Ludwig Bork ist der Geschäftsführer der Agrotherm GmbH, die das Malchiner Biomasse-Heizkraftwerk im Jahr 2014 in Bet
Ludwig Bork ist der Geschäftsführer der Agrotherm GmbH, die das Malchiner Biomasse-Heizkraftwerk im Jahr 2014 in Betrieb genommen hatte. Bei der Wärmeversorgung der Stadt Malchin soll das Kraftwerk ab 2023 eine noch viel größere Rolle spielen. Thomas Koch
„Kommune des Monats”

Malchin stoppt mit Heuofen die Heizkosten-Spirale

Die neue Stufe der CO2-Bepreisung macht Energie 2022 noch teurer. Malchin will sich mit dem Biomasse-Kraftwerk am Stadtrand jetzt aber aus dieser Preisspirale verabschieden.
Malchin

Herzlichen Glückwunsch an Malchin! Der Landtagsabgeordnete Thomas Krüger (SPD) war am Wochenende der erste, der der Stadt gratulierte. Malchin ist nämlich „Kommune des Monats“ geworden. Die Agentur für Erneuerbare Energien (AEE) hat die Kleinstadt für den Monat Dezember aufs Siegertreppchen gehoben. Was ist passiert?

Die AEE ist auf das Biomasse-Heizkraftwerk der Agrotherm GmbH in der Basedower Straße aufmerksam geworden. Das Kraftwerk verbrennt im Wesentlichen in Ballen gepresste Pflanzen wie Schilf, Erlen oder spezielle Gräser, die auf nassen Moorstandorten gewachsen sind. 5000 Ballen werden in dem Hightech-Ofen jährlich in Wärme umgewandelt. Das sind etwa 800 bis 1200 Tonnen Brennstoff. Dabei ist die Technik so flexibel ausgelegt, dass alternativ auch Holzschnitzel oder Stroh verbrannt werden können.

Noch bedeutsamer ab dem Jahr 2023

Das Heu-Kraftwerk soll künftig noch viel stärker als bisher für warme Wohnstuben in Malchin sorgen. „Wir wollen langfristig für die Wärmeversorgung in Malchin einen stabilen Preis“, sagt Bürgermeister Axel Müller (CDU). Und dabei kommt dem Biomasse-Kraftwerk ab dem Jahr 2023 eine noch größere Bedeutung zu. Mit bis zu 75 Prozent soll dann ein Großteil der Gebäude im Stadtgebiet mit erneuerbarer Fernwärme aus der Basedower Straße geheizt werden. Derzeit sind es 25 Prozent. „Dadurch können wir einen Großteil der seit diesem Jahr anfallenden CO2-Steuer abfangen“, erläutert Müller.

Dass die Preise für die Bürger ab dem Jahr 2023 sinken könnten, wie es Thomas Krüger voraussagt, will der Malchiner Bürgermeister allerdings nicht bestätigen. Der gerade neu geschlossene Vertrag mit dem Wärmeunternehmen energicos geht eher von einer geringfügigen Preiserhöhung aus, die weit unter dem Anstieg bei herkömmlichen Brennstoffen liegen dürfte. Außerdem hoffen die Stadt sowie die Wohnungsgesellschaft und die Wohnungsgenossenschaft, die zusammen Vertragspartner von energicos sind, dass sie noch mehr Hauseigentümer von der klimaschonenden Fernwärme überzeugen können. „Wer künftig seine Heizung umbaut, für den könnte unser Wärmenetz dann günstiger sein“, meint Bürgermeister Müller.

Schulen, Wohnungen und Büros mit Wärme versorgt

Das Kraftwerk mit einer Nennwärmeleistung von 800 Kilowatt versorgt nach AEE-Angaben bereits jetzt etwa 490 Wohnungen, zwei Schulen sowie mehrere Bürogebäude mit Wärme. Wollte man diese Wärme konventionell bereitstellen, wären ungefähr 380 000 Liter Heizöl pro Jahr nötig.

Malchin mache sich mit der Biomasse weitgehend unabhängig von schwankenden Energiekosten und internationalen Energiekrisen, meint Landtagsabgeordneter Krüger. AEE-Geschäftsführer Robert Brandt verweist darauf, dass der Brennstoff zu 90 Prozent von wiederhergestellten Niedermoorflächen stamme. Diese wiedervernässten Moorgebiete um den Kummerower See reduzieren den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid enorm, der ansonsten durch die Zersetzung trockener Moore entstehen würde.

„Malchin kann stolz darauf sein, dass ein solch innovatives Projekt bei uns seit Jahren praxistauglich am Markt bestehen kann“, lobt Landtagsabgeordneter Krüger in seinem Malchin-Glückwunschschreiben das sogenannte Paludi-Kraftwerk.

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