Ingo Barz in seinem Studio in Lühburg. Für sein letztes großes Album „Hoffnungsvoll daneben“ griff
Ingo Barz in seinem Studio in Lühburg. Für sein letztes großes Album „Hoffnungsvoll daneben“ griff er neben einer Vielzahl verschiedener Gitarren unter anderem auch zu Harfenzither, E-Orgel und Akkordeon. Christian menzel
Eine kleine Auswahl seiner Instrumente.
Eine kleine Auswahl seiner Instrumente. Christian menzel
Neues Album

Liedermacher Ingo Barz nutzt verfluchte Corona-Zeit für Geburtstagsgeschenk

Wie viele Künstler konnte Ingo Barz durch Corona kaum Konzerte geben. Doch der Liedermacher aus Lühburg nutzte die Zeit, um sich zum 70. Geburtstag ein Album zu schenken.
Lühburg

Für Ingo Barz, den Liedermacher und Sänger vom Schnitterhof in Lühburg, brachte Corona Fluch und Segen zugleich. Segen, weil ihm die Pandemie zwar so manchen Auftritt vermasselte, ihm dadurch aber Zeit für Arbeit am Schreibtisch und im Tonstudio schenkte. Sein, wie er sagt, letztes großes Album sollte Bilanz seines Lebenswerks und Geburtstagsgeschenk zum eigenen 70. werden.

Geschenk zum 70. Geburtstag

Der Plan gelang: Herausgekommen ist die CD „Hoffnungsvoll daneben“ mit 17 kraftvoll vorgetragenen Titeln voller Poesie und erworbener Lebensweisheit. In der Tat das ideale Geschenk zum 70.  Geburtstag am 18.  Mai dieses Jahres.

Die musikalische Begleitung besorgte der Sänger selbst, griff dabei zu einer Vielzahl von Gitarren – darunter eine zwölfsaitige Akustikgitarre –, zu Harfenzither, Mandoline, E-Orgel, Akkordeon, Trommeln und Percussion. Neben viel Lob von Fachkollegen brachte ihm das Album eine Nominierung für den Preis der deutschen Schallplattenkritik 2021 ein. Selbst wenn die Jury die Ehrung letztlich einem anderen zusprach, kam es für Barz einem Ritterschlag gleich, sich auf einer Liste mit Größen wie Konstantin Wecker, Anette Gebauer oder den Folkländern zu wissen.

CD-Premiere und Nominierungsfete geplatzt

Doch der Corona-Fluch folgte auf den Fuß. Die Pandemie vermasselte dem Künstler nicht nur die zum Geburtstag geplante CD-Premiere und die für den Herbst vorgesehene Nominierungsfete, sondern cancelte auch die zum Album geplante Tournee. Veranstalter sagten bereits vereinbarte Termine ab oder hielten sich mit Zusagen zurück. Für einen Sänger, der sich selbst vermarktet und den größten Absatz nach einem Konzert erzielt, fürwahr ein Dilemma.

Barz will aber nicht klagen. „So habe ich Zeit, das Programm für die Liveauftritte zu erarbeiten. Die Lieder sitzen. Nun geht es darum, die verbindenden Texte zu schreiben und zwischen die Titel zu stellen“, erläutert er. Drei, vielleicht vier Jahre will er danach mit dem neuen Programm auf Tour gehen.

„Hoffnungsvoll daneben“ ist das 16. Album des Liedermachers, der sein Schaffen in zwei große Abschnitte einteilt. Bis zur Wende blieben ihm Veranstaltungsorte wie Kulturhäuser oder Bibliotheken verwehrt. Was er zu sagen hatte, erfuhr sein Publikum in Kirchen und Gemeinderäumen. „Und immer im Hintergrund dabei zwei, drei Leute von der Stasi“, erinnert er sich. Seine Lieder verbreiteten sich durch von Hand zu Hand gegebene Kassetten, seine Texte machten auf Blaupausen die Runde. Schallplatten blieben für ihn tabu.

Dammbruch nach der Wende

Nach der Wende offenbarte sich einem Dammbruch gleich die ganze Produktivität des Künstlers. Album auf Album entstand, Veranstaltungsorte öffneten sich für ihn und seine Lieder. Zu den stärksten Titeln gehörte die 2003 mit Karl Scharnweber und Johannes Pistor aufgenommene CD „Wo ist ein Platz zu bleiben“. Darin interpretiert das Trio Lieder zu zwölf Kunstwerken Ernst Barlachs. Ein Bekenntnis zu Europa ist Barz’ 2003 erschienene CD „Das macht, dass wir uns finden“, eine Liebeserklärung an seine Heimat das 2007 aufgelegte Album „Das wollt ich Dir noch singen“, eine Liederreise durch Mecklenburg.

Für „Hoffnungsvoll daneben“ hat Ingo Barz einen Rahmen konstruiert. „Wovon wird er uns singen“, fragt die Königin den Troubadour und auch der Hofnarr und die Minister sind gespannt. Barz singt über die Liebe („Kleines Credo“, „Meine Braut“, „Kleines blaues Lied“), über arme Karrieristen („Etwas fehlt“) und über Trennung und Tod („Blues vom Fortgehen“, „Jemand geht voran“, „Geh stiller Engel“). Zu den schönsten Liedern gehört „Kleines Angebot“, ein Plädoyer für Achtsamkeit und Toleranz. „Öffnen wir unsere Seelen, haben wir den Mut, machen uns den Himmel weit und tun einander gut“, heißt es im Refrain.

Am Ende zeigen sich Königin und Minister enttäuscht. Sie hatten mehr Unterhaltung erwartet. Nur der Hofnarr signalisiert leise Verstehen.

Die CD „Hoffnungsvoll daneben“ kann bezogen werden von Ingo Barz, Schnitterhof, Lühburg 25, 17179 Walkendorf oder telefonisch unter 039972/50173.

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