Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guzu will die 19-Grad-Regel im Rathaus nicht umsetzen. Das sei einfach zu kalt, findet er.
Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guzu will die 19-Grad-Regel im Rathaus nicht umsetzen. Das sei einfach zu kalt, findet er. NK-Bildmontage mit Fotos: Eckhard Kruse (NK-Archiv) und © Jiri Hera - stock.adobe.com
Zu kalt

Kleine Stadt in Mecklenburg will 19-Grad-Vorgabe boykottieren

Der Bürgermeister von Stavenhagen hält die Vorgabe, öffentliche Gebäude nur noch auf 19 Grad zu heizen, für abwegig. Er will sich der bundesweiten Regelung widersetzen.
Stavenhagen

Die neuerdings bundesweit in öffentlichen Gebäuden zum Energiesparen vorgeschriebene Höchsttemperatur von 19 Grad in Büroräumen will Stavenhagens Bürgermeister Stefan Guzu nicht umsetzen. „Das werde ich nicht tun. Sitzen Sie mal acht Stunden bei dieser Temperatur am Computer“, sagte der Lokalpolitiker vorige Woche vor den Stadtvertretern zu seinen Boykott-Plänen. Die Stadtvertreter unterstützen ihn mit einer Resolution.

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Wie soll die Kommune der Krise trotzen?

Die „großen Bringer“ seien es ja ohnehin nicht, mit denen Stavenhagen der Energiekrise trotzen könnte, meinte der Fraktions-Chef der Linken, Peter Ritter. Sein Kollege von der CDU, Oliver Wickel, sieht das gerade bei den immer weiter steigenden Energiepreisen ganz ähnlich: „Wir haben keinen Hebel, wo wir ansetzen können. Wir können nichts verändern. Das macht die große Politik.“

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„Lasten gerecht verteilen”

Um nicht ganz so machtlos dazustehen, einigten sich Stavenhagens Stadtvertreter einstimmig darauf, der Politik in Land und Bund Druck zu machen – und zwar mit einer Resolution unter dem Titel „Lasten der Energiekrise gerecht verteilen!“, die die Fraktion Die Linke vorgelegt hatte. Mit großer Sorge nehme man die Auswirkungen der Energiekrise auf die Einwohner der Reuterstadt zur Kenntnis, heißt es darin. Nicht alle Maßnahmen von Bundes- und Landespolitik würden zu einer gerechten Verteilung der Lasten der Krise beitragen. „Aufforderungen an Kommunen zur Errichtung von ,Wärmehallen‘ oder Hinweise zum Duschen oder Lüften befördern eher den Unmut unter der Bevölkerung, als dass sie zur Problemlösung beitragen.“

Preisdeckelung gewünscht

Was sollte die große Politik nach Ansicht von Stavenhagens Volksvertretern nun aber tun? Zum Beispiel einen sogenannten „Energiepreisdeckel“ einführen, den würde man begrüßen, steht in der Resolution. Und weiter: „Ebenso teilen wir die Forderung nach einer zügigen Wohngeldreform, um Belastungen für Mieterinnen und Mieter abzufedern.“ Die Gasumlage lehnen die Stadtvertreter in ihrem Beschluss dagegen ab. Dafür sollte aber zügig eine zeitweilige Übergewinnsteuer eingeführt werden.

Wärmeversorgung bietet Ratenzahlung an

Außerdem griffen die Abgeordneten eine Forderung des Geschäftsführers der Stavenhagener Wärmeversorgungsgesellschaft Steffen Oriwol auf und verlangen einen Schutzschirm für Stadtwerke und Wärmeversorgungsunternehmen.

Oriwol hatte den Stadtvertretern zuvor erläutert, wie durch die höheren Gaspreise nun auch in Stavenhagen die Fernwärme wie angekündigt teurer wird. Wer die Heizkosten nicht mehr bezahlen kann, der könne sich an das Unternehmen wenden, um dann über Stundungen und Ratenzahlungen nachzudenken, bot Oriwol an. Verzichten könne die Wärmeversorgung auf das Geld allerdings nicht, stellte er klar. Immerhin hat zumindest die Stavenhagener Wohnungsgesellschaft trotz erneut erhöhter Vorauszahlungen bisher noch „keine großen Beschwerden“ bekommen, wie eine Mitarbeiterin in der Stadtvertretersitzung berichtete.

Weitere Kommunen sollen mitmachen

Die Stavenhagener Krisen-Resolution soll nun an die Landes- und Bundespolitik übermittelt werden. Außerdem will Stadtpräsident Klaus Salewski seine Amtskollegen in den umliegenden Städten um ähnliche Initiativen bitten.

Eine frühere Version dieses Artikels wurde ursprünglich am 3. September veröffentlicht.

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