Heiko Balschuweit und Mandy Zander sammeln jetzt Unterschriften für den Erhalt der Filmbühne und ihrer Arbeitspl&aum
Heiko Balschuweit und Mandy Zander sammeln jetzt Unterschriften für den Erhalt der Filmbühne und ihrer Arbeitsplätze. privat
Unterschriftenaktion

Kino-Team rebelliert gegen Pläne des neuen Hausbesitzers

Malchins Kino-Welt ist aus den Fugen geraten, seitdem der neue Eigentümer des Filmbühnen-Gebäudes seine Visionen vorgestellt hat. Der Betreiber des Kinos und seine Angestellten kommen darin nicht mehr vor. Das Kino-Team bittet jetzt auch die Stadtvertreter um Unterstützung.
Malchin

Der Schaukasten ist leer, die Tür fest verschlossen. Der neuerliche Lockdown hat auch in Malchins Filmbühne die Lichter ausgehen lassen – zum zweiten Mal in diesem Jahr. Doch wann und ob überhaupt die Leinwand wieder bespielt wird, das diktiert jetzt nicht mehr allein das Coronavirus. Der neue Eigentümer des Hauses, Thomas Braasch, hatte gegenüber dem Nordkurier angekündigt, sich vom Kinobetreiber und dessen Mannschaft trennen zu wollen. Die Filmbühne sei ziemlich „abgerockt“ und der Betreiber kümmere sich nicht so richtig, schätzte Braasch ein.

Stadtvertreter als Vermittler

Das sehen die Kinoleute natürlich ganz anders. Betreiber, die Angestellten und Unterstützer der Filmbühne haben jetzt in Schreiben an Bürgermeister Axel Müller (CDU), Bürgervorsteherin Kerstin Mahnke (Die Linke) und die Stadtvertreter um Unterstützung für das Kino gebeten. Eine Einigung mit dem neuen Eigentümer sei aussichtslos, heißt es darin. Die Stadtvertreter werden gebeten, als Schlichter und Vermittler aufzutreten.

Begegnungsstätte für die Region

Das Malchiner Kino habe sich in den vergangenen Jahren immerhin gegen eine übermächtige Konkurrenz der großen Kinobetreiber in Städten wie Waren, Neubrandenburg, Rostock oder Güstrow behaupten können, während andere kleinere Filmbühnen wie in Teterow und Stavenhagen ihren Betrieb haben dauerhaft einstellen müssen, schreiben die Kinoleute. Das Team um Filmvorführer Heiko Balschuweit zeige in Malchin nicht nur neueste Blockbuster, sondern organisiere mit Akteuren aus der Region auch verschiedene Veranstaltungen, die das Kino zu einer Begegnungsstätte für die Menschen aus der gesamten Region mache.

„Das Kino muss nicht neu erfunden werden“

Das Kino-Team erinnert zum Beispiel an die Weihnachts-Vorführungen, bei denen für die ganze Familie kostenlos Filme gezeigt und dazu Geschenke verteilt wurden. Malchiner Schulen und Kitas würden das Kino für ein bis zwei Vorstellungen im Monat nutzen. Bei der „Schulkinowoche“ sei vor einem Jahr sogar ein Besucherrekord aufgestellt worden. Die Wohnungsgenossenschaft lade die Malchiner Senioren monatlich ins Kino ein.

„Es ist eine Unterstellung, dass das Kino in seiner jetzigen Form nicht tragfähig ist und neue Konzepte gefragt sind. Das Kino muss nicht neu erfunden werden“, stellen Betreiber und Angestellte klar.

Unterstützung von den Linken

Unterstützung erhält die Filmbühne mittlerweile vom Seenplatten-Kreisverband der Linken. Kreisvorsitzender Tobias Hecht schlägt vor, das Kino als kommunalen Eigenbetrieb oder als geschütztes Kulturzentrum weiter zu führen. „Darüber hinaus fordern wir alle Beteiligten der Stadt Malchin auf, die verschiedenen Ideen für ein geschütztes soziokulturelles Zentrum zu prüfen und zu fördern“, teilten Hecht und seine Stellvertreterin Amina Kanew mit. „Es gibt nach vielen Jahren kommunalen Sparens kaum noch Angebote der sozialen Teilhabe – kaum Jugendclubs, kaum Begegnungsstätten, kaum generationsübergreifende Weiterbildungsmöglichkeiten“, gibt Tobias Hecht zu bedenken. Aus diesem Grund dürfe das Kino Malchin weder geschlossen noch die Angestellten entlassen werden, ergänzt Amina Kanew.

Mittlerweile ist auch eine Unterschriftensammlung zum Erhalt des Kinos im jetzigen Format angelaufen.

Mietvertrag bis Ende 2022

Wie die Stadtvertreter auf den Hilferuf reagieren, ist noch unklar. Dazu habe es noch keine Abstimmung gegeben, sagte Bürgervorsteherin Kerstin Mahnke am Mittwoch. Sie kündigte allerdings eine Reaktion ihrer Fraktion, der Linken, an. Wie die aussieht, wollte sie allerdings noch nicht verraten.

Kino-Betreiber Peter Markiewitz hat für die Filmbühne noch einen bis Ende 2022 laufenden Mietvertrag. Thomas Braasch will ihn aber dazu bewegen, das Kino bereits zum Ende dieses Jahres abzugeben, Anwälte sollen hier nun eine Einigung herbeiführen.

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