungen, bis eine Lösung gefunden ist

Das Rathaus hat jetzt für die Duckower Partymeile die Reißleine gezogen. Im Juni und Juli sei das Dorfhaus noch zweimal vermietet. Mehr Anmeldungen werde man dann aber erst einmal nicht annehmen, bis eine Lösung gefunden ist, kündigte Bürgermeister Müller inzwischen an. Zwei Möglichkeiten sieht Malchins Rathaus-Chef: „Entweder wir machen das Ding zu oder aber wir finden eine Nutzungsregelung, mit der dann auch alle leben können.“

Doch wie eine solche Regelung aussehen könnte, da besteht noch erheblicher Klärungsbedarf. Das Gemeindezentrum einfach nicht mehr an junge Leute vermieten? Geht nicht, meinte der AfD-Stadtvertreter Christian Skotnik in der Bauausschuss-Sitzung: „Ich kann doch nicht einfach Jugendliche ausschließen.“ Bei allem Ärger: Eine Schließung des Dorfhauses kommt für die meisten Duckower nun offenbar auch nicht in Frage. Immerhin läuft hier ja nun auch nicht jede Feier aus dem Ruder. Für Silberhochzeiten oder andere Familienfeiern sei das Gemeinschaftshaus immer noch unverzichtbar, heißt es aus dem Malchiner Ortsteil.

Mehr lesen: Auch bei 30 Grad in Malchin noch immer Badeverbot

zur Homepage