NEUE PRIORITÄTEN

Malchin nimmt sich die nächsten Denkmäler vor

So peinlich die Sozialismus-Debatte um die VVN-Gedenkstätte auch war, ist Malchin mit seinen Denkmälern in den vergangenen Jahren ein ganzes Stück voran gekommen. Zeit also, sich neue Ziele zu setzen.
Auch das im 15. Jahrhundert erbaute Steintor steht mit auf der Prioritätenliste des Malchiner Denkmalkonzeptes, es k&ouml
Auch das im 15. Jahrhundert erbaute Steintor steht mit auf der Prioritätenliste des Malchiner Denkmalkonzeptes, es könnte jetzt aber weiter nach vorn rücken, genauso wie die Wallanlagen. Torsten Bengelsdorf
Die Wallanlage in Malchin steht ebenfalls unter Denkmalschutz.
Die Wallanlage in Malchin steht ebenfalls unter Denkmalschutz. Torsten Bengelsdorf
Malchin ·

Zumindest der materielle Schaden hält sich nun in Grenzen: Als vor einigen Tagen der „Sozialismus“ als Schriftzug an die Gedenkstätte auf Malchins Friedhof an- und wieder abgeschraubt wurde, hatten die Akteure die neuen Bohrlöcher genau in die Fugen des Mauerwerks gesetzt. Das ließ sich nun leicht reparieren.

Malchins AfD-Fraktions-Chef Engelhardt Kelm, der mit dem Anbringen der Buchstaben tagelang für viel Aufregung gesorgt hatte, kommt wohl aber auch aus einem anderen Grund ungeschoren davon. Die von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) angekündigte Strafanzeige wegen Sachbeschädigung wird es nicht geben, da ein solches Delikt nur der Eigentümer anzeigen kann. Die Gedenkstätte gehört aber der Stadt Malchin, die wohl eher kein Interesse daran hat, dem peinlichen Vorfall auch noch eine strafrechtliche Aufarbeitung folgen zu lassen.

Stadt sollte sich um Steintor und Wallanlage kümmern

Allerdings hat Malchins einwöchiger Kampf für den Sozialismus nun doch noch eine Folgewirkung. Der Schul- und Kulturausschuss hat sich jetzt dafür ausgesprochen, das Denkmalkonzept der Stadt fortzuschreiben. Das Konzept ist mittlerweile fast zehn Jahre alt. Damals hatten die Stadtvertreter eine Prioritätenliste der zu sanierenden Denkmäler aufgestellt. Für diese Aufgabe sollten dann jährlich 20.000 Euro eingeplant werden. Mit dem Konzept ist Malchin jetzt auch ein ganzes Stück voran gekommen. Ganz oben auf der Liste standen zum Beispiel die Parkanlage in Remplin oder der Keller des Rathauses – beide Projekte seien in Arbeit. Die Sanierung des Kriegerdenkmals am Wall sei inzwischen abgeschlossen, zog Stadtvertreter Martin Jahrmärker auf der jüngsten Sitzung des Ausschusses Bilanz. Das VVN-Denkmal im Stadtpark ist dagegen weiterhin in einem maroden Zustand. Hier überraschte Bürgermeister Axel Müller (CDU) Anfang Mai mit der Überlegung, dieses Denkmal wegen der schweren Schäden abzutragen und in der ursprünglichen Form völlig neu aufzubauen.

„Weil aber doch vieles fertig ist, könnten wir jetzt eine neue Prioritätenliste erstellen“, schlug Jahrmärker vor. So sollte sich die Stadt künftig etwa um das Steintor oder die Wallanlage kümmern. Das Steintor weist trotz Sanierung bereits wieder Schäden auf. Die Wallanlage soll als „grünes Denkmal“ stärker zur Geltung kommen.

Beschluss, „Sozialismus” zu entfernen, war möglicherweise Unrecht

Zum VVN-Denkmal auf dem Friedhof gibt es unterdessen Hinweise, dass es auch zur Wendezeit Anfang der 1990er Jahre unter Denkmalschutz gestanden hat. Damit wäre der Stadtvertreter-Beschluss aus dem Jahr 1990, in dessen Folge der Schriftzug „Sozialismus“ entfernt worden war, Unrecht gewesen. Tatsächlich war der „Sozialismus“ auf Drängen der Denkmalbehörde zwei Jahre später auch wieder angebracht worden, sodass der Schriftzug „Den Kämpfern für Frieden und Sozialismus“ für einige Zeit wieder komplett war. Wer den „Sozialismus“ dann warum wieder abgenommen hat und wann genau das war, ist bisher ungeklärt.

 

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