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Klinik übernimmt Arztpraxen in Stavenhagen

Die Gynäkologin Elena Scholz (r.) ist beim Krankenhaus Demmin angestellt. Meistens arbeitet sie jetzt aber in der ehemaligen Praxis von Dr. Irmtraut Schneider. Schwester Anita Spradau hat einen neuen Arbeitgeber.
Die Gynäkologin Elena Scholz (r.) ist beim Krankenhaus Demmin angestellt. Meistens arbeitet sie jetzt aber in der ehemaligen Praxis von Dr. Irmtraut Schneider. Schwester Anita Spradau hat einen neuen Arbeitgeber.
Eckhard Kruse

Eine Ärztin des Krankenhauses Demmin behandelt jetzt auch Patientinnen in einer Stavenhagener Arztpraxis. Möglich wird das durch ein Engagement des Krankenhauses. Dadurch konnte die fast sichere Schließung einer Praxis verhindert werden.

Für Elena Scholz ist es ein völlig neuer Job. Von Hause aus ist sie Fachärztin für Gynäkologie und eigentlich gewohnt, im Krankenhaus Demmin zu arbeiten. Sie operiert oder hilft mit Kaiserschnitten Kindern auf die Welt. Doch seit ein paar Monaten ist das anders. Tagtäglich fährt Elena Scholz in die Praxis der Frauenärztin Dr. Irmtraut Schneider nach Stavenhagen. In die ehemalige Praxis muss man sagen. Denn Frau Schneider zahlt hier seit Oktober keine Miete mehr. Das macht jetzt das Medizinische Versorgungszentrum Demmin (MVZ).

Krankenhausgeschäftsführer Kai Firneisen erläutert, wie es dazu kam. Die frauenärztliche Praxis stand vor dem Aus. Die Medizinerin war lange krank. Weil das Krankenhaus schon in Demmin ein Medizinisches Versorgungszentrum mit zwei Arztpraxen betrieb, wagte es auch den Schritt nach Stavenhagen. „Wir wollen uns für die Region einsetzen“, sagt Firneisen. Das Krankenhaus wolle helfen, Praxen zu erhalten, wenn sie von der Schließung bedroht sind. Nahversorgung ist da wohl das passende Wort. Der Geschäftsführer räumt aber auch ein, dass es wichtig für den Bestand des Krankenhauses in Demmin ist. Denn wenn es in der Fläche keine Ärzte mehr gäbe, kämen auch weniger Patienten in die Kliniken.

Praxis-Schwestern behalten ihre Stellen

„Ich finde das optimal für jeden Arzt“, betont Elena Scholz mit Blick auf ihre „Doppelstelle“. „Ich bin froh, dass ich beides machen kann.“ Ihr Arbeitgeber ist weiterhin das Krankenhaus Demmin. Dort ist sie auch immer noch an Wochenenden im Einsatz. Doch hauptsächlich ist die Gynäkologin für die Stavenhagener Praxis in der Geschwister-Scholl-Straße 2 zuständig. Somit ist sie in der glücklichen Lage, zwei Facetten der Arzt-Arbeit zu erleben.

Mit der Übernahme haben auch die Schwestern der Frauenarztpraxis, Anita Spradau und Carmen Siegmund, ihre Stellen behalten können. Sie sind jetzt beim MVZ angestellt. „Die Patienten sind froh, dass die Praxis geblieben ist“, sagt Anita Spradau. „Ich bin auch froh, dass ich noch einen Job habe.“

Die Praxis in Stavenhagen ist bisher die einzige Außenstelle des MVZ außerhalb von Demmin. In der Hansestadt und in Stavenhagen ist geplant, zum 1. April jeweils eine Hausarztpraxis zu übernehmen, schaut Kai Firneisen voraus. „Natürlich vorbehaltlich der Genehmigung durch die Kassenärztliche Vereinigung in Schwerin“, sagt er. In Neukalen seien schon viele Gespräche geführt worden. Hier sei aber noch nichts spruchreif. Er hofft, zum Juli eine Basisversorgung anbieten zu können. Ziel sei, im Jahr 2016 ein bis zwei Mediziner fest für die Ärzteversorgung Neukalens anzustellen.

Keine riesigen Investitionen für Ärzte

Doch was bringt das für die angestellten Ärzte? Anders als niedergelassene Mediziner müssen sie sich nicht um Miete, Arbeitsverträge, Labor, Computer oder Buchhaltung kümmern. Sie sind bei der MVZ angestellt und müssen keine riesigen Investitionen stemmen.

Ziel des MVZ sei es nicht, möglichst viele Praxen zu übernehmen, so Firneisen. Man wolle immer sehen, wie der Bedarf ist. Wenn eine Unterversorgung drohe, müsse man mit der Kassenärztlichen Vereinigung sehen, ob man eine Praxis übernimmt.

Dirk Woidich, Kreisstellenleiter der Kassenärztlichen Vereinigung Malchin, sieht im MVZ keine Konkurrenz für die niedergelassenen Ärzte. „Die MVZ sind ja ambulante Einrichtungen“, sagt er. Die Zentren müssten sich auch an dieselben Spielregeln halten. Meist gehe es um Praxen, bei denen Ärzte in den Ruhestand gehen, erkranken oder große Investitionen scheuen.