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Lärmschutz ja - aber ohne Tempo 30

12 423 Fahrzeuge rollen im Tagesverlauf auf den Bundesstraßen 104/108 durch Teterow. Der Lärm erreicht in Spitzenzeiten mehr als 75 Dezibel.
12 423 Fahrzeuge rollen im Tagesverlauf auf den Bundesstraßen 104/108 durch Teterow. Der Lärm erreicht in Spitzenzeiten mehr als 75 Dezibel.
Eberhard Rogmann

Nächtlicher Lärm nervt jeden sechsten Teterower. Jetzt liegt eine Expertise vor mit Lösungsvarianten, wie die schädliche Emission zu reduzieren wäre. Doch wirklich ruhiger wird es auf den Straßen kurzfristig eher nicht.

Malchin hat es, Stavenhagen und sogar Remplin – das Verbot für Lastautos, nachts schneller als mit 30 km/h durch den Ort zu fahren. Teterower kämpfen seit Jahren vergeblich für eine Reduzierung des Lärms, der vom Durchgangsverkehr ausgeht. Behördlicherseits wurde immer auf einen Lärmaktionsplan verwiesen. Erst auf dessen Grundlage könnten Maßnahmen zur Lärmbegrenzung eingeleitet werden. Jetzt liegt das 40-Seiten-Dokument auf dem Tisch. Was Experten darin feststellen, ist ernüchternd: Tempo 30 für Lkw bringt eigentlich keinen spürbaren Effekt.

Das bedeutet aber nicht, dass sich die Anlieger an den Bundestraßen 104 und 108 – diese allein wurden in der Expertise untersucht – mit dem hohen Geräuschpegel von über 60 in Spitzen mehr als 75 Dezibel abfinden müssen. Immerhin sieben Szenarien wurden modelliert und durchgerechnet. Das Fazit läuft darauf hinaus, dass in einer Kombination verschiedener Maßnahmen der Lärm um etwa fünf Dezibel gedämpft werden könnte.

Sehr hilfreich ist Spezial-Asphalt

Den größten Einzeleffekt bringt demnach die Verwendung neu entwickelter, schallmindernder Asphaltdecken. Dämpfungen von drei bis sechs Dezibel wären damit erreichbar. Diese hätten ferner den Vorteil, dass die Wirkung sowohl tags als auch nachts zu verzeichnen ist. Doch an eine bauliche Veränderung der Straßen ist in Teterow vorerst nicht zu denken, da die Erneuerung erst wenige Jahre zurückliegt. Die einzige Ausnahme wäre die v.-Moltke-Straße, wo im kommenden Jahr Straßenabarbeiten geplant sind.

Ampel-Pause in der Nacht

Durchgespielt werden auch Szenarien mit reduzierten Geschwindigkeiten. Generell Tempo 30 gilt nur als eine theoretische Option. In der Praxis wäre das nicht durchsetzbar. Diese Begrenzung nur nachts einzuführen, stößt ebenfalls an Grenzen. Denn die Einhaltung müsste über einen längeren Zeitraum überwacht und Verstöße konsequent sanktioniert werden. Was die Lärmdämpfung betrifft, hätte eine Verbesserung des Verkehrsflusses bei Tempo 50 den gleichen Effekt. Hier besteht nach Auffassung der meisten Betroffenen auch die Möglichkeit, kurzfristig Veränderungen vorzunehmen. Dazu liegt der Vorschlag auf dem Tisch, die vier Ampelanlagen in der Poggestraße (B 104/108) des Nachts sowie an den Wochenenden außer Betrieb zu setzen. Immer wieder verweisen Teterower auf das Beispiel der Ampel am Bahnhof in Malchin, wo das schon seit Jahren erfolgreich praktiziert wird.

Der Lärmaktionsplan wird voraussichtlich im Mai für sechs Wochen öffentlich ausgelegt. Zum Ende dieser Frist werde die Stadt zu einer Einwohnerversammlung einladen, kündigt Bürgermeister Reinhard Dettmann an. Er weist allerdings darauf hin, dass die Realisierung von Maßnahmen zu Lärmminderung nicht in die Kompetenz der Stadt fallen, da es sich um Bundesstraßen handelt.