FACHWERKHAUS

Indische Familie saniert Denkmal in Stavenhagen

Das Haus in der Malchiner Straße 16 ist eines der ältesten Gebäude der Stadt Stavenhagen. Eine indische Familie hat sich zum Ziel gesetzt, das denkmalgeschützte Haus nach und nach zu sanieren.
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Eine indische Familie, die sich viel vorgenommen hat: Harvinder Singh, Ranvir Singh, Tanvir Kaur und Rajvinder Kaur (von links nach rechts) wollen das Innere des alten Hauses selbst ausbauen. Errichtet wurde es vermutlich um 1720.
Eine indische Familie, die sich viel vorgenommen hat: Harvinder Singh, Ranvir Singh, Tanvir Kaur und Rajvinder Kaur (von links nach rechts) wollen das Innere des alten Hauses selbst ausbauen. Errichtet wurde es vermutlich um 1720. Eckhard Kruse
So sieht es derzeit im Eingangsbereich des einstigen Schreibwaren- und Spielzeugladens aus.
So sieht es derzeit im Eingangsbereich des einstigen Schreibwaren- und Spielzeugladens aus. Eckhard Kruse
Blick aus dem Kinderzimmer in Richtung Garten. Den Innenausbau will die Familie größtenteils selbst vornehmen.
Blick aus dem Kinderzimmer in Richtung Garten. Den Innenausbau will die Familie größtenteils selbst vornehmen. Eckhard Kruse
Nach der Tradition der indischen Sikh hat der sechsjährige Ranvir einen Haarknoten auf dem Kopf.
Nach der Tradition der indischen Sikh hat der sechsjährige Ranvir einen Haarknoten auf dem Kopf. Eckhard Kruse
Lehmwände müssen noch verkleidet und schiefe Fußböden ausgeglichen werden.
Lehmwände müssen noch verkleidet und schiefe Fußböden ausgeglichen werden. Eckhard Kruse
Bis vor sechs Jahren gab es in dem Haus noch einen Spielzeugladen. In Zukunft könnte hier wieder ein Geschäft einziehen.
Bis vor sechs Jahren gab es in dem Haus noch einen Spielzeugladen. In Zukunft könnte hier wieder ein Geschäft einziehen. Eckhard Kruse
Tanvir und Ranvir schauen einmal in den Spitzboden.
Tanvir und Ranvir schauen einmal in den Spitzboden. Eckhard Kruse
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Stavenhagen.

Der kleine Ranvir flitzt durch das alte Haus in Stavenhagen. Er freut sich, dass seine Eltern das Gebäude in der Malchiner Straße  16 gekauft haben und es nach und nach ausbauen. Denn hier hat der Sechsjährige mit seiner zehnjährigen Schwester Tanvir viel Platz. Er rennt die Treppe ins Obergeschoss hinauf. Wie im Flug ist er die Leiter ins Dachgeschoss hinaufgeschossen. Es geht hinaus in den Garten, den seine Eltern, sein Vater Harvinder Singh und seine Mutter Rajvinder Kaur, wieder als Wiese angelegt haben.

Dass er im Untergeschoss mitten in einem ehemaligen Laden steht, der früher voller Spielzeug für kleine Jungen und natürlich auch Mädchen steckte, das haben ihm nur seine Eltern erzählt. Auf 220 Quadratmetern verkauften Ulrich Burmeister und später seine Tochter Astrid Lücke Spielzeug, Schulranzen und Schreibwaren. Doch Ende 2013 schloss das Geschäft. Das Haus stand leer. „Wir haben es im Jahr 2015 gekauft“, erzählt Rajvinder Kaur, die einen langen Deutschkurs belegte und deswegen um einiges besser deutsch spricht als ihr Mann. Harvinder Singh habe sich zuerst nur für den Laden interessiert – weil das indische Ehepaar ein Geschäft eröffnen wollte. Dann kauften sie das Haus, zogen in die Malchiner Straße und wohnen nun übergangsweise im hinteren Teil des Spielzeugladens.

Über Indien und Italien nach Stavenhagen

Das Ehepaar stammt aus der indischen Provinz Pandschab. Harvinder Singh arbeitete über viele Jahre in Italien, berichtet seine Frau. Das Paar heiratete. Danach lebten beide gemeinsam in dem südeuropäischen Land, bekamen zwei Kinder. „Im Jahr 2014 sind wir nach Deutschland gekommen.“ Im Urlaub hatten sie schon mal Verwandtschaft in der Region besucht. Und so landete die vierköpfige Familie schließlich in Stavenhagen.

Harvinder Singh (43), der in der Heimat selbst Land besaß und bewirtschaftete, arbeitet seitdem im Imbiss am Stavenhagener Busbahnhof. Für Rajvinder Kaur (38) war es dagegen nicht so einfach, einen Job in und um Stavenhagen zu finden. „Ich war in Indien Lehrerin an einer Universität“, sagt sie. Sie fand eine Stelle bei der Bäckerei Hatscher. Nun arbeitet sie von vier Uhr morgens bis 12.30  Uhr in der Backstube. Das passe sehr gut in den Tagesablauf der Familie. Wenn die Kinder nach Hause kommen, sei sie schon wieder zu Hause und könne zum Beispiel bei den Hausaufgaben helfen.

Alt und sehr, sehr teuer

Vor allem steht die Familie aber vor dem riesigen Brocken der Haussanierung.  „Viele Nachbarn sagten, dass es ein Fehler war, das Haus zu kaufen“, erzählt Rajvinder Kaur. Denn das alte Gemäuer musste von Grund auf saniert werden. Doch die Familie will es mit viel Elan und eigener Arbeit schaffen. Die Fassade, ein Giebel, das Dach, die Fenster und die Eingangstür sind im vergangenen Jahr schon erneuert worden. Dazu kamen zwei Dachgauben. „Wir haben einen Brief von der Stadt bekommen“, berichtet die Inderin. Die Verwaltung habe gefragt, was die Familie mit dem denkmalgeschützten Haus vorhabe. Und nun ist das Ehepaar sehr dankbar, dass es Fördermittel für die Sanierung erhielt. So konnte das Haus, das eines der ältesten Fachwerkhäuser der Stadt sein soll, 2018 und 2019 äußerlich saniert werden. Für die Familie blieb dennoch ein riesiger Eigenanteil. „Es ist viel Geld.“

Im Inneren wartet ein weiterer Berg Arbeit. Zimmerleute tauschten schon marode Balken aus. Die meisten seien aber noch gut erhalten, sagt die Inderin. Die Handwerker rieten, alle Lehmdecken herauszunehmen. Den Innenausbau werde ihr Mann zu großen Teilen selbst übernehmen. Zuerst wolle er das Dachgeschoss sanieren. Im Sommer wolle die Familie vorübergehend dort einziehen. Danach komme das Obergeschoss mit dem Wohnzimmer, dem Schlafzimmer und der Küche an die Reihe. Gebaut werde immer, wenn wieder Geld da ist. Doch die Familie ist voller Hoffnung, dass sie den Ausbau der Wohnung in ein oder zwei Jahren fertig haben wird. Im Haus soll dann auch ein kleiner Laden für Geschenkartikel, Spielzeug, Unterwäsche und Kleidung für ältere Leute eröffnen.

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Kommentare (1)

Na denn; Viel Erfolg! Es wird wohl eine Lebensaufgabe bleiben.