DETAILS ZUR VERBREITUNG

Landkreis Seenplatte hält Corona-Zahlen weiter geheim

Im Landkreis Rostock werden nun doch Details zur Verbreitung des Coronavirus genannt. Von den Seenplatte-Städten der Mecklenburgischen Schweiz weiß dagegen nur eine Genaueres.
Quer durch die Mecklenburgische Schweiz verläuft mit der Grenze zwischen den Landkreisen Rostock und Seenplatte auch eine
Quer durch die Mecklenburgische Schweiz verläuft mit der Grenze zwischen den Landkreisen Rostock und Seenplatte auch eine Grenze in Sachen Transparenz zum Coronavirus. NK-Grafik
Dargun.

Es ist gerade einmal ein halbes Jahr her, da drohte das Landratsamt in Güstrow noch mit Bußgeld: Wer die nur für den „Dienstgebrauch“ gedachten Corona-Zahlen unters Volk bringt, konnte sich auf ein Donnerwetter aus dem Vorzimmer des Landrates gefasst machen. Die AfD-Kreistagsfraktion hatte im Frühjahr diese Erfahrung machen müssen. Wie sich die Corona-Infektionen auf das Kreis-Territorium verteilen, sollte das Geheimnis des kreislichen Krisenstabes bleiben. Eine Veröffentlichung, wo das Virus denn nun überall festgestellt wurde, lehnte der Landkreis Rostock strikt ab. Bei den geringen Fallzahlen könnte es sonst Rückschlüsse geben, wer denn da nun das Virus mit sich herumschleppt.

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Fast 500 Corona-Infektionen später hat der Landkreis Rostock jetzt eine Kehrtwende vollzogen. Seit dieser Woche veröffentlicht der Landkreis tagesaktuell, wie viele Infektionen jeweils in den letzten sieben Tagen aufgetreten sind. „Wir haben aus dem Geschehen gelernt“, sagt Kreissprecher Michael Fengler. „Wir können von den Bürgern nur eine Mitwirkung bei der Bekämpfung der Pandemie erwarten, wenn sie auch wissen, wie groß die Gefahr ist.“

Schneller Rückgang der Fallzahlen nach Bekanntgabe

Zu dieser Erkenntnis scheint die Kreisverwaltung vor allem gelangt zu sein, nachdem im Oktober im John-Brinckman-Gymnasium und bei einer Geburtstagsfeier in Güstrow die Infektionszahlen in die Höhe geschossen waren. Die Corona-Zügel wurden daraufhin in der Kreisstadt und im Umfeld kräftig angezogen. Als die Zahl der Infizierten bekannt wurde, sahen sich offenbar tatsächlich mehr Leute vor und beachteten die Vorschriften, sodass sich das Infektionsgeschehen in der Kreisstadt schnell wieder einfangen ließ.

Dennoch warnt der Kreissprecher davor, dass aus den Zahlen auch falsche Schlüsse gezogen werden könnten. Die Angaben seien jeweils eine Rückschau auf die vergangenen sieben Tage.

Dargun und Teterow gelten derzeit als „coronafrei”

Demnach sind in diesem Zeitraum im Amt Gnoien zwei Infektionen nachgewiesen worden, im Amt Mecklenburgische Schweiz trat ein Fall auf und in der Stadt Teterow gar keiner. Den höchsten Wert im Landkreis Rostock hat nach wie vor die Kreisstadt Güstrow mit 13 nachgewiesenen Infektionen in den vergangenen sieben Tagen.

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Bei den Nachbarn an der Seenplatte reicht die Corona-Transparenz soweit allerdings nicht. Zahlen für Ämter und Städte will die Kreisverwaltung in Neubrandenburg auch weiterhin nicht veröffentlichen, hieß es am Donnerstag aus dem Landratsamt auf eine Nordkurier-Nachfrage. Dennoch überraschte am Mittwochabend in Dargun Bürgermeister Sirko Wellnitz (WVD) im Hauptausschuss mit der Aussage, dass seine Stadt „coronafrei“ sei. „Wir sind in der glücklichen Lage, bisher glimpflich durch die Corona-Pandemie durchgekommen zu sein.“ Alle bisher infizierten Personen seien wieder genesen. Wellnitz appellierte allerdings an die Einwohner, sich weiterhin diszipliniert zu verhalten.

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Kommentare (2)

Klingt wie das Wahlergebnis oder 5 Jahresplanzahlen zu DDR-Zeiten...
Demokratie lebt von Transparenz und nicht von geheim gehaltenen Königswissen.
Haben da einige Herrschaften die Wende etwa verschlafen?
Ein Schelm wer Böses dabei denkt....

Eine vollig unverständliche Handlung, aber es ist sicher nur gut gemeint. (Ironie aus) "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern" Innenminister de Maizière 18.11.2015 [https://www.welt.de/politik/deutschland/article148969193/Ein-Teil-dieser-Antworten-wuerde-die-Bevoelkerung-verunsichern.html]