GIFTIGE FASERN

Krebsfälle bei Berufsfeuerwehr beunruhigen Ehrenamtler

Nachdem gehäufte Krankheitsfälle bei der Neubrandenburger Berufsfeuerwehr bekannt wurden, wächst auch bei freiwilligen Kameraden die Sorge über Gesundheitsgefahren. Wird zu ihrem Schutz zu wenig getan?
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Eberhard Rogmann Eberhard Rogmann
Eckhard Kruse Eckhard Kruse
Wie hoch sind die Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe bei Löscharbeiten wie an dieser Strohpresse? Diese Frage wird nun
Wie hoch sind die Gesundheitsgefahren durch Schadstoffe bei Löscharbeiten wie an dieser Strohpresse? Diese Frage wird nun auch bei den Freiwilligen Feuerwehren diskutiert, nachdem bei der Neubrandenburger Berufsfeuerwehr zahlreiche Krebserkrankungen bekannt wurden. (Archiv-Bild) Torsten Bengelsdorf
Malchin.

Sie sind unsichtbar und häufig extrem schädlich: Bei vielen Bränden, ob in Häusern, auf Mülldeponien oder auch bei Fahrzeugen, werden oftmals giftige Fasern freigesetzt, die möglicherweise noch viel gefährlicher sind als bisher angenommen. Sie können Krebs auslösen. Gerade hat die Kreisstadt Neubrandenburg erschütternde Zahlen vorgelegt. In der Berufsfeuerwehr der Viertorestadt erkrankt demnach fast jedes Jahr ein Mitglied an Krebs. Neun Feuerwehrleute sind seit 2003 daran gestorben. Wie eng ist der Zusammenhang zwischen der Brandbekämpfung und den Krebsfällen?

Das wird nun auch in manch Freiwilliger Feuerwehr der Region diskutiert. Natürlich sind die freiwilligen Kameraden weniger im Einsatz als ihre Kollegen bei der Berufsfeuerwehr, macht Malchins Amtswehrführer Dirk Giese deutlich. Das Problem mit kontaminierter Bekleidung trete aber bei allen Wehren auf. „Nach einem Einsatz wird die Kleidung bei uns sofort gewechselt und kommt dann in die Reinigung“, berichtet Giese. Und da beginnen die Probleme: Ersatzkleidung sei dann nicht gleich für jeden Kameraden vorhanden. Wie denn auch, wenn eine Einsatzschutzkleidung mittlerweile beinahe 1500 Euro kostet – und da sei der Helm noch nicht einmal mit dabei. „Die Kosten sind hier dermaßen explodiert. In den 1990ern lagen wir noch bei gut 200 D-Mark für eine Einsatzkleidung“, rechnet Giese vor.

„Staatliche Fürsorge ist völlig unzureichend“

Seit dieser Zeit sind die Kameraden aber auch immer häufiger mit gefährlichen Fasern konfrontiert. Egal, was da gerade in Flammen steht, meistens brennen dann auch Kunststoffe, die giftige Stoffe freisetzen. Giese führt aber noch einen Punkt ins Feld: Wenn ein Kamerad erkrankt ist, dann benötige er auch von offizieller Seite viel mehr Unterstützung. Auch daran scheint es noch immer zu mangeln.

„Es wurde höchste Zeit, dass dieses Problem öffentlich thematisiert wird“, findet Teterows scheidender Wehrführer Eckhard Kutnick. Die staatliche Fürsorge für die Kameraden sei völlig unzureichend. „Dass Einsätze mit Gefahren verbunden sind, weiß jeder von uns. Aber das ist ein Gemeinplatz. In einer konkreten Einsatzsituation wissen wir meist gar nicht, welchen Schadstoffen wir ausgesetzt sind“, schildert er den Alltag. Eigentlich müsste jeder nach solchen Einsätzen durch eine Schleuse, sich duschen und völlig neu ankleiden. Doch das sei Theorie. Schutzvorkehrungen bleiben hinter den Erfordernissen zurück.

Gemeindewehren haben in der Regel keine Ersatzkleidung

Wenn es heißt, man solle beim Ablegen der Atemschutzmaske mit dem Rücken zum Wind stehen und damit der Gefahr vorbeugen, schädliche Substanzen einzuatmen, sei das zwar logisch. Doch erinnere das an die seinerzeit propagierte Verhaltensregel, sich bei einem Atomschlag in einen Graben zu legen, das Gesicht nach unten. „In keiner Weise der wirklichen Gefährdung angemessen“, konstatiert Kutnick und ergänzt: „Unser Staat verschenkt Waffen im Wert von Millionen, doch bei der Vor- und Nachsorge für die Feuerwehren knausert er.“

Bei der Stavenhagener Feuerwehr hat jeder Kamerad, der an vorderster Front die Flammen bekämpft, Wechselsachen, schildert der stellvertretende Wehrführer Birger Nagel. Seit dem vergangenen Jahr gebe es neue Schutzbekleidung. „Die kommt nach einem Einsatz sofort zur Reinigung“, sagt er. Dann hätten die Kameraden noch die alte Kleidung. Bei drei Einsätzen hintereinander werde es dann aber schwierig. Solche Wechselsachen gebe es in den Gemeindefeuerwehren in der Regel nicht, ergänzt Amtswehrführer Gerrit Lange. Dort werde kontaminierte Kleidung über Wochen und Monate immer wieder genutzt, bis sie einmal gereinigt werden könne.

 

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