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Marodes Nachbarhaus

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Teterower sehen sich durch Einsturzgefahr bedroht

Seit dem Teilabriss des maroden Nachbarhauses bangt das Ehepaar Thiede mehr denn je, dass die gemeinsame Giebelwand einstürzt.
Seit dem Teilabriss des maroden Nachbarhauses bangt das Ehepaar Thiede mehr denn je, dass die gemeinsame Giebelwand einstürzt.
Eckhard Kruse

Zwei Teterower schauen jeden Tag mit bangen Blicken auf ihre gerissene Giebelwand. Der Eigentümer des teilweise abgetragenen Nachbarhauses ist nicht greifbar. Der Landkreis Rostock kann nicht helfen.

Sabine und Helmut Thiede fühlen sich nicht mehr sicher in ihrem Haus in der Alten Poststraße 4. Nicht wegen Einbrechern etwa, die durch Teterow streichen. Stattdessen fürchten sie um die Standfestigkeit ihres Hauses. Das hat das Ehepaar schon 1982 erworben und Stück für Stück saniert. Doch seit das marode Nachbarhaus mit der Hausnummer 2 im Frühjahr teilweise abgerissen worden ist, können die beiden nicht mehr sagen, wie lange die rechte Giebelwand ihres Hauses noch steht.

Die beiden Teterower lauschen beinahe jede Nacht, ob auf dem Nachbargrundstück ungewohnte Geräusche wie kurz vor Ostern zu hören sind. Da begann das Übel. „Da ist ein Balken aus dem zweiten Obergeschoss des Nachbarhauses heruntergekommen“, sagte Sabine Thiede. Wahrscheinlich habe er die Last des nassen Schnees nicht ausgehalten.

Wand gehört dem Nachbarn

Der Balken krachte gegen die gemeinsame Giebelwand. Die Wand zeigt seitdem Risse. Thiedes Bodentreppe verschob sich. Und für einige Tage soll es vom Statiker des Landkreises geheißen haben, dass die Statik des Hauses nicht mehr stimme und sie ausziehen müssten.

Das wurde nach einigen Tagen wieder zurückgenommen. Dem Ehepaar ist trotzdem nicht wohl bei dem Gedanken an die Giebelwand. „Wir können froh sein, dass wir in diesem Jahr keinen nassen Sommer hatten“, sagte Helmut Thiede. Seitdem suchte das Ehepaar beim Landkreis Rostock, bei der Stadt Teterow, bei einer Rechtsanwältin Hilfe. Denn der Eigentümer des Nachbarhauses geht nicht mehr ans Telefon. Dabei wäre er laut Landkreis verpflichtet, meint das Ehepaar, die Wand wieder herzurichten. Denn es sei die Wand des Nachbarn.

Keine Reaktion auf Anwaltspost

Der Landkreis Rostock wolle die beiden Wände mit Balken abstützen lassen. Von dort hätten die Thiedes erfahren, dass die Herrichtung der Wand nicht zum kreislich angeordneten Zwangsabriss gehört und sie erst einmal so stehen bleibt. Bürgermeister Andreas Lange (parteilos) konnte trotz Telefonkonferenz mit dem Kreis nicht wirklich weiterhelfen. Und auf die Schreiben der Anwältin reagierte der Nachbar gar nicht, klagt das Ehepaar.

„Ich habe keine Lust, die Wand auf meine eigenen Kosten zu bauen“, betonte Helmut Thiede. Das koste deutlich mehr als 20.000 Euro. Ärgerlich ist er auch auf die Stadt. Denn sie habe auch eine Schuld an der Misere, weil sie sich den Verfall dieses und auch anderer Häuser in der Stadt über Jahre tatenlos angeschaut habe.

Landkreis nur für Gefahrenabwehr zuständig

Der Landkreis Rostock kann in dieser verfahrenen Situation nicht helfen. „Wir sind nur für die Gefahrenabwehr und die Sicherung zuständig“, teilte Kay-Uwe Neumann vom Landkreis mit. Die Wand wird gerade gedämmt und verkleidet. Sie solle auch abgestützt werden. Ein Neubau der Wand sei tatsächlich nicht Bestandteil der Sicherung. Da müssten die Anwohner wohl zivilrechtlich gegen ihren Nachbarn vorgehen.