LEADER-PROGRAMM

Käserei rollt bald zu Milchbauern

Den eigenen Käse können sich Landwirte jetzt aus ihrer Milch vor Ort produzieren lassen. Denn eine mobile Käserei hat sich in Kentzlin gegründet und will im Umkreis von 100 Kilometern unterwegs sein.
Damit Henriette Gaede (rechts) und Anja Hansen (2. v. links) bald mit der Käseproduktion beginnen können, brachten M
Damit Henriette Gaede (rechts) und Anja Hansen (2. v. links) bald mit der Käseproduktion beginnen können, brachten Matthias Hantel und Heike Müller von den Leader-Aktionsgruppen Güstrower Landkreis und Demminer Land den Fördermittelbescheid vorbei. Kirsten Gehrke
In diesem Radius im Umkreis von 100 Kilometern will die Mobile Käserei vor Ort zu den Milchbauern fahren. Alt Kentzlin is
In diesem Radius im Umkreis von 100 Kilometern will die Mobile Käserei vor Ort zu den Milchbauern fahren. Alt Kentzlin ist dabei zentral gelegen. Kirsten Gehrke
Alt Kentzlin ·

So ähnlich könnte es bald auch bei ihnen schmecken. Noch mussten Henriette Gaede und Anja Hansen bei der Bewirtung ihrer Gäste auf Käse vom Siebengiebelhof bei Parchim ausweichen, doch ab Frühjahr 2020 wollen die beiden Frauen mit der Mobilen Käserei Kentzlin selbst Laibe produzieren, und zwar vor Ort bei den Milchbauern. Dafür brauchen sie einen Lkw mit Kofferaufbau, in dem sich ein voll ausgestatteter Käserei-Raum befindet. Zwei große Käsekessel, Technik, Formen, Rührwerk, Abtropfwannen, Pressvorrichtung. Das Fahrzeug ist bereits bestellt, denn das Projekt wird aus dem europäischen Leader-Programm zur Entwicklung des ländlichen Raums gefördert – über die Lokalen Aktionsgruppen (LAG) Demminer Land und Güstrower Landkreis. Beide brachten am Freitag den Zuwendungsbescheid im Gutshaus in Alt Kentzlin vorbei, 98  150  Euro. Damit kann das Kooperationsprojekt offiziell starten.

Erste mobile Käserei in Mecklenburg-Vorpommern

Diplom-Biologin Anja Hansen tüftelt schon mal in ihrer Küche an Rezepten, probiert so einiges aus. Die 39-Jährige interessiert sich seit langem schon für die Käseherstellung, besuchte Kurse. 15 Jahre hat sie in Rostock gelebt, arbeitete beim Landschaftspflegeverband und hatte Kontakt zu Landwirtschaftsbetrieben. Seit Frühjahr lebt sie in Alt Kentzlin. Henriette Gaede ist auch Rostockerin, wohnt seit vier Jahren in Malchin. Die Agrarwissenschaftlerin und Pferdewirtin hat als Öko-Kontrolleurin gearbeitet. Beide Frauen stießen auf Friedrich von Waldthausen in Kentzlin mit seiner Idee. Der brauchte Leute, die etwas von der Käseproduktion verstehen, weil er eher mit Zahlen umgehen kann.  Also gründeten sie eine GmbH mit vier Gesellschaftern. Auf circa 161700  Euro belaufen sich die Gesamtkosten.

Ab 500 bis 2000 Liter Milch kann die Mobile Käserei verarbeiten. Bei den Förderern hat das Konzept überzeugt. „Es ist der Wunsch vieler kleiner milcherzeugender Betriebe, die eigene Milch zu Käse zu verarbeiten“, begründete Olaf Pommeranz, Leader-Regionalmanager Güstrower Landkreis. Viele aber würden sich vor hohen Investitionen scheuen, geeignete Räume bei sich einzurichten und eine Käserei am Hof zu betreiben. Hinzu kämen die strengen Regeln an Hygiene, Baustandard und Fachwissen. „An diesem Punkt setzt die Mobile Käserei an“, so Pommeranz. Statt an vielen Orten viele kleine Hofkäsereien entstehen zu lassen und auf jedem Hof mindestens eine Fachkraft auszubilden, werde mit der Mobilen Käserei eine Struktur ähnlich den bereits erfolgreichen mobilen Mostereien geschaffen. In Mecklenburg Vorpommern ist dies die erste mobile Käserei. In anderen Bundesländern gebe es schon Erfahrungen.

Für Bauern eine weitere Marktnische

Wenn sie vor Ort sind, sei nach vier Stunden die erste Stufe des Käses fertig, erklärte Anja Hansen. Dann nehmen sie die Laibe mit nach Alt Kentzlin und lassen sie hier vier Wochen oder bis zu einem halben Jahr reifen. Dafür wird eigens noch eine alte Werkstatt umgebaut. Produziert werden soll Schnittkäse mit verschiedenen Kräutern, Hartkäse, Camembert und wie früher Tollenser sowie Tiefländer, nach Mecklenburger Art. Angesichts der niedrigen Milchpreise eröffne sich für die Bauern eine weitere Marktnische. Sie können aus eigener Milch hochwertig hergestellte regionale Lebensmittel in eigenen Hofläden verkaufen oder über regionale Vertriebsstrukturen wie die Meck-Schweizer in den Handel bringen.

Henriette Gaede streckt derzeit die Fühler aus und führt Gespräche mit Landwirten. Im Umkreis von 100 Kilometern wollen sie mit der Käserei unterwegs sein. Erste Anfragen gebe es bereits. Der Vorsitzende der LAG Güstrower Landkreis und Bauernverbandsvorsitzender Güstrow, Matthias Hantel, hat am Freitag schon mal angekündigt, dass er in seinem Betrieb in Alt Sührkow die Mobile Käserei anrollen lassen will.

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