VERWALTUNGSCHEF IN ERKLÄRUNGSNOT

Landrat wehrt sich gegen Vorwurf der Vetternwirtschaft

Sebastian Constien soll im Planungsverband dafür gesorgt haben, dass sein Vater von der Ausweisung neuer Windkraftgebiete an der A 20 profitiert. Der CDU kommt die Erklärungsnot des Landrats ein halbes Jahr vor der Wahl nicht ganz ungelegen.
An der A 20 sollen neue Windräder aufgestellt werden. Der Landrat des Landkreises Rostock sieht sich hier mit dem Vorwurf
An der A 20 sollen neue Windräder aufgestellt werden. Der Landrat des Landkreises Rostock sieht sich hier mit dem Vorwurf der Vetternwirtschaft konfrontiert. Carsten Rehder
Sebastian Constien
Sebastian Constien Margit Wild
Bad Doberan.

Ganze 29 Seiten hatte Landrat Sebastian Constien (SPD) den Kreistagsmitgliedern am Mittwochabend auf den Tisch gelegt. Zumindest einer der Abgeordneten war trotz dieses Umfangs mit dem Verwaltungsbericht ganz und gar nicht zufrieden. Lars Schwarz, CDU-Kreistagsmitglied und Bürgermeister in Gnoien, trat ans Rednerpult des Kreishauses in Bad Doberan, um deutlich zu machen, dass er eines im Bericht des Landrates vermisst: klare Aussagen über Vorwürfe der Vetternwirtschaft, die seit einigen Tagen gegen den Verwaltungs-Chef des Landkreises Rostock erhoben werden.

Fraktion fordert Aufklärung

Was ist passiert? Der Regionale Planungsverband Rostock-Mitte hatte im Dezember unter Leitung von Sebastian Constien neue Windvorranggebiete beschlossen, darunter auch eines an der A 20 bei Jürgenshagen. Ausgerechnet dort, wo auch Constiens Vater Flächen gehören. Michael Constien könnte also von einem neuen Windkraft-Gebiet durchaus profitieren. Der Vorwurf lautet nun, dass der Landrat als Chef des Planungsverbandes die Sitzung geleitet hat, obwohl sein Vater Land in dem betroffenen Gebiet besitzt. Und Constien hat offenbar sogar mit abgestimmt. Zuerst hatte die Ostsee-Zeitung über den Vorgang berichtet.

Lars Schwarz formulierte am Mittwochabend den Vorwurf noch drastischer: Der Landrat habe seinem Vater Flächen für ein Windkraft-Gebiet zugeschanzt. „Wir fordern als Fraktion eine lückenlose und transparente Aufklärung”, sagte Schwarz. Immerhin sitze der Landrat im Planungsverband als Vertreter des Landkreises.

Planungsverband muss prüfen

Ihm sei gar nicht bekannt gewesen, dass sein Vater Grundeigentümer in dem Gebiet sei, antwortete Landrat Constien vor den Kreistagsmitgliedern. Als er damit konfrontiert wurde, habe er sich sofort an den Planungsverband mit der Bitte um Überprüfung des Vorgangs gewandt. Der Verband habe wiederum die Rechtsaufsicht mit einbezogen. Constien versicherte, dass das alles nicht mit Absicht geschehen sei. Er hoffe, dass es nun zu einer neuen Entscheidung komme. Tatsächlich muss der Planungsverband nun prüfen, ob die Abstimmung wiederholt wird.

Wahlkampf steht bevor

Für den Landrat kommen die Vorwürfe zur Unzeit. Er bereitet sich auf den Wahlkampf vor, im September stimmen die Wähler im Landkreis Rostock über den Landrat neu ab. Als Herausforderer tritt dann Constiens derzeitiger Stellvertreter Stephan Meyer (CDU) an. Wohl auch deshalb war es kein Zufall, dass die CDU am Mittwochabend den Landrat vor großem Publikum in Erklärungsnot bringen wollte.

Stephan Meyer hatte sich übrigens im Planungsverband für die Herausnahme der betreffenden Windpark-Eignungsfläche ausgesprochen, da es davon an der A 20 schon jede Menge gibt und eine Reihe von Bürgern Widerspruch angemeldet hatte.

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Kommentare (2)

Sofort zurücktreten, solche Politiker brauchen wir nicht.

... wird alles abgestritten. Es wird nur das Zugegeben, was nach und nach bekannt wird. Dann wächst der politische Druck und wech iss er.
Siehe AWO Affäre.