Fund im Ivenacker Teehaus

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Jüdische Grabsteine als Baumaterial verwendet

Museumsmitarbeiter Michael Häcker versucht, die deutschen Buchstaben an zwei der in Ivenack entdeckten jüdischen Grabsteine zu entziffern.
Museumsmitarbeiter Michael Häcker versucht, die deutschen Buchstaben an zwei der in Ivenack entdeckten jüdischen Grabsteine zu entziffern.
Eckhard Kruse

Die Grabsteine des jüdischen Friedhofs von Stavenhagen galten als verschollen. Nun tauchten sie bei Abrissarbeiten in Ivenack wieder auf.

Über Jahrzehnte wusste niemand genau, wo die Grabsteine des jüdischen Friedhofs von Stavenhagen abgeblieben waren. Doch nun wurden sie von Bauarbeitern wiederentdeckt, als sie den Fußboden des Ivenacker Teehauses herausrissen. Sie waren als Untergrund für den Kamin und den Boden verwendet worden.

Ein Restaurator erkannte schnell, dass es sich um hebräische Buchstaben handelt. Der Stavenhagener Museumsmitarbeiter Michael Häcker und der Vorsitzende des Stavenhagener Synagogenvereins, Klaus Salewski, konnten aber auch zwei Steine mit deutschen Inschriften ausmachen.

Name liefert den Beweis

Auf einem Stein steht der Name Joseph Jacob. Der ist definitiv in Stavenhagen geboren und gestorben. Damit hatten die beiden den Nachweis, dass diese und wahrscheinlich auch die anderen 14 Grabsteine vom einstigen jüdischen Friedhof in Stavenhagen stammen.

Klaus Salewski vermutet, dass sie erst 1979 von Stavenhagen nach Ivenack gebracht worden sind, als die Stadt ein Sportlerheim auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof errichtete. „Es ist schrecklich, dass so etwas passiert ist“, betonte er. Doch die Wiederentdeckung der Grabsteine sei für ihn eine kleine Sensation.

Entzifferung geplant

Mit der Landesdenkmalpflege sei vereinbart worden, die Steine erst einmal in den Innenhof des Stavenhagener Synaogenkomplexes zu bringen. Dort sollten sie gereinigt und entziffert werden. Gemeinsam mit der jüdischen Landesgemeinde wolle man über den weiteren Verbleib entscheiden.

Kommentare (4)

nur der Mangel an Baumaterial führte zu solchen Auswüchsen wie in Ivenack. Übrigens ein sehr üppiges Haus um einen Tee zu nehmen. Anderswo sind die Teehäuser deutlich kleiner.

Für jeden Analphabeten ist zu erkennen, dass es sich hier um Grabsteine handelt. Ich wüsste nicht, in welcher modernen Zivilisation Grabsteine als Baumaterial verwendet worden sind. Das ganze mit Material-Mangel zu erklären, ist genauso pietätlos wie die Verwendung der Grabsteine. Da gibt es keine alberne Entschuldigung.

Kosten für nichts, welche kein Mensch braucht - die Ruhezeiten der Gräber längst abgelaufen - oder?

Ihre antisemitische Haltung haben Sie hier ja schon oft dokumentiert, Ote-Erwerth. Trotzdem nochmal für Sie und andere: jüdische Friedhöfe und Gräber kennen kein Ablaufdatum - ein jüdisches Grab ist für die Ewigkeit (daher sehen jüdische Friedhöfe auch etwas anders aus als evangelische oder katholische). Und dass man schon aus Respekt den Toten und deren Nachfahren gegenüber die Grabsteine würdig birgt und aufbewahrt, ist selbstverständlich. Nur völlig unsensible oder eben antisemitische Menschen argumentieren mit Kosten. Dass man es auch anders machen kann, hat der Neubrandenburger Steinmetz Dassow bewiesen, als in den 70er Jahren der Neubrandenburger jüdische Friedhof Neubauten weichen musste. Herr Dassow hatte die Grabsteine langjährig eingelagert, später der Stadt übergeben, bis diese 2008 in der Gedenkstätte der ehemaligen Neubrandenburger Synagoge eine neue Heimat fanden.