100 Männer, Frauen und Kinder und damit so viele Teilnehmer wie in der Vorwoche zählte der Protestspaziergang am Mon
100 Männer, Frauen und Kinder und damit so viele Teilnehmer wie in der Vorwoche zählte der Protestspaziergang am Montagabend in Teterow. Thomas Koch
Der Teterower SPD-Landtagsabgeordnete Nils Saemann sagt, die Politik sollte die Proteste sehr ernst nehmen und die Angemessenh
Der Teterower SPD-Landtagsabgeordnete Nils Saemann sagt, die Politik sollte die Proteste sehr ernst nehmen und die Angemessenheit von Anti-Corona-Maßnahmen immer wieder hinterfragen. Thomas Koch
Strikt gegen eine allgemeine Impfpflicht: Die FDP-Landtagsabgeordnete Sandy van Baal.
Strikt gegen eine allgemeine Impfpflicht: Die FDP-Landtagsabgeordnete Sandy van Baal. NK-Archiv
Der Neukalener CDU-Abgeordnete Marc Reinhardt vermisst bei den Protestspaziergängen alternative Lösungsvorschlä
Der Neukalener CDU-Abgeordnete Marc Reinhardt vermisst bei den Protestspaziergängen alternative Lösungsvorschläge. NK-Archiv
Montagsspaziergang

Landtagsabgeordnete zeigen Verständnis für Corona-Proteste

Gegen eine Impfpflicht und die Spaltung der Gesellschaft demonstrierten am Montag in Teterow wieder circa 100 Leute. Wie stehen Landtagsabgeordnete der Region zu den Protesten?
Teterow

Aus eigenem Erleben kennt er ihn noch nicht. Immer wenn sich in den vergangenen Wochen in seiner Heimatstadt Teterow der Demonstrationszug gegen eine Impfpflicht und gegen die Spaltung der Gesellschaft in Bewegung setzte, hatte der Landtagsabgeordnete Nils Saemann andere dienstliche Pflichten. Das war auch am Montagabend nicht anders.

Das heißt aber noch lange nicht, dass der SPD-Mann keine Meinung hat zu den allwöchentlichen Protestspaziergängen. Er halte es für absolut legitim, dass Menschen auf die Straße gehen, um ihre Meinung zu vertreten. Solange sie das friedlich tun und die Veranstaltung angemeldet ist, sei alles im grünen Bereich, meint der Teterower. Die Politik sollte die Proteste sehr ernst nehmen und immer wieder hinterfragen, ob die Mittel zur Pandemiebekämpfung angemessen sind.

Lob für umsichtiges Agieren der Polizei

Eine Lanze bricht Saemann für die Polizei. Die habe seiner Ansicht nach bei den Protestzügen in der Region bisher sehr umsichtig agiert und einen wesentlichen Anteil daran, dass die Spaziergänge durchweg friedlich verlaufen sind. Mit der immer wieder diskutierten allgemeinen Impfpflicht hat der Teterower aber ziemlich große Bauchschmerzen. „Das sollte meines Erachtens nur das allerletzte Mittel sein. Vielmehr sollte man mehr Kraft investieren, die Leute zu überzeugen, sich impfen zu lassen. Zwang ist nie ein gutes Mittel und würde für großen Unmut sorgen“, ist Saemann überzeugt.

Das sieht seine Landtagskollegin Sandy van Baal (FDP), zu deren Wahlkreis auch die Teterower Region gehört, nicht anders. „Ich bin absolut gegen eine Impfpflicht. Beinahe täglich ändern sich die Erkenntnisse zum Virus und zur Wirksamkeit der Impfstoffe. Was vor einem Jahr gesagt wurde, ist heute nicht mehr wahr. In so einer Situation eine allgemeine Impfpflicht durchzusetzen, halte ich für den falschen Weg“, meint die in Krakow am See wohnende Abgeordnete. Um sich selbst ein Bild von den Demonstrationen zu machen und mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, war sie beim Montagsprotest in Güstrow mit dabei.

Juristische Bedenken gegen allgemeine Impfpflicht

Eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen würde der Neukalener Landtagsabgeordnete Marc Reinhardt (CDU) durchaus begrüßen. Gerade für Berufsgruppen mit vielen Kontakten wie im medizinischen Bereich, in Schulen, Kindergärten oder im öffentlichen Dienst. Eine allgemeine Impfpflicht halte er aus juristischer Sicht hingegen für schwer durchsetzbar. Für die Demonstrationen hat auch der Neukalener Verständnis. „Das ist das gute Recht der Leute. Was mir dabei fehlt, ist aber das Aufzeigen von Alternativen“, sagt er. Nur gegen etwas zu sein und keine Lösungsvorschläge anzubieten, sei ihm zu wenig.

Lösungsvorschläge anzubieten, das sei, so meint Wolfgang Riedel, nicht vordergründig Aufgabe der Demonstrierenden, sondern der Politik. Riedel war am Montagabend einer von circa 100 Männern, Frauen und Kindern beim Corona-Protest in Teterow. „Das Anliegen der Menschen, die hier auf die Straße gehen, ist, darauf hinzuweisen, dass wir uns durch die Politik nicht mehr hinreichend vertreten und ernst genommen fühlen“, so Riedel. Der Teterower Protestspaziergang führte am Montag vom Marktplatz durch das Rostocker Tor zum Mühlenteich und zurück vor das Rathaus.

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